Ein Rückblick auf das Jahr 2025 aus Sicht der Schweizer Natur zeigt ein insgesamt düsteres Bild. Während die Forschung das Ausmass der Biodiversitätskrise mit jenem der Klimakrise vergleicht, findet das Thema in Politik, Verwaltung und in den Medien weiterhin nur begrenzte Aufmerksamkeit. Der folgende Überblick von BirdLife Schweiz fasst zentrale Ereignisse und Entwicklungen des Jahres 2025 im Bereich Natur und Biodiversität zusammen.
Am 29. Januar 2025 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zum «Entlastungspaket 2027». Was er an Kürzungen vorschlug, würde zu einer massiven Mehrbelastung künftiger Generationen führen. Bei Klima- und Naturschutzmassnahmen sind verantwortungslose Kürzungen vorgesehen. Damit brach Bundesrat Albert Rösti ein Versprechen, das er in der Abstimmungskampagne zur Biodiversitäts-Initiative gegeben hatte: Der Bund werde zukünftig gleich viel Mittel für die Biodiversität einsetzen. Das UVEK hatte sich nicht einmal verwaltungsintern für die Beibehaltung dieser wichtigen Finanzmittel eingesetzt. Dies, obwohl alle relevanten Berichte des Bundes zeigen, dass es für den Erhalt der Biodiversität viel mehr Mittel bräuchte als bisher.
Biodiversitätsschädigende Subventionen und Anreize
Die Ironie der Geschichte wollte es, dass der Bundesrat am gleichen Tag einen Bericht zu biodiversitätsschädigenden Subventionen veröffentlichte. Zur Erinnerung: Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL und die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) hatten 2020 geschätzt, dass jährlich 40 Milliarden Franken in biodiversitätsschädigende Subventionen und Anreize fliessen. Der Bericht, den der Bundesrat am 29. Januar 2025 veröffentlichte, las sich jedoch eher wie eine Sammlung von Ausreden, warum keine biodiversitätsschädigende Subvention umgestaltet, verbessert oder abgeschafft werden könne. Statt Synergien zwischen der Notwendigkeit des Sparens und dem Schutz unserer Lebensgrundlagen zu nutzen, schlug der Bundesrat im Entlastungspaket kurzsichtige Mittelkürzungen vor.
Schlechter Schweizer Aktionsplan
Aus Anlass der 16. Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention in Rom wurde im Februar ein internationaler Vergleich der nationalen Biodiversitäts-Aktionspläne von 23 Staaten publiziert. Der Schweizer Aktionsplan wird als schlechtester Aktionsplan eingestuft. Mehrere Entwicklungsländer wie Afghanistan, Kuba, Jordanien oder Surinam schneiden viel besser ab als die Schweiz. Afghanistan weist beispielsweise bei keinem der elf Haupt-Indikatoren schlechtere Werte auf als die Schweiz.
Artenförderung und Strommasten
Im Kleinen gab es 2025 auch positive Nachrichten aus der Schweizer Natur. So konnte BirdLife nach konkreten und gezielten Schutzmassnahmen eine Bestandserholung von stark gefährdeten Vogelarten wie Steinkauz, Uferschwalbe und Grauammer feststellen – allerdings auf tiefem Niveau im Vergleich zu ihren ursprünglichen Vorkommen. Das bestätigt einmal mehr, dass konkrete Massnahmen zum Schutz von gefährdeten Arten und Ökosystemen wirken. Der Bundesrat beschloss im Juni eine revidierte Leitungsverordnung. Nicht stromschlagsichere Strommasten – und davon gibt es in der Schweiz leider viel zu viele – können für Vögel mit grosser Spannweite zur tödlichen Falle werden. Das Problem und die dazugehörigen technischen Lösungen sind seit rund 30 Jahren bekannt. Endlich wurde die Verpflichtung zur Sanierung gefährlichen Leitungen präzisiert und mit einer Umsetzungsfrist ergänzt. Trotz langer Umsetzungsfrist (2035 bzw. 2040 je nach Leitungstyp) stellt dies eine Verbesserung dar.
Biotope von nationaler Bedeutung gehen kaputt
Am 1. Juli veröffentlichte die WSL die «Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz». Die Hoch- und Flachmoore gehen vor unseren Augen kaputt, und der Bundesrat lässt es geschehen. Die Entwicklung zu trockeneren Verhältnissen bedroht die Schweizer Moore und führt zur Abnahme von hoch- und flachmoortypischen Arten. Besonders schlimm: Es gab einen weiteren Verlust von 6.5 % der Fläche der wenigen verbliebenen Schweizer Hochmoore innert nur sechs Jahren. In Trockenwiesen und -weiden wurde eine leicht positive Entwicklung festgestellt – angesichts von 80 % Trockenwiesen, deren Schutz noch nicht gesetzeskonform umgesetzt ist, muss dies jedoch als Stagnation betrachtet werden. Auch bei den verbleibenden beiden Kategorien, Amphibienlaichgebiete und Auen von nationaler Bedeutung, müssen Stagnation und weitere Verschlechterungen festgestellt werden.
Enttäuschendes Jahresende
Im Dezember verabschiedete der Bundesrat sieben ergänzende Massnahmen zum Aktionsplan Biodiversität Schweiz. Eine Lektüre der aktualisierten Massnahmen gibt wenig Hoffnung, dass die Schweiz mit diesem Aktionsplan im internationalen Vergleich den letzten Platz abgeben könnte – geschweige denn ihre Biodiversität langfristig erhalten!
Ebenfalls im Dezember beugte sich der Ständerat über das sogenannte Entlastungspaket 2027. Trotz gewisser Korrekturen gibt es auch hier keinerlei Entwarnung: Naturschutzmassnahmen – die notabene oft in Zusammenarbeit mit Forst und Landwirtschaft umgesetzt werden – werden kaputtgespart, während die staatlich finanzierte Naturzerstörung im Umfang von jährlich rund 40 Milliarden Franken unvermindert weitergeht.
Hoffnungsschimmer
Hoffnung für die Schweizer Natur ergibt sich aus dem zunehmenden Engagement der Zivilgesellschaft. Das Interesse an Naturbeobachtungen, Naturfotografie, Kursen und weiteren Veranstaltungen ist gross und nimmt weiter zu. Auch die Beteiligung an organisierten Naturschutzaktivitäten auf kantonaler und kommunaler Ebene wächst seit Jahren kontinuierlich. Viele dieser engagierten Personen erleben den Zustand der Natur direkt vor Ort und nehmen deren zunehmende Gefährdung wahr. Damit steigt auch der gesellschaftliche Druck auf Politik und Behörden, ihrer Verantwortung im Natur- und Artenschutz stärker nachzukommen.




