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Schweiz ist weiterhin massiv überdüngt

Der Bundesrat hat sich seit den 90er Jahren wiederholt verschiedene Etappenziele zur Reduktion der Stickstoff- und Phosphorüberschüsse gesetzt. In der Landwirtschaft wurde keines dieser Ziele erreicht – die Schweiz ist weiterhin massiv überdüngt. Hauptverursacher: intensive Tierhaltung und Import von Futter- und Düngemittel. Die Lösung? Ein neues Faktenblatt zeigt Handlungsansätze.

Vergleicht man eine Fettwiese mit einer Magerwiese, ist schnell klar wo die Artenvielfalt höher ist. Während in der mageren Wiese verschiedenste Blumen- und Grasarten gedeihen und Insekten summen und zirpen, dominieren in den Fettwiesen nur einige wenige Arten. Denn je stärker eine Wiese gedüngt wird, desto weniger Arten können da wachsen. Fettwiesen sind zwar geeignet für die Produktion von Tierfutter, aber für die Biodiversität sind sie abträglich. Überdüngung durch zu hohe Stickstoff- und Phosphoreinträge schädigen nicht nur die Biodiversität, sondern auch Wald und Gewässer, verstärken den Klimawandel und beeinträchtigen die Gesundheit der Menschen. Im schweizweiten Durchschnitt gelangt 3- bis 30-mal mehr Stickstoff über die Luft auf den Boden als unter natürlichen Bedingungen; an gewissen Standorten noch viel mehr. Dies berichtet das Forum Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) in einem neuen Faktenblatt. Kritische Belastungsgrenzen der Stickstoffdeposition sind auf fast allen Hochmooren, auf drei Viertel der Flachmoore und auf einem Drittel der Trockenwiesen und -weiden der Schweiz überschritten – und auch auf rund 90 Prozent der Schweizer Waldfläche. Die Emissionen stammen primär aus der Landwirtschaft und dem Verkehr und führen zu externen Kosten von jährlich 860 bis 4’300 Millionen CHF.

Landwirtschaftliche Tierhaltung als Hauptverursacher

Zwei Drittel des Stickstoffes, der in die Umwelt gelangt, wird durch Ammoniak-Emissionen der Landwirtschaft verursacht – hauptsächlich von der Nutztierhaltung, angetrieben durch die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten. Ausserdem sind Futter- und Düngemittelimporte zusätzliche Quellen für die übermässigen Stickstoff- und Phosphoreinträge. Jährlich werden beispielsweise ca. 16’500 Tonnen Phosphor in die Schweiz importiert, wovon 90 Prozent in der Landwirtschaft als Futtermittel und Mineraldünger verwendet werden (Stand 2015).

Problem erkannt, was nun?

Die Ursachen und negativen Auswirkungen der übermässigen Stickstoff- und Phosphoreinträge sind gut bekannt – nun muss gehandelt werden. Das Faktenblatt zeigt eine Liste mit Handlungsansätzen, die notwendig sind, um die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität, die Qualität von Gewässern, Trinkwasser, Böden und der Luft sowie auf die Waldfunktionen, das Klima und die menschliche Gesundheit zu minimieren. Dabei braucht es vor allem Veränderungen in der Landwirtschaft und der Ernährung. Subventionen, die eine intensive Landwirtschaft und hohe Nutztierbestände fördern, müssen abgeschaffen werden. Stattdessen muss eine extensive Landwirtschaft gefördert werden, das heisst: weniger Düngemittel und weniger Pestizide einsetzen. Auch darf der Import von Kraftfutter nicht länger gefördert werden – Nahrung muss mit dem produziert werden, was vor Ort gegeben ist.

Das Faktenblatt zeigt ausserdem, dass es dringend notwendig ist, unser Konsumverhalten zu ändern. Dazu gehört gerenell eine umweltbewusste, suffiziente Ernährungsweise, die beispielweise Nahrungsmittelverluste minimiert. Vor allem aber ist eine Verschiebung in Richtung vegetarischer und veganer Ernährungsformen notwendig, um die negativen Auswirkungen der Überdüngung – verschmutzte Luft, belastetes Grundwasser, eintönige Lebensräume – zu mindern.

2 Kommentare

  1. Ein überzeugender Artikel! Es ist dringend notwendig unser Konsumverhalten zu ändern. Vor allem ist eine Verschiebung in Richtung veganer Ernährungsform notwendig. Leider ernähren sich in der Schweiz nur 3 % der Bevölkerung pflanzenbasiert. Gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschliesslich Schwangerschaft, Stillzeit, frühe und spätere Kindheit und Adoleszenz.

  2. Konsum und Landwirtschaft in der Schweiz müssten und könnten gemeinsam in die von Werner Müller beschriebene Richtung gehen, wenn nicht die Lobbys so unbeweglich wären. Agroscope hat das 2017 in der Studie „Umwelt- und ressourcenschonende Ernährung“ gezeigt: Bei einer stärkeren Ausrichtung der Landwirtschaft auf eine pflanzenbasierte statt tierische Produktion liesse sich die Natur schonen und gleichzeitig der Selbstversorgungsgrad erhöhen. Wer sich in Kurzform darüber informieren will, kann den Artikel „Beim Essen weniger Umwelt verzehren“ vom 22. November 2017 in der Online-Zeitung Infosperber nachlesen.

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