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Weltbiodiversitätsrat warnt vor drastisch beschleunigtem Artensterben

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Das Artensterben beschleunigt sich fortwährend. Insgesamt sind 0,5 bis 1 Million von rund 8 Millionen Arten gefährdet, warnt der Weltbiodiversitätsrat IPBES im ersten globalen Bericht zum Zustand der Biodiversität und der Ökosystemleistungen. Der dramatische Zustand der Natur hat enorme Konsequenzen für die menschliche Existenz. So sind 14 von 18 Leistungen der Natur wie Bestäubung oder saubere Luft am Schwinden.

Die direkten Ursachen für den Verlust an Biodiversität sind gemäss Bericht (in abnehmender Wichtigkeit) zu starke Land- und Meeresnutzung, direkter Abbau natürlicher Ressourcen, Klimawandel, Verschmutzung und invasive Arten. Der Bericht zeigt in umfassender Weise, wie der Verlust an Biodiversität und Naturleistungen mit grundlegenden gesellschaftlichen Entwicklungen zusammenhängt. In den letzten 30 Jahren hat sich die globale Ökonomie ums 7-fache und der globale Handel ums 8-fache gesteigert. Durch die globalisierte Wirtschaft hat sich Produktion und Konsum von Gütern seit den 80er Jahren räumlich voneinander getrennt. In der Folge verlagerte sich die Belastung der Natur stark von den Industrie- in die Entwicklungsländer, berichtet die Universität Bern und die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT.

«Die Schweiz darf deshalb bei ihren Massnahmen zugunsten der Artenvielfalt und Ökosystemleistungen nicht nur ihr eigenes Territorium im Auge haben, sondern muss auch eine Mitverantwortung für die weltweiten Anstrengungen Übernehmen», sagt Andreas Heinimann vom Geographischen Institut der Universität Bern und einer der Autoren des Kapitels 4 des IPBES-Berichtes.

Vereinbarte Ziele werden bei weitem nicht erreicht

Die international vereinbarten Biodiversitäts-und Nachhaltigkeitsziele (Aichi Ziele bis 2020 und Nachhaltige Entwicklungsziele (SDG) bis 2030) werden zum Grossteil nicht erreicht. Die Forschenden haben für den IPBES-Bericht erstmals Zukunftsszenarien bis 2050 für die einzelnen Weltregionen berechnet. Selbst wenn ein rascher Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingt, lässt sich der Rückgang der Biodiversität und der damit verbundenen regulierenden Ökosystemleistungen nur bremsen, aber nicht aufhalten. Der Verbrauch an Natur in Form von Nahrung, Futter, Holz oder Bioenergie wird weiter steigen. Macht die Welt aber weiter wie bisher – mit einem weiteren schnellen Anstieg des Konsums und der Bevölkerungszahl –, werden die negativen Auswirkungen insbesondere in Südamerika, Afrika und Asien enorm gross sein.

Der IPBES-Bericht macht deutlich, dass ein transformativer Wandel unserer Gesellschaften und unseres Umgangs mit der Natur nötig sind, um unsere Lebensgrundlagen langfristig zu sichern. «Der ungebremste Biodiversitätsverlust ist nicht nur ein äusserst wichtiges Umweltthema. Auch das künftige Wohlergehen der Menschen und eine nachhaltige Entwicklung sind nur mit intakter Biodiversität möglich. Es braucht ein Umdenken und entsprechende Entscheidungen in allen Gesellschaftssektoren», sagt Markus Fischer vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern und vom IPBES-ExpertInnenrat.

Mögliche Lösungsansätze

Der Bericht nennt ein ganzes Bündel an Handlungsmöglichkeiten, die als Hebel wirken können, um den Trend der Naturverarmung umzukehren:

  • Visionen für eine gute Lebensqualität entwickeln, die keinen ständig steigenden Materialverbrauch mit sich bringen.
  • den Gesamtverbrauch und die Verschwendung senken, indem sowohl das Bevölkerungswachstum als auch der Pro-Kopf-Verbrauch angegangen werden.
  • neue soziale Normen für Nachhaltigkeit schaffen.
  • die Gleichheit stärken (zwischen Anspruchsgruppen, Geschlechtern und Generationen).
  • die Planung verbessern und mit gezielten Anreizen den Artenschwund reduzieren.
  • den schonenden Umgang mit der Natur durch lokale Wirtschaftstätigkeiten stärken und beim internationalen Handel berücksichtigen.
  • umweltfreundliche technologische und soziale Innovationen unterstützen.
  • Bildung, Wissensgenerierung und Erhaltung verschiedener Wissenssysteme fördern, einschliesslich der Wissenschaften und des einheimischen und lokalen Wissens über Natur, Erhaltung und ihre nachhaltige Nutzung.

Der IPBES-Bericht ist das bisher umfassendste globale Assessment zum Zustand der Biodiversität und der Ökosystemleistungen. 150 Autorinnen und Autoren haben den 1’700 Seiten starken Bericht verfasst. Dieser stützt sich auf 15’000 publizierte Studien und wurde durch über 20’000 Kommentare von Forschenden und Regierungen verbessert und geschärft.

Weitere Informationen finden Sie in der Medienmitteilung des IPBES.

Der Weltbiodiversitätsrat
ist im Vergleich zum Weltklimarat IPCC noch sehr jung. Erst im Jahr 2012 wurde der Rat gegründet. Mittlerweile sind rund 132 Staaten Mitglied. Die Fachleute arbeiten allerdings kostenlos. Die Fachleute kommen nicht nur aus dem naturwissenschaftlichen Bereich, sondern auch aus den Sozialwissenschaften und auch aus interdisziplinären Bereichen.

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