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Die ersten Blüten der Echten Osterluzei

Die Echte Osterluzei (Aristolochia clematitis) ist eine faszinierende und gefährdete Art der Schweizer Flora. Um eine Tessiner Population zu erhalten, wurden vor drei Jahren über 100 Individuen umgesiedelt. Erste Anzeichen für den Erfolg dieser Massnahme liegen nun vor.

Text von Sofia Mangili (Museo cantonale di storia naturale) und David Frey (Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL), Artikel aus der «FloraCH – Die Botanische Zeitschrift der Schweiz» (N°11, Herbstausgabe 2020)»

Die Umsiedlung von Individuen ist die Ultima Ratio des Artenschutzes. Aufwendig und mit unsicherem Ausgang, kann diese Massnahme dennoch der einzige Weg sein, ein lokales Aussterben zu verhindern. Die Population der Echten Osterluzei von Melano, Kanton Tessin, ist ein aktuelles Beispiel hierfür. Durch den Ausbau einer Kantonsstrasse wurde ihr Lebensraum zerstört. Um die Population zu erhalten, führten das kantonale naturhistorische Museum, das Amt für Natur und Landschaft, Info Flora, der Botanische Garten der Brissago-Inseln und die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL gemeinsam eine Umsiedlung durch.

Die Echte Osterluzei, eine der wenigen Vertreterinnen der Familie der Osterluzeigewächse (Aristolochiaceae) in der Schweiz, ist eine aufrechte Staude mit weit verzweigtem unterirdischem Rhizom. Die charakteristischen Blüten erscheinen zwischen Mai und August und locken wegen ihres Aasgeruchs hauptsächlich Fliegen an. Die Art wächst an warmen, nährstoffreichen Säumen sowie in Gärten, Weinbergen und an Strassenrändern. Sie ist (sub-)mediterran verbreitet und kommt als Archeophyt stellenweise auch in Mitteleuropa vor. Südlich der Alpen wächst die Echte Osterluzei in fragmentierten und im Rückgang begriffenen Populationen, weshalb sie auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft ist.

ausgegrabene Pflanze der Echten Osterluzei
Die Umsiedlung wurde während des Austriebs im April durchgeführt. © Sofia Mangili

Im April 2017 wurden alle Individuen der Population von Melano kurz nach dem Austrieb sorgfältig ausgegraben und an einen nahe gelegenen Ort gebracht, der ihren Lebensraumansprüchen entspricht und auch passend bewirtschaftet wird. Ein Pflanzplan wurde erstellt, um die Überlebenswahrscheinlichkeit der Pflanzen am neuen Standort zu erhöhen und die Erfolgskontrolle zu erleichtern. Konkret wurden die Rhizome in sechs Gruppen à 25 Stück gepflanzt, was einem Total von 150 Individuen entspricht. Um eine Verstärkung der Population zu ermöglichen, wurden rund 40 Pflanzen mit schwachen oder beschädigten Rhizomen zur Ex-situ-Kultur auf die Brissago-Inseln gebracht.

Die Erfolgskontrolle im Juni 2019 zeigte, dass 64 Pflanzen sich etablieren konnten, was einer Überlebensrate von 43 Prozent entspricht. Trotz Bewässerung und dem Zurückschneiden von allzu wüchsigen Nachbarn konnten also nicht alle Pflanzen gerettet werden. Ausserdem scheint die Mehrheit der Pflanzen noch nicht voll angewachsen zu sein, da erst wenige kurze, blütenlose Sprosse gebildet wurden. Immerhin wurden erste kräftige Austriebe von über 15 cm Länge beobachtet, von denen einer sogar in Blüte ging, allerdings noch ohne Samen zu produzieren.

frisch gepflanzte Flächen entlang von Flussufer
Die Pflanzen an ihrem neuen Zuhause, das auf öffentlichem Grund liegt. Die Rhizome wurden gruppenweise gepflanzt und mit Erosionsschutznetzen abgedeckt. © Brigitte Marazzi

Trotz dieser ersten Anzeichen einer positiven Entwicklung kann nur ein längerfristiges Monitoring über den Erfolg oder Misserfolg der Umsiedlung Auskunft geben. Ziel solcher Massnahmen ist es, dass die Populationen am neuen Standort gedeihen und sich selbst vermehren.

1 Kommentar

  1. War der Osterluzeifalter einmal heimisch in der Schweiz? Dieser wunderschöne Falter, noch viel prächtiger als der Schwalbenschwanz, wäre eine tolle Bereicherung der Artenvielfalt, mit dem Vorkommen der Pflanze verknüpft.

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