Ein aussergewöhnlicher Fossilfund aus Südfrankreich liefert den ersten eindeutigen Nachweis eines Schillerfalters (Unterfamilie Apaturinae). Das rund 34 bis 28 Millionen Jahre alte Exemplar aus dem frühen Oligozän bietet der Evolutionsforschung wichtige neue Ankerpunkte.
Schmetterlingsfossilien sind generell selten, doch die Erhaltung dieses Fundes ist eine absolute Ausnahme. An dem in Kalksteinplatten eingebetteten Falter sind weite Teile der rechten sowie grosse Abschnitte der linken Flügel mit vollständiger Flügeladerung und sogar deutlich erkennbaren Flügelmustern – darunter markante Augenflecken – erhalten. Auch Kopf, Thorax und ein Grossteil des Abdomens sind sichtbar. Diese Präzision erlaubte eine eindeutige Zuordnung zu den Schillerfaltern innerhalb der Familie der Edelfalter (Nymphalidae).
Ein Verwandter des heutigen Schillerfalters
Die wissenschaftliche Analyse vergleicht das Fossil mit allen bekannten Gattungen dieser Unterfamilie. Aufgrund der Flügelform und -äderung zeigt es die grösste Übereinstimmung mit der heutigen Gattung Apatura, die vor allem in der Paläarktis verbreitet ist. Die neu beschriebene Gattung und Art gilt als nah verwandt mit dem heute lebenden Schillerfalter. Die Forschenden benannten die neue Gattung und Art daher als Apaturoides monikae. Der Gattungsname weist auf die Verwandtschaft mit Apatura hin, der Artname ehrt Monika Lutz-Scholz, deren Ehemann Herbert Lutz das Fossil 1979 an der Fundstelle in der Region Lubéron geborgen hatte.
Was das Fossil über die Evolution verrät
Die Bedeutung des Fundes liegt in seiner Rolle als verlässlicher Zeitmarker für die Evolutionsforschung.. Molekulargenetische Studien gehen davon aus, dass sich die Hauptlinien der Edelfalter etwa im selben Zeitraum aufgespalten haben, aus dem dieses Fossil stammt. Da Apaturoides monikae nun sicher datiert und bestimmt ist, dient es als verlässlicher Mindestalter-Anker. Dies erlaubt es, die bisher oft ungenauen molekularen Uhren zu eichen und die Zeitpunkte der Artaufspaltung innerhalb der Schillerfalter präziser zu modellieren.
Die Entdeckung wirft zudem interessante Fragen zur Evolutionsgeschichte auf. Während die molekularen Schätzungen die Diversifizierung der Gattung Apatura auf etwa 16 Millionen Jahre datieren, ist das gefundene Fossil mit 34 bis 28 Millionen Jahren deutlich älter. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder fallen die ursprünglichen molekularen Berechnungen zu jung aus und die Apatura-Linie existiert bereits seit mindestens 34 bis 28 Millionen Jahren, oder die heutigen Apatura-Arten haben die morphologischen Merkmale ihrer Vorfahren über einen sehr langen Zeitraum nahezu unverändert bewahrt.
Die Fossilienlagerstätte von Céreste ist bekannt für ihre gut erhaltenen Organismen, doch Schmetterlinge bleiben selbst dort eine grosse Seltenheit. Dieser Fund unterstreicht den hohen wissenschaftlichen Wert von geschützten Fossillagerstätten und historischen Museumssammlungen, deren Bedeutung oft erst Jahrzehnte nach der Bergung durch neue Analysemethoden erkannt wird.
Rajaei, H., Wappler, T., De Jong, R., Wahlberg, N., & Engel, M.S. (2026). Exceptionally preserved Oligocene emperor butterfly from France provides a new calibration point for Apaturinae evolution. Acta Palaeontologica Polonica, 71(1), 185–191. DOI: 10.4202/app.01332.2026





