StartNewsNaturDer Juchtenkäfer – ein verborgen lebendes Urwaldrelikt im Schutzfokus

Der Juchtenkäfer – ein verborgen lebendes Urwaldrelikt im Schutzfokus

Der Juchtenkäfer (Osmoderma eremita), auch Eremit genannt, zählt zu den seltensten und zugleich faszinierendsten Käferarten Europas. Als sogenannte Urwaldreliktart ist er auf alte, höhlenreiche Bäume angewiesen – Lebensräume, die in unserer heutigen Kulturlandschaft immer seltener werden. In der Schweiz gilt der Juchtenkäfer als stark gefährdet.

Über die Verbreitung des Juchtenkäfer ist bislang nur wenig bekannt: Aktuell liegen lediglich Nachweise aus der Stadt Solothurn vor, weitere Fundorte sind bisher nicht bekannt oder veraltet. Hier setzt das Artenschutzprojekt des Vereins Artenförderung Schweiz an. Ziel ist es, weitere Populationen dieser seltenen Käferart aufzuspüren und ihre Lebensräume langfristig zu schützen.

Lebensweise und Gefährdung

Der Juchtenkäfer verbringt den Grossteil seines Lebens verborgen im Innern alter Bäume. Seine Larven entwickeln sich über mehrere Jahre im sogenannten Mulm – einem Gemisch aus Holzresten, Pilzen und Kot in Baumhöhlen. Besonders geeignet sind alte Eichen, Linden oder Obstbäume mit grossen Höhlungen.

Diese starke Spezialisierung macht die Art jedoch zugleich besonders anfällig: Alte, strukturreiche Bäume werden häufig aus Sicherheitsgründen gefällt oder fehlen in intensiv genutzten Wäldern ganz. Zudem ist der Käfer äusserst standorttreu und breitet sich kaum über grössere Distanzen aus. Gehen geeignete Lebensräume verloren, verschwinden lokale Populationen meist endgültig.

Auf der Suche nach einer «unsichtbaren» Art

Ein zentrales Ziel des laufenden Förderprojekts (2024–2027) ist es, bestehende Vorkommen des Juchtenkäfers in der Schweiz zu bestätigen und neue Populationen zu entdecken. Dies gestaltet sich jedoch schwierig, da die Art aufgrund ihrer verborgenen Lebensweise nur selten sichtbar ist und oft nur indirekt nachgewiesen werden kann.

Im Jahr 2024 wurden deshalb erstmals systematisch verschiedene Verdachtsstandorte in Graubünden, Baselland und Solothurn untersucht. Dabei kam unter anderem ein speziell trainierter Artenspürhund zum Einsatz, der potenzielle Brutbäume anhand ihres Geruchs identifizieren kann.

Die Resultate waren vielversprechend: An mehreren Bäumen zeigte der Hund eindeutig an, dass sich dort möglicherweise Juchtenkäfer befinden. In Tamins konnte sogar ein Körperteil – ein Halsschild – gefunden werden, was als indirekter Nachweis der Art gewertet werden kann. Ein eindeutiger Lebendnachweis blieb jedoch aus.

Neue Methoden im Praxistest

Im Folgejahr 2025 wurden die Suchmethoden weiterentwickelt und ergänzt. Neben dem Einsatz von Spürhunden kamen erstmals auch Pheromonfallen, Wildtierkameras sowie Hinweise aus der Bevölkerung zum Einsatz.

Die Pheromonfallen nutzen einen Duftstoff, der an Aprikosen erinnert und die Käfer anlocken soll. Trotz mehrtägiger Einsätze an verschiedenen Standorten konnte jedoch kein Juchtenkäfer nachgewiesen werden. Wildtierkameras lieferten zwar technisch gute Bilder, ein direkter Nachweis gelang jedoch nicht, da geeignete Baumhöhlen oft schwer zugänglich sind.

Ein besonders interessanter Ansatz ist die Einbindung der Bevölkerung: In Solothurn führte ein Aufruf bereits zur Entdeckung eines neuen Brutbaums. In anderen Regionen blieb der Erfolg bislang aus – was auch damit zusammenhängen könnte, dass die Käfer nicht jedes Jahr aktiv sind.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen deutlich: Der Nachweis dieser versteckt lebenden Art ist äusserst anspruchsvoll und erfordert die Kombination verschiedener Methoden.

Ausblick

Auch wenn bislang nur indirekte Nachweise des Juchtenkäfers gelungen sind, zeigen die Ergebnisse, dass geeignete Lebensräume weiterhin vorhanden und unbekannte Vorkommen wahrscheinlich sind. In den kommenden Jahren sollen deshalb weitere innovative Methoden eingesetzt werden – etwa die sogenannte Locktiermethode mit lebenden Käfern. Zusätzlich wird aus diversen potenziellen Bruthöhlen Mulm entnommen und auf DNA-Spuren des Eremiten untersucht.

Fazit

Der Juchtenkäfer steht stellvertretend für viele hochspezialisierte Arten, die auf alte Baumbestände angewiesen sind. Sein Schutz erfordert Geduld, Fachwissen und neue Wege in der Naturschutzarbeit. Das laufende Förderprojekt zeigt exemplarisch, wie moderne Nachweismethoden, praktische Lebensraumförderung und Öffentlichkeitsarbeit kombiniert werden können, um eine der verborgensten Arten der Schweiz zu erhalten.

Helfen Sie mit

Es braucht viel Glück einen Juchtenkäfer zu Gesicht zu bekommen. Daher ist der Verein Artenförderung Schweiz froh um jegliche Nachweise dieser Art. Haben Sie einen ähnlichen Käfer gefunden? Dann senden Sie Fotos dieses Käfer und den genauen Fundstandort per Mail an info@artenfoerderung.ch zu.

Erkennungsmerkmale Juchtenkäfer: Grösse 2-4 cm, Farbe dunkelbraun bis schwarz, Flügeldecken ohne auffällige Muster oder Streifen, Körperform gedrungen, oval, Beobachtungszeit Mai-Juni

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