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Grosses Blaumeisensterben in Deutschland

Seit Anfang März werden in Deutschland auffallend viele Blaumeisen beobachtet, die krank wirken und kurz darauf sterben. Jetzt ist der Erreger des Meisensterbens identifiziert: Es ist ein Bakterium namens Suttonella ornithocola, das bei den Vögeln eine Lungenentzündung verursacht.

Anfangs April rief der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Bevölkerung auf, kranke und tote Meisen zu melden. Grund für das Sammeln von Daten war ein mysteriöses Blaumeisensterben – keine der bisher bekannten Vogelkrankheiten passte zum neuen Phänomen. Nun wurde das Rätsel gelöst: Ein Bakterium führt zu einer Lungenentzündung bei den Vögeln. Infizierte Tiere wirken apathisch, sitzen aufgeplustert auf dem Boden, und zeigen keine Scheu vor Menschen. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids sind häufig verklebt.

Tausende von Vögel sind betroffen

Bis Mitte April wurden dem NABU innerhalb von nur zwölf Tagen etwa 26’000 krank wirkende oder tote Vögel gemeldet. Gleichzeitig wurde in mehreren Landeskreisen Deutschlands bei Laboranalysen toter Tiere der Erreger Suttonella ornithocola festgestellt.

«Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten, von denen die Blaumeise mit Abstand am häufigsten in deutschen Gärten vorkommt», sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. «Vermutlich sind auch Tannenmeise, Hauben-, Sumpf- und Weidenmeise betroffen. Seltener erkranken die größeren Kohlmeisen.»

Tausende von toten und kranken Meisen wurden in Deutschland seit Anfgang März beobachtet. © NABU

Von Grossbritannien zum europäischen Festland

Das Bakterium ist erst seit 1996 bekannt. Damals wurde es in Grossbritannien beschrieben und kommt dort flächendeckend regelmässig vor, hat aber bisher nicht zu überregionalen Massensterben geführt. Erst 2017 wurde es erstmals außerhalb von Grossbritannien nachgewiesen – in Finnland. Im April 2018 wurde Suttonella ornithocola erstmals in Deutschland bei mehreren Meisen bei kleineren Krankheitsausbrüchen im südlichen Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Miller: «Das massenhafte überregionale Auftreten in diesem Jahr ist für diesen Erreger neu. Außer Deutschland sind mindestens auch Luxemburg und Belgien betroffen.»

Lage in der Schweiz

In der Schweiz wurde bisher noch kein erhöhtes Meisensterben beobachtet. Dass in Zukunft aber auch Meisen in der Schweiz von der Krankheit betroffen sind, ist nicht auszuschliessen. Um die Verbreitung des Krankheitserregers zu reduzieren, rät der NABU, in betroffenen Gärten Anziehungspunkte wie Futter- und Badestellen zu beseitigen. Dadurch können sich die Vögel weniger leicht gegenseitig anstecken. «Social Distancing hilft auch bei Vogel-Seuchen, Ansteckungen zu reduzieren.», so Miller. Damit betroffene Vogelbestände sich möglichst schnell wieder erholen können, ist es wichtig, gute Bedingungen für die anstehende Brutzeit zu bieten. Ein naturnaher Garten bietet besonders viel Nahrung für die hungrigen Jungen.

4 Kommentare

    • Hallo Mirjam, da besteht fast ganz sicher kein Zusammenhang. Viel gefährlicher ist das Futterhäuschen, es ist ein hotspot für die Verbreitung aller möglichen Krankheiten und verunmöglicht eine natürliche Selektion. Ausserdem wirkt sich fettreiches Futter negativ auf den Bruterfolg aus.

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