Start News Gesellschaft Wilderei bedroht die Luchspopulation im Kanton Wallis

Wilderei bedroht die Luchspopulation im Kanton Wallis

Im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz wie Jura und Nordalpen weist die Luchspopulation in den südwestlichen Schweizer Alpen eine unerwartet niedrige Dichte auf. Um dies zu erklären, haben Forschende der Universität Bern vier Hypothesen getestet. Sie kommen zum Schluss, dass Wilderei die Hauptursache für die extrem geringe Luchsdichte ist. Dies wird gestützt durch die Entdeckung eines Netzwerks von Fallensystemen.

Vor rund 40 Jahren wurde der Luchs wieder in der Schweiz angesiedelt, nachdem er hier Anfang des letzten Jahrhunderts ausgerottet war. Seine Rückkehr im Laufe des letzten Jahrhunderts wurde in erster Linie durch die stete Zunahme seiner natürlichen Beutetiere – dem Schalenwild (Gämse oder Reh) – möglich. Um die Beziehung zwischen Grossraubtieren wie dem Luchs oder dem Wolf und ihren Beutetieren besser zu verstehen, initiierte ein Team unter der Leitung von Professor Raphaël Arlettaz vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern 2011 ein Forschungsprojekt, in dem mit Hilfe von Fotofallen und über die Auswertung von Spuren im Schnee die räumliche und zeitliche Verteilung sowie die Häufigkeit der jeweiligen Arten im Kanton Wallis erfasst wurde. Nach einigen Wintern stellten die Forschenden eine ungewöhnlich geringe Luchsdichte im Wallis fest – nur rund 12-20% der erwarteten Dichte, so berichtet die Universität Bern in einer Medienmitteilung. Das Forschungsteam testete daraufhin vier Hypothesen, die diese niedrige Dichte erklären könnten.

Es liegt weder an der Methodik noch an fehlender Beute

Die niedrige Dichte der Luchspopulation im Kanton Wallis stellten die Forschenden anhand eines Vergleichs mit den Waadtländer und Berner Voralpen fest, wo die Luchspopulation seit Jahren systematisch erfasst wird und sich gut entwickelt. Die ersten beiden Hypothesen zur Erklärung dieses Unterschieds waren methodischer Natur und betrafen die Effektivität des Kamerafallen-Netzwerkes: Könnten Unterschiede in der Dichte oder der Positionierung der Kamerafallen die unterschiedlichen Luchsdichten in den beiden Regionen erklären? Durch einen Vergleich mit Daten der KORA (Schweizerische Koordinationsstelle für Grossraubtiere) konnte dies jedoch widerlegt werden. Die dritte Hypothese bezog sich auf die Dichte der Hauptbeutetiere des Luchses; in den Schweizer Alpen sind dies Rehe und Gämsen. Jedoch waren die Dichten dieser Beutetierarten im Wallis sogar höher als in den Voralpen, was die Hypothese eines unzureichenden Nahrungsangebots als Erklärungsfaktor für die geringe Luchsdichte im Wallis entkräftet.

Wilderei also einzige plausible Erklärung

Die vierte Hypothese, Wilderei, konnte nicht widerlegt werden. Arlettaz sagt: «Aufgrund unserer Ergebnisse gehen wir davon aus, dass Wilderei die einzige mögliche Ursache für die geringe Luchsdichte ist». Die Forschenden entdeckten ein dichtes Netz von 17 illegalen Schlingenfallensystemen auf einer Fläche von 4 km2 im Haupteinwanderungskorridor des Luchses, der das obere Rhonetal mit den Voralpen verbindet, wo Luchse in normalen Dichten leben. «Einige Fallen waren zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung im Jahr 2015 inaktiv, andere aber betriebsbereit», erklärt Arlettaz.

Schlingenfalle
Eine 2015 entdeckte aktive Schlingenfalle im Einwanderungskorridor des Luchses aus den Voralpen ins Wallis © Arlettaz, R. et al. Frontiers in Conservation Science, June 2021

Das Forscherteam demontierte mehrere aktive Fallen und brachte sie direkt zur zentralen Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, die daraufhin eine Untersuchung einleitete. Dies führte im selben Jahr zur Verurteilung eines Jägers: Seine DNA war auf den Fallen gefunden worden. Arlettaz sagt: «Um Leute, die sich der Wilderei schuldig machen zur Rechenschaft zu ziehen, sollten aus unserer Sicht strafrechtliche Ermittlungen zu Wilderei von Grossraubtieren auf der höchstmöglichen Ebene der Gerichtsbarkeit angesiedelt werden, also bei der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons.»

Die Studie von Arlettaz et al. finden Sie unter diesem Link.

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