StartNewsNaturDie Esche - Ein heimischer Klassiker kämpft ums Überleben

Die Esche – Ein heimischer Klassiker kämpft ums Überleben

Vor wenigen Jahren war die Esche noch der zweithäufigste Laubbaum der Schweiz, nun ist sie hinter den Ahorn zurückgefallen. Die Bäume erliegen dem Eschentriebsterben, auch Eschenwelke genannt. Eine Krankheit, die durch einen eingeschleppten Pilz verursacht wird und 90 bis 95 Prozent der einheimischen Eschen bedroht.  Bis heute sind leider keine wirkungsvollen Massnahmen bekannt. Besteht doch noch Hoffnung für einen Baum, der seit Jahrhunderten das Schweizer Landschaftsbild prägt?

Achtet Euch bei Eurem nächsten Spaziergang mal auf die Eschen. Garantiert entdeckt Ihr mindestens Eine, die nur noch wenige Blätter in der Baumkrone hat, keine neuen Triebe ausbildet und keinen gesunden Eindruck macht. So sieht die Lage leider schweizweit aus.

Parasitärer Pilz trifft auf schutzlose Eschen

Das Eschentriebsterben ist eine Baumkrankheit, die durch das Falsche Weisse Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) verursacht wird. Dieser Pilz stammt ursprünglich aus Ostasien und lebt parasitär in den Blättern, Trieben und verholzten Teilen der Esche. Während die Eschenarten Ostasiens weitgehend resistent sind, trifft der Pilz in der Schweiz auf schutzlose Arten. 

Der Pilz befällt die Esche meist über die Blätter. Im Sommer bildet er auf abgefallenen Eschenblättern des Vorjahres kleine, weisse Fruchtkörper. Von dort werden Sporen freigesetzt, die durch den Wind verbreitet werden. Treffen sie auf Eschenblätter, dringen sie in das Blattgewebe ein, von wo der Pilz über Blattstiele weiter in Triebe und Äste wächst. Dadurch wird die Versorgung der Triebe unterbrochen, und Blätter, Zweige oder ganze Kronenteile sterben ab.

Ein Forstbetrieb erzählt: Entwicklung und Massnahmen

Diese Entwicklung beobachtet auch der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg, der rund 2000 Hektaren Wald im Jurapark Aargau bewirtschaftet. Dort hat das Eschentriebsterben deutliche Spuren hinterlassen: In den vergangenen 15 Jahren ist der Anteil der Esche im Forstgebiet um 10 Prozentpunkte zurückgegangen und macht heute nur noch rund 3 Prozent des Baumbestandes aus.

Baumarten Forstrevier Homberg-Schenkenberg – Anteile in Prozent
Quelle: Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg

Für den Betriebsleiter und Förster Rolf Treier ist die Fortschreitung der Krankheit deutlich sichtbar: Im bewirtschafteten Gebiet werden fast keine unbefallenen Eschen mehr gefunden. Viele Bäume zeigen lichte Kronen, abgestorbene Triebe oder Schäden am Stamm. Damit verschwindet eine Baumart, die früher selbstverständlich zum Waldbild gehörte, Stück für Stück aus dem Bestand.

«Wir finden in unserem Gebiet heute fast keine unbefallenen Eschen mehr»

Rolf Treier, Betriebsleiter Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg

Aktiv gegen die Krankheit vorzugehen, ist kaum möglich. Wirksame Massnahmen zum Schutz der Eschen sind bislang nicht bekannt. Deshalb konzentriert sich der Forstbetrieb vor allem darauf, die Entwicklung zu beobachten und Risiken zu vermeiden. «Wo es möglich ist, bleiben erkrankte Eschen stehen», erklärt Rolf Treier. Gefällt werden sie vor allem aus zwei Gründen: Aus wirtschaftlichem Nutzen oder wenn sie zum Sicherheitsrisiko für werden.

«Wenn wir sehen, dass schöne, grosse Eschen mit relativ wertvollen Stämmen befallen werden, dann werden diese auch aus wirtschaftlichen Gründen gefällt. Wäre ja schade die Bäume 100 Jahre zu pflegen und dann mit der Nutzung zu warten, bis der Stamm total entwertet ist und nur noch als Energieholz dient.», verdeutlicht Rolf Treier zur Nutzung befallener Bäume.

Andererseits können Eschen auch aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Das ist nötig, weil befallene Eschen an Stabilität verlieren können. Äste brechen leichter ab, und auch die Standfestigkeit des Baumes kann beeinträchtigt sein. Für den Forstbetrieb bedeutet das eine schwierige Abwägung: Einerseits sollen kranke Bäume nicht vorschnell entfernt werden, andererseits muss die Sicherheit der Waldbesucher:innen gewährleistet bleiben.

Hoffnungsschimmer durch natürliche Resistenzen

Trotz der dramatischen Entwicklung ist die Esche nicht verloren. Zwar wird erwartet, dass das Eschentriebsterben in der Schweiz weiterhin viele Bäume zum Absterben bringt. Gleichzeitig zeigen Forschungsarbeiten aber auch, dass ein kleiner Teil der Eschen selbst bei hohem Krankheitsdruck gesund oder nur schwach geschädigt bleibt. Genau darin liegt die Hoffnung: Diese geringere Anfälligkeit ist zumindest teilweise genetisch bedingt und kann an die nächste Generation weitergegeben werden.

Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) forscht aktuell daran, weshalb gewisse Eschen besser mit dem parasitären Pilz umgehen können als andere. Untersucht werden unter anderem natürliche Abwehr- und Toleranzmechanismen, also die Frage, ob einzelne Bäume die Infektion besser begrenzen oder trotz Befall weiterleben können. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: etwa Eigenschaften von Blättern, Trieben und Stammgewebe, aber auch chemische Abwehrstoffe und genetische Merkmale. Die Resultate zeigen jedoch auch, dass diese Mechanismen komplex sind und noch nicht vollständig verstanden werden.

Versuchsaufbau an der WSL um die Resistenzen von Eschen zu untersuchen
Bild: © WSL

Für die Zukunft der Esche könnte deshalb besonders wichtig sein, widerstandsfähige Bäume im Wald zu erkennen und zu erhalten. In den Studien wurden nach mehreren Jahren Krankheitsdruck zwar meist nur kleine Anteile gesunder oder kaum geschädigter Eschen gefunden, teilweise nur wenige Prozent. Doch gerade diese Bäume können entscheidend sein: Wenn sie überleben, Samen bilden und sich vermehren, könnten über die Zeit wieder robustere Eschenbestände entstehen.

Die Hoffnung liegt also nicht in einer schnellen Bekämpfung der Krankheit, sondern in der natürlichen Widerstandskraft einzelner Eschen und in der Forschung, die diese Bäume besser verstehen will. Für Forstbetriebe bedeutet das: gefährliche Bäume aus Sicherheitsgründen entfernen, aber gesunde oder nur schwach befallene Eschen möglichst stehen lassen. So bleibt die Chance bestehen, dass die Esche langfristig Teil des Schweizer Waldes bleibt.

Neue Bedrohung durch den Eschenprachtkäfer

Neben dem Eschentriebsterben rückt eine weitere Bedrohung näher: der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis). Wie auch der parasitäre Pilz, stammt der eingeschläpte Käfer ursprünglich aus Asien und befällt Eschen, indem sich seine Larven unter der Rinde entwickeln und dort das Leitgewebe des Baumes schädigen. In Nordamerika hat der Käfer bereits Millionen von Eschen zum Absterben gebracht. Seit seinem Nachweis im westlichen Russland im Jahr 2003 breitet er sich langsam Richtung Mitteleuropa aus. Damit könnte er künftig auch für die Eschenbestände in der Schweiz zu einem ernsten Problem werden.

Der Asiatische Eschenprachtkäfer gilt als neue Bedrohung für die Eschen. Seine Larven fressen unter der Rinde und können dadurch die Wasser- und Nährstoffversorgung des Baumes unterbrechen.
Bild: © Rafael Minguet Delgado von Pexels

Besonders kritisch ist, dass die Esche durch das Eschentriebsterben vielerorts bereits stark geschwächt ist. Noch ist aber nicht abschliessend geklärt, wie sich Pilzkrankheit und Käfer gegenseitig beeinflussen. Eine aktuelle WSL-Studie zeigt aber, dass frisch vom Eschentriebsterben befallene Eschen den Eschenprachtkäfer nicht automatisch stärker fördern. Die Forschenden fanden keine deutliche Wirkung einer jungen Pilzinfektion auf die Entwicklung des Käfers. Gleichzeitig bleibt offen, ob jahrelang geschwächte Eschen für den Käfer anfälliger werden könnten.

Somit wird die Suche nach widerstandsfähigen Bäumen noch wichtiger, da Eschen, die besser mit dem Eschentriebsterben zurechtkommen, möglicherweise auch Vorteile gegenüber dem Eschenprachtkäfer haben. Bestimmte Abwehrstoffe und -mechanismen könnten also nicht nur gegen den Pilz, sondern auch gegen den Käfer eine Rolle spielen und so zur langfristigen Erhaltung der Esche beitragen.

1 Kommentar

  1. Das ist ja alles richtig, aber die angeführten Massnahmen sind letztlich fast nur Symptombekämpfung.
    Solange wir globalisierte Materialtransporte in diesem Umfang und den exzessiven Reiseverkehr praktizieren, werden immer neue «Schadorganismen» auftauchen.
    Und vielleicht sollten wir nicht mehr alle Waldflächen unserer industrialiserten Fortwirtschaft überlassen.

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