Der Biomarkt wächst, die Biofläche nicht. 145 Milliarden Euro gaben Konsument*innen 2024 weltweit für Bio-Lebensmittel aus – ein neuer Rekord. Doch die Anbaufläche stagniert bei 98,9 Millionen Hektar, wie das neue «World of Organic Agriculture» Jahrbuch von FiBL und IFOAM zeigt.
Die neuesten Statistiken zum weltweiten biologischen Anbau wurden in «The World of Organic Agriculture: Statistics and Emerging Trends 2026» veröffentlicht und beinhaltet Messdaten von 183 Ländern. Und es zeigt sich ein positiver Trend ab, denn die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln hat 2024 ein neues Allzeithoch erreicht.
Märkte: USA und Deutschland vorn, Asien holt auf
Der wichtigste Einzelmarkt bleibt mit Abstand die USA (60,4 Mrd. Euro), gefolgt von Deutschland (17,0 Mrd. Euro) . China festigt mit 15,5 Mrd. Euro seinen Rang als drittgrösster Markt weltweit und wächst mit über 24 Prozent am dynamischsten. In Europa stiegen die Umsätze um 4,1 Prozent auf insgesamt 58,7 Milliarden Euro, womit sich der Markt nach der Durststrecke 2023 deutlich erholt. Spitzenreiter beim Pro-Kopf-Konsum ist weiterhin die Schweiz (481 Euro), die mit 12,3 Prozent auch den höchsten Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt hält, gefolgt von Dänemark (373 Euro) und Österreich (292 Euro).
Fläche: Stabilität trügt – Umstellungsstau und neue Regeln belasten
Während der Markt boomt, verharrt die globale Bio-Anbaufläche mit 98,9 Millionen Hektar nahezu auf Vorjahresniveau. Zwar führt Australien (53 Mio. ha) die Rangliste unangefochten an, und Liechtenstein den Flächenanteil mit 43,5 Prozent. Doch der Gesamttrend ist rückläufig (-0,2 %). Der neue Bericht liefert erstmals eine detaillierte Analyse dieser Schieflage: Demnach führte die schrittweise Einführung der EU-Öko-Verordnung 2018/848 zu Verzögerungen bei der Zertifizierung, insbesondere bei Kleinbauerngruppen in Afrika und Asien. Zudem wirken die Markteinbrüche von 2022 mit zeitlicher Verzögerung – viele Landwirte, die damals umstellten, sind erst jetzt in der Statistik sichtbar, während frische Umstellungen ausbleiben.
Bio kommt nicht nur vom Acker. 25,5 Millionen Hektar werden weltweit für die Wildsammlung von Beeren, Heilpflanzen, Nüssen und für die Imkerei genutzt. Die Verteilung unterscheidet sich dabei fundamental von der Agrarfläche. Spitzenreiter ist Finnland mit 6,9 Millionen Hektar, hauptsächlich Beeren, dahinter China und Sambia. Dabei dominieren Medizin- und Gewürzpflanzen sowie Nüsse die Nutzung.
Internationaler Handel: USA treiben Importwachstum
Die internationalen Lieferketten gewinnen weiter an Dynamik. Die kombinierten Importe in die EU und die USA stiegen um 12,3 Prozent auf 5,9 Millionen Tonnen. Dieses Wachstum wurde vor allem von den USA getrieben (+17,7 %). Weltweit grösster Exporteur ist Mexiko mit über 860’000 Tonnen (v.a. Bananen, Avocados, Tomaten), gefolgt von Ecuador und Kanada.
Erzeugerzahlen: Rekord dank besserer Datenerfassung
Erstmals wurden über 4,8 Millionen Bio-Erzeuger gezählt. Das entspricht einem Anstieg von 12,4 Prozent. Diese Steigerung ist jedoch fast ausschliesslich auf Afrika (+ 44 %) zurückzuführen. Dort haben Zertifizierungsstellen erstmals vollständige Daten gemeldet, sodass die Zahl der erfassten Produzenten nun die tatsächliche Grössenordnung widerspiegelt. Indien bleibt mit 2,36 Millionen Betrieben das Land mit den meisten Bio-Produzenten weltweit.
Ausblick: Nachfrage da, Angebot fehlt
Die Autoren des Jahrbuchs betonen, dass die Schere zwischen der anhaltend starken Marktnachfrage und der stagnierenden Produktionsfläche zur zentralen Herausforderung für den globalen Biolandbau wird. Zwar zeigen die Umsatzrekorde, dass Konsumentinnen weiterhin bereit sind, in Bio zu investieren, doch die landwirtschaftlichen Betriebe können derzeit nicht im gleichen Tempo nachziehen. Als Gründe nennt der Bericht unter anderem den zeitlichen Vorlauf von Umstellungsentscheidungen sowie regulatorische und strukturelle Anpassungsprozesse.
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