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Wasserkraftwerke gefährden einzigartige Fluss-Ökosysteme

Mekong, Tapajos, Vjosa: Wasserkraftwerke zerstören die letzten freifliessenden Ströme der Welt. Sie gefährden weltweit einzigartige Fluss-Ökosysteme und damit die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Das zeigt der Bericht von WWF. Dabei steht der Schaden für die Natur in keinem Verhältnis zum Nutzen für die Energiewende.

Weltweit gibt es laut WWF etwa 60 000 grosse Wasserkraftwerke. Mehr als 3700 weitere sind geplant oder im Bau. Sie zerstückeln wertvolle Lebensräume und verhindern die freie Wanderung von Fischen und anderen Lebewesen – mit verheerenden Folgen für die Ökosysteme und die Menschen, die auf sie angewiesen sind: So sind in den letzten 50 Jahren die Populationen von Süsswasserarten im Durchschnitt um 84 Prozent zurückgegangen (Living Planet Report 2020). Die Wasserkraft spielt dabei eine wichtige Rolle, informiert der WWF Schweiz in einer Medienmitteilung.
Auch in der Schweiz sind die letzten noch verbliebenen Gewässer-Biodiversitäts-Hotspots bedroht. Wir könnten diese schützen und dennoch die Ziele der Energiewende erreichen, wenn die Stromverschwendung reduziert, die Photovoltaik rasch ausgebaut, und die bestehenden Wasserkraftwerke energetisch optimiert und ökologisch saniert werden.

Zu den bedrohten Fluss-Ökosystemen weltweit gehören laut WWF Bericht die letzten heute noch frei fliessenden Ströme wie der Tapajos im Amazonas, der Mekong oder der Kavango in Angola. Aber auch die letzten wilden Flüsse Europas wie die Vjosa in Albanien oder die Isel in Österreich. Sie alle sind akut durch neue Wasserkraftprojekte bedroht.
Zusammen erzeugen alle geplanten Wasserkraftwerke an den letzten noch verbleibenden, grossen frei fliessenden Flüssen weniger als 2 Prozent der erneuerbaren Energie, die bis 2050 benötigt wird, um den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 Grad zu halten. Dies ist ein geringer Beitrag zur Lösung der Klimakrise, aber mit potenziell verheerenden Folgen für die Natur und die Menschen, die von ihr abhängen. So ist Fisch in der Mekong-Region die wichtigste Eiweiss-Quelle. Im unteren Einzugsgebiet profitieren mehr als zwei Drittel der Bevölkerung vom Fischfang.

Klima- und Artenkrise gemeinsam angehen

In der Schweiz sind zwei Drittel der einheimischen Fischarten bedroht oder ausgestorben. Nur noch 4 Prozent unserer Fliessgewässer sind in einem natürlichen Zustand. Unzählige Gewässer wurden begradigt, in Dämme gezwängt oder trockengelegt. Mit mehr als 100 000 Hindernissen (Staumauern, Kraftwerke, Schwellen etc.) gehören die Schweizer Flüsse und Bäche zu den am stärksten fragmentierten Gewässersystemen der Welt.

«Natürlich fliessende Flüsse sind elementar für die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Natur, insbesondere in einer sich erwärmenden Welt.», erklärt Ruedi Bösiger, Gewässerexperte beim WWF Schweiz. «Fluss-Auen leisten wertvolle Dienste, um die Auswirkungen von Überschwemmungen abzumildern. Ausserdem bilden Flussökosysteme Lebensräume mit einer grossen Artenvielfalt.»

Die Klima- und die Artenkrise sind Kehrseiten derselben Medaille. Es braucht Lösungen, die beide Krisen gemeinsam angehen. Gefördert werden sollen prioritär Technologien und Massnahmen mit hohem Potenzial und geringen Auswirkungen auf die Biodiversität. In erster Linie gilt es die Stromverschwendung zu reduzieren und den raschen Ausbau der Photovoltaik voranzutreiben.
Bei der bereits stark ausgebauten Wasserkraft sollte vor allem die energetische Optimierung, (geknüpft an die Einhaltung geltender Umweltstandards) sowie die ökologische Sanierung bestehender Anlagen gefördert werden. Unterstützungen für neue Anlagen hingegen sollten sich auf dringend benötigte Leistungen wie Winter- und Speicherstrom beschränken. Denn starke zusätzliche Beeinträchtigungen sind für das Leben in und an Gewässern nicht mehr tragbar. Zudem braucht es Mechanismen, welche Zielkonflikte zwischen Energienutzung und dem Schutz der Natur reduzieren. So hilft etwa eine gemeinsame Planung von Schutz und Nutzen den Ausbau der erneuerbaren Energien und Naturschutz besser in Einklang zu bringen.

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