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Olympische Winterspiele auf wackligem Boden

Massive Bauprojekte in den italienischen Alpen sorgen für ökologische Bedenken und Widerstand in der Bevölkerung. Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA kritisiert mangelnde Nachhaltigkeit und fordert Reformen vom Internationalen Olympischen Komitee.

Trotz geologischer Bedenken, Widerstand aus der Bevölkerung und einer negativen Umweltprüfung entsteht in Cortina eine neue Gondelbahn auf einem erdrutschgefährdeten Hang. Renommierte Seilbahnfirmen haben sich für das problematische Bauprojekt gar nicht erst beworben – aus gutem Grund: Erst letzten Sommer öffnete sich ein 40 Meter langer Riss quer durch den Hang. Bis zuletzt blieb unklar, ob die Seilbahn überhaupt bis zu den Winterspielen fertig wird. 

Zwangsverwaltung statt Umweltverträglichkeit

Anfangs hatte die Stiftung «Milano Cortina 2026» Umweltorganisationen zum Gespräch geladen, um die Umweltverträglichkeit aller Bauvorhaben zu bewerten. Dann kam es jedoch zum Bruch, die Stiftung stellte die Baustellen unter Zwangsverwaltung: Damit wurden mehr als die Hälfte aller Bauprojekte von einer Umweltverträglichkeitsprüfung ausgenommen. Als Reaktion auf dieses intransparente Vorgehen entstand das Bürgernetzwerk «Open Olympics 2026» mit zwanzig Partner-NGOs, darunter auch CIPRA Italien. Dem Netzwerk zufolge werden mehr als die Hälfte aller 98 geplanten Bauprojekte erst nach dem Ende der Winterspiele fertig, sie fallen für die Betreibergesellschaft der Spiele in die Kategorie «Vermächtnis». Dabei handelt es sich Grossteils um Strassenbauprojekte. Insgesamt werden 3,5 Milliarden Euro investiert, drei Viertel aller Bauarbeiten werden nicht im Zeitplan fertig, manche erst mit bis zu drei Jahren Verspätung. Die letzte Baustelle soll im Jahr 2033 abgeschlossen sein.

In Rekordzeit aus dem Boden gestampft wurde dagegen die umstrittene, 118 Millionen Euro teure Bobbahn von Cortina. Auch im Südiroler Biathlon- und Langlaufmekka Antholz wurden trotz Widerstand der Bevölkerung 2,5 Hektar Wald in einem Naherholungsgebiet gerodet, um ein neues Speicherbecken für die Beschneiung der Langlaufloipen zu bauen. Die CIPRA fordert in ihrem neuen Positionspapier umfassende Reformen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und den Gastgeberländern. 

Barbara Ernst, Präsidentin des Club Archivs Alpin fügt hinzu: «Grosse Sportveranstaltungen wie Olympische Spiele müssen komplett neu überdacht werden, um ihre Auswirkungen auf Natur und Landschaft zu minimieren. Vorschriften für eine nachhaltige und transparente Organisation solcher Grossveranstaltungen müssen weiterentwickelt und anschliessend von den Veranstaltern eingehalten werden.“

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