StartNewsNaturLebensraum statt Hitzefalle: Überlegter Artenschutz an Fassaden

Lebensraum statt Hitzefalle: Überlegter Artenschutz an Fassaden

Hitzewellen machen nicht nur uns Menschen zu schaffen. Für junge Mauersegler kann sie sogar lebensgefährlich werden. Die Vögel brüten häufig in kleinen Hohlräumen unter Dächern und Dachziegeln. Bei intensiver Sonneneinstrahlung können sich solche Nistplätze auf über 60 °C aufheizen. Noch nicht flugfähige Jungvögel verlassen ihre Bruthöhlen zu früh, um der Hitze zu entkommen und stürzen zu Boden. Werden sie dann nicht von helfenden Menschen gefunden, ist ihr Schicksal besiegelt.


Originalbeitrag der Stiftung Pro Artenvielfalt vom 15.07.2026


Wie wichtig es ist, bei Sanierungen und Neubauten nicht nur neue Nistplätze zu schaffen, sondern auch deren Lage und Hitzeschutz mitzudenken, zeigt das Mauerseglerprojekt der Stiftung Pro Artenvielfalt in Basel-Westfeld im Iselin Quartier.
 
Beim Umbau des ehemaligen Felix Platter-Spitals und der Entwicklung des Areals zu einem neuen Wohnquartier wurde gemeinsam mit den Planern dafür gesorgt, dass nicht nur neuer und «artgerechter» Wohnraum für Menschen entsteht. Insgesamt 36 Nistkästen für Mauersegler wurden direkt in die Fassaden mehrerer Gebäudebausteine integriert. Weitere Kästen werden gegenwärtig bei einem weiteren Neubau ergänzt und auch Mehlschwalbennester wurden nachgerüstet – letztere kommen im Quartier nur noch relikthaft vor.

Schutz vor der Sommerhitze

Es wurde bewusst darauf geachtet, die Nistplätze möglichst wenig der direkten Sonneneinstrahlung und extremer Aufheizung auszusetzen. Das erweist sich während der aktuellen Hitze als besonders wertvoll und kann für die Jungvögel lebensrettend sein. Denn während sich enge Hohlräume unter dunklen, intensiv sonnenbeschienenen Dachziegeln in regelrechte Backöfen verwandeln können, bieten gut geplante und geschützt in die Fassade integrierte Nistplätze deutlich bessere Bedingungen für die Aufzucht der Jungen. Dank der begrünten Flachdächer mit Totholzinseln und Sandlinsen gibt es auch ein passables Nahrungsangebot an Fluginsekten.

Mauerseglerküken in Basel-Westfeld – Bild: © Stiftung pro Artenvielfalt

Die Mauersegler haben den neuen Wohnraum angenommen. Jahr für Jahr wächst die Kolonie im Westfeld – und immer mehr Jungvögel fliegen dort erfolgreich aus. Der aktuelle Stand im Westfeld liegt bei 14 ausgeflogenen Jungseglern.

Früh planen, dauerhaft schützen

Dieses Beispiel zeigt: Artenschutz an Gebäuden muss nicht kompliziert sein. Entscheidend ist, dass er frühzeitig mitgedacht wird. Werden Fachleute für den Artenschutz bereits in die Planung einbezogen oder bilden sich Planerinnen und Planer im Thema Gebäudebrüter weiter, können mit vergleichsweise einfachen Massnahmen dauerhafte Brutplätze geschaffen werden, die nicht nur heute funktionieren, sondern auch den zunehmend heissen Sommern Rechnung tragen.

Nach demselben Grundgedanken wurden auch ehemalige Trafotürme zu Artenschutztürmen umgebaut. Und dass solche Schutzräume tatsächlich genutzt werden, zeigt in diesem Jahr besonders erfreulich unser Artenschutzturm der Stiftung pro Artenvielfalt in Walperswil im Kanton Bern: Dort zieht derzeit ein Schleiereulenpaar fünf Jungvögel gross!

Schleiereulen-Küken am Artenschutzturm
Bild: © Stiftung pro Artenvielfalt

Gebäude als Lebensräume

Ob mitten in Basel oder in einem alten Trafoturm im Kulturland: Gebäude können weit mehr sein als Wohn- und Arbeitsräume für Menschen. Richtig geplant und gestaltet, werden sie zu wertvollen Lebensräumen und ermöglichen eine Koexistenz zwischen Menschen und Siedlungs-Wildtieren. In Zeiten immer extremerer Hitze kann ein gut geschützter Nistplatz für einen Jungvogel den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.
 
Die im Text erwähnten Arten Mauersegler, Mehlschwalbe und Schleiereule haben eines gemeinsam: Sie zählen in der Schweiz zu den Prioritätsarten für die Artenförderung und sind auf gezielte Schutz- und Fördermassnahmen angewiesen. Mit Massnahmen zur Förderung von Gebäudebrütern werden deshalb dauerhaft geeignete Brutplätze gesichert.

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