Seit 2022 läuft in Rapperswil-Jona das Projekt «Mehr Biodiversität und Vernetzung entlang von Waldwegen» vom Verein Hot Spots. Ziel ist es, die ökologisch wertvollen Lebensräume entlang von Waldwegen gezielt aufzuwerten und besser miteinander zu vernetzen.
Waldwegränder als unterschätzte Lebensräume
Das ökologische Potenzial von Strassenböschungen wurde bereits erkannt und in vielen Kantonen gibt es Programme zur ökologischen Böschungspflege. Ein ähnliches Potenzial haben auch Waldwegränder: Sie sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten innerhalb des Waldes und dienen gleichzeitig als Vernetzungskorridore.
Tiere finden hier Nahrung, Rückzugsorte und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Mit ihren vielen Wegkilometern spielen Waldwege zudem eine zentrale Rolle für die Wanderung und Ausbreitung von Arten.
Problematische Pflege: Mulchen und falscher Zeitpunkt
Trotz ihrer ökologischen Bedeutung werden Waldwegränder häufig zu intensiv gepflegt. Aus Effizienzgründen wird zudem oft gemulcht. Dabei wird die Vegetation zerkleinert und liegen gelassen. Dies bringt mehrere Probleme mit sich:
- Die Mulchschicht erschwert die Keimung empfindlicher Pflanzenarten, etwa von Orchideen.
- Nährstoffeintrag fördert dominante Arten und verdrängt seltene Pflanzen magerer Standorte.
- Zahlreiche Insekten und Kleintiere werden oft direkt durch den Einsatz des Mulchgerätes getötet. Besonders betroffen sind Tagfalter und deren Raupen, Heuschrecken sowie Amphibien und Reptilien.
Weiter führt eine zu frühe Mahd dazu, dass Pflanzen nicht versamen und sich daher nicht vermehren können. Nur frühblühende Pflanzen können sich entwickeln.
Neue Ansätze – Schonende Mahd
Im Rahmen des Projektes wurde deshalb ein neuer Pflegeansatz entwickelt. Die Waldwege im Projektperimeter wurden erfasst und nach ökologischem Wert kategorisiert. Darauf basierend kommen in den jeweiligen Wegabschnitten unterschiedliche Pflegemethoden zum Einsatz.
Im Zentrum steht eine besonders schonende, späte Mahd mit dem Messerbalken. Diese Technik schneidet die Vegetation, anstatt sie zu häckseln, wodurch deutlich weniger Tiere zu Schaden kommen. Das Schnittgut wird entweder vor Ort getrocknet und in einem zweiten Schritt zusammengetragen oder direkt durch ein tierschonendes Verfahren aufgenommen. Auch die Schnitthöhe wurde erhöht um bodennahe Lebewesen zu schonen. Der Schnittzeitpunkt wurde von Juli nach August verschoben. So können spätblühende Blütenpflanzen ihre Samen verteilen, bevor diese gemäht werden.

Erste Erfolge und gezielte Aufwertungen
In den Jahren 2022 bis 2025 wurden die angepasste Bewirtschaftung der Waldwegränder konsequent umgesetzt und weiterentwickelt. Ergänzend dazu erfolgten gezielte ökologische Aufwertungen:
- Entfernung invasiver Neophyten
- strukturreichere Gestaltung von Waldwegrändern
- Sammlung und Wiederansiedlung von Saatgut seltener Orchideen
Die Massnahmen zeigen bereits erste positive Effekte auf die Artenvielfalt und die ökologische Qualität der Waldwegränder. Es zeigt sich jedoch auch, dass die angepasste Mahd nicht für jeden Vegetationstyp geeignet ist. Insbesondere das Vorhandensein von Brombeeren und Kratzbeeren erschwert die ökologische Pflege, wodurch diese aufwändiger und dadurch auch deutlich teurer wird. Ziel dieses Projektes ist daher auch, klar aufzuzeigen, bei welchen Voraussetzungen es sich lohnt auf eine ökologische Pflege zu setzen.
Fortsetzung und Erfolgskontrolle
Auch 2026 wird das Projekt weitergeführt. Die schonende Mahd bleibt ein zentrales Element, ergänzt durch zusätzliche ökologische Aufwertungsmassnahmen entlang ausgewählter Wegabschnitte. Die gewonnenen Erkenntnisse werden am Ende des Projektes zusammengetragen und ein Infoblatt wird erstellt.
Ein Modell für die Zukunft
Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität im Naherholungsraum Wald und zeigt exemplarisch, welches Potenzial in einer ökologischen Pflege von Waldwegen steckt.
Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, dass insbesondere Kantone und Amtsstellen dieses Potenzial erkennen und entsprechende Pflegekonzepte breit umsetzen.





