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Wie seltene Schneckenarten gefördert werden können

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Es mag überraschend klingen, aber 40% der Landschneckenarten in der Schweiz gelten als bedroht. In einem Pionierprojekt fördert der Verein Hot Spots deshalb gezielt Schneckenarten der Trockenwiesen und Ruderalflächen. Das Projekt stärkt bestehende Populationen und schafft geeignete Habitate für die bedrohten Arten.

Text: Verein Hot Spots

Gemäss der Roten Liste der Weichtiere von 2010 sind 40% der 181 Landschneckenarten in der Schweiz bedroht. Dabei sind insbesondere auch die Schneckenarten der Trockenwiesen, Trockenweiden und verwandter Lebensräume gefährdet. Durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und den erhöhten Nährstoffeintrag gehen immer mehr Habitate für diverse Schneckenarten verloren. Aber auch die Nutzungsaufgabe und die daraus resultierende Vergandung der Trockenwiesen, lichten Wälder und Felsbänder sind als Gefährdungsfaktor zu nennen. Ohne geeignete Massnahmen werden die seltenen Arten weiter zurückgehen und einige wohl auch im Mittelland und weiten Teilen des Jura aussterben.

Gezielte Förderung

Über die Ökologie der Landschnecken ist immer noch relativ wenig bekannt. In diesem Pionierprojekt möchte der Verein Hot Spots in den fünf Kantonen Bern, Basel-Landschaft, Aargau, Zürich und Thurgau gezielt die Schneckenarten ausgewählter Magerstandorte fördern. Dabei sollen bestehende Vorkommen durch Habitataufwertungen gestärkt werden und die Zielarten wo möglich und sinnvoll in geeignete und vermutlich ehemals besiedelte Flächen umgesiedelt werden. Diese typischen Schneckenarten der Magerstandorte sollen in diesem Projekt gefördert werden: Märzenschnecke, Wulstige Kornschnecke, Östliche Heideschnecke, Westliche Heideschnecke und Quendelschnecke.

Diese Arten besiedeln Trockenwiesen, Trockenweiden, trockene Ruderalflächen und z.T. Felsenrasen. Dabei sind sie auf lückige Vegetation mit offenen, gut besonnten Bodenstellen angewiesen. Da sie sich bei ungünstigen Bedingungen und zur Überwinterung gerne in den Boden zurückziehen, sollte er idealerweise locker sein oder kleine Hohlräume aufweisen.

Während die Östliche und die Westliche Heideschnecke nur als potentiell gefährdet gelten, sind die übrigen Arten in der Roten Liste als gefährdet (VU) eingestuft. Sie gehören zudem zu den national prioritären Arten und ihre Bestände können gemäss BAFU nicht allein über die üblichen Lebensraum-Massnahmen erhalten und gefördert werden, sondern brauchen spezielle Förderungsmassnahmen.

Welche Massnahmen müssen getroffen werden?

Neben Habitataufwertungen wie Entbuschungen, Waldauflichtungen, Neophyten-bekämpfung und Schaffen von offenen Bodenstellen wird auch die Art der Bewirtschaftung hinterfragt und wo nötig werden Anpassungen vorgeschlagen. Dadurch sollen bestehende Populationen gestärkt werden oder ein für sie wieder geeignetes Habitat geschaffen werden.  Von den extensiv bewirtschafteten Magerstandorten mit hohem offenem Bodenanteil profitieren neben den Schnecken auch Wildbienen, diverse Tagfalter und Widderchen, Heuschrecken und seltene Pflanzen wie z.B. Gewöhnlicher Reiherschnabel oder Rötlicher Mauerpfeffer.

Schneckenprojekt
Durch Entbuschungsarbeiten wurde dieser Lebensraum in Rothenflue (BL) aufgewertet zur Förderung von Zebraschnecke und Westliche Heideschnecke. © Bruno Erny

In kleinem Rahmen sind auch Nachkartierungen einiger Projektgebiete und deren Umgebung geplant, da die Kenntnisse über die aktuelle Verbreitung der Zielarten noch ungenügend sind. Zudem sollen sie wo möglich und sinnvoll in geeignete und ehemals besiedelte Flächen, die im Rahmen des Projektes aufgewertet wurden, umgesiedelt werden. Umsiedlungen sind nötig, da Schnecken nur kleine Distanzen zurücklegen und vielerorts auf unüberwindbare Hindernisse stossen. Wo Wieder- und Neuansiedlungen erfolgen, soll eine Erfolgskontrolle durchgeführt werden.

Melden von Schneckenbeobachtungen

Damit weitere Informationen zur Verbreitung der Ziel- und weiterer Schneckenarten zusammenkommen, sind Meldung von Funden sehr wertvoll! Gesehene Schnecken können auf der Webfauna vom CSCF eingegeben oder dem Verein Hot Spots gemeldet werden. Und unsichere Bestimmungen können mit Angaben der Fundstelle zur Überprüfung an den Verein geschickt werden. Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!

2 Kommentare

  1. Ich würde mich gerne an einem solchen Projekt beteiligen, zum Beispiel, indem ich Fundorte melde und Bilder einsende. Dazu müsste ich aber wissen, wie die seltenen Schnecken aussehen. Wo finde ich solche Informationen?

    • Liebe Kathrin,
      Herzlichen Dank für dein Interesse am Projekt! Leider ist die Bestimmung der Schnecken relativ komplex und uns ist keine Bestimmungsliteratur im Internet bekannt. Als Bestimmungsliteratur dient «Die Schneckenfauna der Schweiz» von Cristina Boschi, Haupt Verlag. Die Literatur geht jedoch ins Detail und eignet sich nicht besonders für Laien. Aber es sind auch schon Meldungen von Weinbergschnecken wertvoll! Leere Schneckenhäuschen dürfen auch an den Verein Hot Spots geschickt werden, mit Angaben zu Fundort etc. Dann können die Experten sie bestimmen.
      mit liebem Gruss, Ennia, Naturschutz.ch

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