StartNewsNaturFeuchtgebiete der Schweiz in Not: Rettung ist jetzt notwendig

Feuchtgebiete der Schweiz in Not: Rettung ist jetzt notwendig

Zum «World Wetlands Day» am 2. Februar mahnt die Ramsar-Konvention, dass die stark bedrohten Feuchtgebiete der Schweiz dringend gerettet werden müssen. Die verbliebenen Fragmente dieser einzigartigen Ökosysteme reichen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge nicht aus, um die Artenvielfalt zu erhalten. Es braucht umfassende Renaturierungsmassnahmen, um die zerstückelten Feuchtgebiete wiederherzustellen.

Die Biodiversitätskrise in der Schweiz hat die Talsohle noch nicht erreicht; der Rückgang der biologischen Vielfalt dauert weiter an. Dies zeigt der neue Swiss Academies Report «Biodiversität verstehen und gestalten» vom Januar 2026, der von führenden Schweizer Forscherinnen und Forschern erarbeitet wurde. Besonders lang sind die Roten Listen bei Pflanzen- und Tierarten, die auf Gewässer und Feuchtgebiete angewiesen sind. Ihnen setzen die Zerstörung und Beeinträchtigung der Lebensräume durch Gewässerverbauungen, Entwässerungen, Stoffeinträge (Nährstoffe, Pestizide u. a.) und veränderte klimatische Bedingungen ganz besonders zu.

Der jährliche Word Wetlands Day ruft die starke Bedrohung, aber auch die grosse Bedeutung der Feuchtgebiete weltweit ins Gedächtnis. Als Feuchtgebiete werden dabei Flächen bezeichnet, die mit Wasser gesättigt sind oder permanent oder saisonal überflutet werden. Sie sind nicht nur Lebensraum für zahlreiche bedrohte Arten – sie haben auch einen enormen Nutzen für uns Menschen. So sind sie für die Minderung des Klimawandels unentbehrlich, da ihre Böden ausgezeichnete Kohlenstoffspeicher darstellen. Zudem wirken sie bei grossen Regenmengen wie ein Schwamm, der Wasser speichert und verzögert wieder abgibt. So reduzieren sie Überschwemmungen und mindern die Auswirkungen von Trockenperioden. Eine zentrale Rolle spielen Feuchtgebiete auch bei der Wasserreinigung.

Nur noch 10 % der Feuchtgebiete übrig

Typische Feuchtgebiete der Schweiz sind u. a. Auen, Hoch- und Flachmoore, Riedwiesen und Röhrichte. Von ihnen gibt es heute nur noch kleine Reste: Gemäss dem Swiss Academies Report sind von den im Jahr 1850 noch vorhandenen Mooren und Auen nur noch etwa 10 % übrig. Aus dem einst ausgedehnten Feuchtgebietsnetz wurde durch Umwandlung in intensiv genutztes Kulturland oder Überbauungen ein Flickwerk aus isolierten Restflächen, die meist weniger als 1 ha gross sind. Für diesen Umbau musste zuerst einmal das Wasser aus der Landschaft weggeführt werden: durch Gewässerverbauungen, Entwässerungsgräben oder Drainagen – Wasser, auf das man zukünftig angesichts der immer längeren Trockenperioden im Zusammenhang mit dem Klimawandel dringend angewiesen wäre.

Um die typischen Arten und die volle Funktionsfähigkeit der Feuchtgebiete langfristig zu erhalten, reichen die verbliebenen Lebensraumfragmente bei Weitem nicht aus. Sie müssen renaturiert und ihre Lebensräume wiederhergestellt werden. Bei Mooren und Auen ist gemäss dem Swiss Academies Report rund dreimal mehr qualitativ hochstehender Lebensraum nötig als heute noch vorhanden ist.

2012 hielt der Bundesrat in der Strategie Biodiversität Schweiz als Ziel die Einrichtung einer Ökologischen Infrastruktur zur Sicherung der Flächen in der nötigen Qualität und Vernetzung fest – ein weitsichtiger Entscheid. «Doch mit der Umsetzung der Ökologischen Infrastruktur lässt man sich viel Zeit, währenddessen weitere wertvolle Flächen verschwinden und Bestände zahlreicher spezialisierter Arten schrumpfen», sagt Daniela Pauli, Leiterin der Abteilung «Lebensräume und Schutzgebiete» bei BirdLife Schweiz. «Mangels Ressourcen gelingt es nicht einmal, die Qualität in den verbliebenen Feuchtgebiete zu halten: den Auen, Hoch- und Flachmooren von nationaler Bedeutung.»

Feuchtgebiete verlieren laufend an Qualität

Wie die «Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz» des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und der Eidg. Forschungsanstalt WSL zeigt, verändern sich zahlreiche dieser Biotope negativ. In Mooren geht der Anteil spezialisierter Arten zurück, was bedeutet, dass sie ihren typischen Charakter nach und nach verlieren. Die Gründe: Austrocknung, übermässige Stickstoffeinträge und ungenügender Unterhalt. Der Wasserhaushalt der Moore ist gestört, weil weiterhin Entwässerungsgräben und Drainagen das Nass abführen und hydrologische Pufferzonen fehlen. Die kritischen Belastungsgrenzen für Stickstoff werden in 94 % aller Hochmoore und drei Vierteln aller Flachmoore überschritten. Besonders hoch sind diese Stickstoffeinträge in Regionen mit hohen Tierbeständen. Viele Feuchtgebiete verbuschen, weil sie nicht gemäss den Schutzzielen unterhalten werden, es fehlt an personellen und finanziellen Ressourcen. Der Klimawandel verschärft diese Entwicklungen zusätzlich.

Das BAFU und die WSL mahnen in der Wirkungskontrolle Biotopschutz, dass Renaturierungen zur Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts in Mooren zentral seien, um ihre langfristige Austrocknung zu stoppen. Doch mit dem angekündigten «Entlastungspaket» will der Bundesrat nun ausgerechnet bei der Natur und damit auch bei den Biotopen von nationaler Bedeutung die Mittel kürzen, anstatt sie wie dringend nötig massiv aufzustocken.

BirdLife packt zusammen mit seinen Kantonalverbänden, lokalen BirdLife-Naturschutzvereinen und zahlreichen Partnern ganz konkret an und stellt zerstörte oder beeinträchtigte Feuchtflächen wieder her. So im Neeracherried, wo es in den letzten Jahren gelungen ist, in den Dorfwiesen, Saumbachwiesen und an der Westgrenze insgesamt rund 10 Hektaren wertvolle Feuchtgebiete wiederherzustellen.

Feuchtgebiete sind Lebensadern der Biodiversität und erbringen kostenlos enorme Leistungen für die Gesellschaft – sie brauchen dringend Hilfe. Der World Wetlands Day erinnert einmal mehr daran.

Weiter Informationen

  • Forum Biodiversität Schweiz (Hrsg.) (2026): Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten. Zustand, Entwicklung und Lösungsansätze – Ergebnisse aus Forschung und Monitoring. Swiss Academies Reports 21 (1)
  • Bergamini A. et al. (2025): Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz (WBS): Zustand und Veränderungen in den Biotopen von nationaler Bedeutung nach zwei Erhebungsperioden. WSL Ber. 174: 207 S.

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