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Kampf gegen den illegalen Welpenhandel

Der Handel mit jungen Rassetieren aller Arten floriert. Im Coronajahr 2020 nahm insbesondere die Nachfrage nach Hunden aus dem Ausland drastisch zu. Dabei sind zahlreiche Züchter und Händler im Spiel, die oft mittels krimineller und tierschutzwidriger Praktiken lukrative Gewinne erzielen wollen. Die Stiftung für das Tier im Recht hat sich gemeinsam mit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten in den vergangenen Monaten intensiv den rechtlichen und praktischen Herausforderungen zur Eindämmung des Welpenhandels gewidmet.

Gemäss der Hundedatenbank Amicus der Identitas AG leben derzeit rund 530’000 registrierte Hunde in der Schweiz, wobei die Zahl seit längerem ansteigt. Ende 2020 waren 11’580 Registrationen mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Über die Hälfte dieser Hunde stammt aus dem Ausland, wie Identitas auf Anfrage bestätigt. Damit haben täglich fast 85 Tiere die Schweizer Grenze überquert – mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2008, zeigt eine Untersuchung des Schweizer Tierschutz STS. Nach Einschätzung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ist eine grosse Anzahl Hunde nicht verzollt und/oder die Hunde wurden als mitreisende Heimtiere eingeführt und dann weiterverkauft. Beides ist gesetzeswidrig. Auffällig auch: Seit dem Frühjahr 2020 werden doppelt so viele todkranke Welpen im Tierspital Zürich eingeliefert wie vor Corona.

Augen auf beim Hundekauf

Ein Grund für den florierenden Handel mit ausländischen Hundewelpen ist, dass sie meist günstiger zu haben sind als Tiere aus Schweizer Zuchten. Zudem werden sie oftmals bequem und einfach im Internet mit der Option «Heimlieferung» angeboten. Jungtiere trendiger Kleinrassen wie Chihuahua, Zwergspitz, Französische Bulldogge oder Mops sind in der Schweiz gar nicht in einer der Nachfrage entsprechenden Anzahl vorhanden, weshalb sie mit zu den häufigsten Opfern des egoistischen Geschäfts mit «billig produzierten» Welpen gehören. Janine Cirini, Campaignerin bei Vier Pfoten Schweiz erklärt: «In Massenzuchten werden die Hündinnen laufend gedeckt und die Trennung der Jungtiere von Mutter und Geschwistern erfolgt in der Regel viel zu früh. Krankheitserreger und Parasiten können sich durch die grosse Anzahl an Tieren rasch verbreiten und die Haltungs- und Transportbedingungen sind meist kläglich. Dies alles führt dazu, dass sowohl die Mutter- als auch die Jungtiere bleibende psychische und körperliche Schäden davontragen. Nicht selten erhält der Empfänger oder die Empfängerin des Tieres in der Schweiz einen bereits kurz nach seiner Ankunft sterbenskranken, illegal importierten Welpen. Neben der emotionalen Belastung, das leidende Tier auf seinem letzten Weg zu begleiten, kommen aufgrund des illegalen Imports und den damit verbundenen verwaltungs- und allenfalls strafrechtlichen Aufwendungen auch hohe Veterinärkosten auf den Tierhalter zu, die den vermeintlich günstigen Kaufpreis bei weitem übersteigen. Kosten in der Höhe von 8’000 Franken und mehr sind dabei kein Einzelfall.»

Die SRF-Sendung «DOK» vom 28. Oktober beleuchtet eine aktuelle Hintergrundgeschichte, an deren Recherche auch die TIR und Vier Pfoten mitgewirkt haben. Künftige Käuferinnen und Käufer sind angehalten, sich vor der Anschaffung eines Hundes gut über den Anbietenden zu informieren. Bianca Körner, Juristin bei der Stiftung TIR rät: «Ein Kauf sollte grundsätzlich nie ohne vorherige Besichtigung der Zucht oder des in Frage kommenden Tieres getätigt werden. Fällt die Entscheidung auf einen Auslandshund, sollte man sich vorab die Papiere zukommen und diese von Experten prüfen lassen. Anhand der ersten drei Ziffern der Mikrochipnummer können das Herkunftsland des Tieres und die damit verbundenen Einreisevorschriften in Erfahrung gebracht werden. Denn auch wenn das Tier nicht durch die Käuferin oder den Käufer selbst importiert wird, trägt sie oder er am Schluss die Konsequenzen, wenn das Tier mangels korrekter Einfuhr unter Tollwutverdacht steht und im schlimmsten Fall die Euthanasie (Einschläfern) droht.»

Politik ist gefordert

Dennoch genügt es nicht, allein an die Verantwortung der Käuferschaft zu appellieren. Auch auf gesetzlicher Ebene bedarf es dringend Anpassungen, zumal die aktuell gültigen Gesetzesbestimmungen in Bezug auf den Handel mit Heimtieren offensichtlich nicht ausreichen, um den illegalen oder anderweitig problematischen Welpenhandel zu beenden. So zielen die nationalen und internationalen Importvorschriften nach wie vor primär auf die Verhinderung der Einfuhr von Seuchen und Krankheiten ab und fokussieren nicht direkt auf das Tierwohl.

Aus diesem Grund engagieren sich die TIR und Vier Pfoten für striktere Einfuhr- und Handelsbewilligungsvorschriften sowie für die stete Sensibilisierung der Gesellschaft bezüglich des Tierleids, das hinter dem Handel mit Hundewelpen steckt. Die TIR und Vier Pfoten sehen als weitere Möglichkeit zur Eindämmung des Welpenhandels eine stärkere Regulierung der Einfuhr und damit einhergehende verstärkte Grenzkontrollen. Beispielsweise wäre eine generelle Bewilligungspflicht für den Import von Heimtieren denkbar. Werden skrupellose Händler bereits an der Grenze abgewiesen, wird das Geschäft zunehmend unattraktiver. Eine Modelllösung von Vier Pfoten gewährleistet zudem die international lückenlose Rückverfolgbarkeit und Transparenz des Handels mit Heimtieren.


Die SRF-Sendung «DOK» vom 28. Oktober können Sie sich hier anschauen.

Weitere Informationen zum illegalen Welpenhandel und zur Modelllösung von Vier Pfoten finden Sie hier.

1 Kommentar

  1. Leider ist dies schrecklich Alltags Realität. Dazu kommt auch, was für mich unverständlich ist die Tragödie zu Tag, dass eigentlich viele wissen aber ihr Egoistisches denken darüber hinwegsehen.
    Immer noch sind die Tierkontrollen viel zu selten. Die Strafen bei unrechtmässiger Haltungen sollte viel schärfer sein und die Bussen extrem erhöht werden ! Ein guter Artikel ! Viele Einschränkungen hat man leider als Hundebesitzer gegenüber von früher ! Warum nicht im Nachbar Helfen auf den Hund zu achten ? Viele wären sehr Dankbar!
    Bitte Melden wenn man etwas sieht oder weiß über solche schlechte Händler ! WICHTIG ! AUF KEINEN FALL HUNDE UNTER 12 WOCHEN KAUFEN !! Selbst dies ist noch zu wenig !
    Auch die sogenannten Auffang Hunde werden für Geld Missbraucht ! Im Ausland kriegt man Unterstützungs – Geld pro Hund.
    Wird aber meisten nur für eigenes Portmonee gebraucht ,egal ob die Hunde was zu essen haben oder nicht, egal wie das befinden und die Haltung ist. ! Traurig ! Aber mit rührseligen Geschichten werde Leute von anderem überzeugt ! Leider !
    Danke, naturschutz.ch , dass sie dieses Thema Publik machen !

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