Die Bewilligung zum Abschuss eines Wolfes im Kanton Uri basiert auf der Annahme, dass die betroffene Alp nicht zumutbar geschützt werden kann. Diese Einschätzung greift jedoch zu kurz. Erfahrungen aus zahlreichen Alpenregionen zeigen, dass wirksamer Herdenschutz auch in steilem und unübersichtlichem Gelände möglich ist. Abschüsse einzelner Wölfe bieten zudem keine nachhaltige Lösung, da neue Tiere frei werdende Gebiete rasch wieder besiedeln. Wer Schafalpen langfristig erhalten will, muss deshalb auf Herdenschutz statt auf die Ausweitung sogenannter «nicht schützbarer Alpen» setzen.
Kein Gelände ist zu steil für Herdenschutzhunde
Der Kanton Uri begründet den Abschuss damit, dass die betroffene Alp für den Einsatz von Herdenschutzhunden zu steil und zu unübersichtlich sei. Dieser Einschätzung muss deutlich widersprochen werden. Herdenschutzhunde sind ebenso geländegängig wie Wölfe: Wo Wölfe jagen können, können Herdenschutzhunde Herden schützen.
Ein wesentlicher Teil ihrer Schutzwirkung entsteht zudem unabhängig von der Topografie. Durch das Markieren ihres Reviers mit Kot und Urin sowie durch ihr Bellen signalisieren die Hunde ihre Präsenz und schrecken Wölfe bereits im Vorfeld ab. Mit einer angepassten Herdenführung, die auch für eine nachhaltige Weidenutzung sinnvoll ist, kann Herdenschutz selbst in steilem und verbuschtem Gelände wirksam umgesetzt werden.
Zwar stützt sich der Kanton Uri bei der Einstufung der Alp als «nicht zumutbar schützbar» auf eine Vollzugshilfe des Bundes. Die darin enthaltenen Kriterien sind jedoch fachlich fragwürdig. Zahlreiche Alpen in vergleichbarem Gelände werden heute erfolgreich mit Herdenschutzhunden geschützt und widerlegen die zugrunde liegenden Annahmen in der Praxis.
Ungeschützte Schafalpen haben keine Zukunft
Mit der Einstufung von Alpen als «nicht zumutbar schützbar» werden diese faktisch vom Herdenschutz ausgenommen. Langfristig gefährdet dieser Ansatz jedoch gerade die Zukunft der betroffenen Alpen. Wo Schafe ungeschützt bleiben, sind wiederkehrende Wolfsrisse vorprogrammiert – mit entsprechenden Folgen für Tierwohl, Alpwirtschaft und Bewirtschaftende.
Der Wolf ist heute eine dauerhafte Realität in der Schweiz. Abschüsse einzelner schadenstiftender Tiere bieten deshalb keine nachhaltige Lösung. Im langjährigen Durchschnitt gelingt die Umsetzung bewilligter Abschüsse lediglich in rund 40 Prozent der Fälle. Und selbst wenn ein Abschuss erfolgt, tauchen neue Wölfe oft bereits nach wenigen Wochen oder Monaten auf, nicht erst Jahre später.
Damit wird deutlich: Ungeschützte Schafalpen können nicht durch Abschüsse erhalten werden. Die Kategorie der «nicht schützbaren Alpen» konserviert bestehende Strukturen, anstatt tragfähige Lösungen für die Zukunft zu schaffen. Wer der Schafalpung langfristig eine Perspektive geben will, muss den Weg zu wirksamem Herdenschutz ermöglichen – mit Herdenschutzhunden, Zäunen und einer angepassten Behirtung. Nur so können Schafalpen erfolgreich an die Realität eines dauerhaft präsenten Wolfes angepasst werden.





