Wenn auf diesem Portal ein Bericht über Fussball erscheint, kann das nichts Gutes bedeuten. Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko soll ein Fest des globalen Sports sein. Aus Klimasicht droht sie jedoch zu einer Katastrophe zu werden. Obwohl die FIFA sich öffentlich zu Klimazielen bekennt, wird bei der Umsetzung die gegensätzliche Richtung eingeschlagen.
9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente (tCO₂e). Das ist ungefähr so viel, wie eine Million Menschen in der Schweiz in einem ganzen Jahr verursachen. So hoch schätzen die «Scientists for Global Responsibility» (SGR) die Mindestemissionen an Treibhausgasen (GHG) der WM 2026 in ihrem Bericht. Gegenüber den Turnieren von 2010 bis 2022 wäre das ein Anstieg von 92 Prozent.

Diese enorme Zunahme lässt sich einerseits durch die Vergrösserung von 32 auf 48 Teams erklären. Sportlich ist das positiv: Mehr Länder erhalten Zugang zur WM, kleinere Fussballnationen werden sichtbarer, das Turnier wird globaler. Klimapolitisch hat diese Öffnung jedoch einen hohen Preis. Mehr Teams bedeuten mehr Spiele, mehr Logistik und vor allem mehr Reisen. Besonders problematisch ist dabei, dass die Spielorte über ganz Nord-Amerika verteilt sind. Zwischen einzelnen Austragungsorten können dabei mehrere Tausend Kilometer liegen. Entsprechend ist es keine Überraschung, dass die Flugemissionen der WM 2026 auf mehr als das Vierfache früherer Turniere geschätzt werden.
Die grüne Fassade der FIFA
Halbierung der Emissionen bis 2030 – Netto-Null bis 2040. So stellte FIFA-Präsident Gianni Infantino die Ziele der FIFA vor fünf Jahren an der Klimakonferenz COP26 vor.
Ein Turnier, das fast doppelt so viele Emissionen verursacht wie frühere Weltmeisterschaften, lässt sich wohl kaum glaubwürdig als Schritt Richtung Netto-Null verkaufen. Effizientere Stadien und Recyclingprogramme ändern wenig daran, wenn der grösste Klimatreiber, der Flugverkehr über einen ganzen Kontinent, durch das Turnierformat selbst massiv zunimmt. Greenly, ein auf CO₂-Bilanzierung spezialisiertes Unternehmen, schätzt, dass die Flugemissionen der Zuschauer im Vergleich zur WM 2022 um 88 Prozent steigen.
Einer dieser Zuschauer sticht dabei besonders hervor. Offenbar ist der öffentliche Flugverkehr für den FIFA-Präsidenten Infantino nicht komfortabel genug, denn von Spiel zu Spiel reist er lieber im Privatjet. Nach Schätzungen von Greenly könnten bis zum Ende des Turniers allein dadurch 300 bis 500 tCO₂e entstehen. Das entspricht ungefähr den Jahresemissionen von 30 bis 60 Personen in der Schweiz.
So wirkt die Klimastrategie der FIFA vor allem wie ein Widerspruch in sich: Nach aussen spricht sie von Netto-Null, im Turnierformat setzt sie aber weiter auf Wachstum um jeden Preis. Mehr Teams, mehr Spiele, mehr Vermarktung und mehr Reisen bedeuten zwangsläufig mehr Emissionen. Statt diese Struktur grundsätzlich zu hinterfragen, verweist die FIFA auf effizientere Stadien, Recycling und Kompensation. Doch solange der Verband die Emissionen seines eigenen Turniers nicht begrenzt, bleibt seine Klimastrategie vor allem eines: ein leeres Versprechen.
Der grösste GHG-Emittent der Welt auf den Werbebanden
Zur Feier der wohl klimaschädlichsten WM aller Zeiten unterschreibt die FIFA einen Sponsoringdeal mit Aramco, dem grössten GHG-Emittent der Welt. Anhand eines Berichtes der Umweltorganisation ClientEarth ist Saudi Aramco seit 1965 alleine für 4 Prozent der globalen GHG verantwortlich.
Somit bietet die FIFA einem fossilen Geschäftsmodell eine globale Bühne und begünstigt zusätzliche Verkäufe des Öl- und Gaskonzerns. Der SGR-Bericht schätzt, dass der Sponsoringdeal mit Aramco rund um die WM 2026 zusätzliche, indirekt angestossene Emissionen von rund 30 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten verursachen könnte.
Der Konzern ist schon länger unter Green-Washing Kritik: Laut ClientEarth hebe Aramco zwar Klimainitiativen, Technologieprojekte und Effizienzversprechen hervor, habe aber zugleich keine Pläne, die Öl- und Gasproduktion bis 2030 zu reduzieren. Diese Vorgehensweise scheint zumindest im Einklang mit der Umsetzung der Klimaziele der FIFA zu stehen.
Zwischen Begeisterung und Verantwortung
Fussball zu lieben und die Klimabilanz der WM kritisch zu sehen, schliesst sich nicht aus. Gerade weil Fussball so viele Menschen verbindet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wer von diesem Turnier profitiert und welche Folgen es hat. Die Verantwortung liegt nicht in erster Linie bei einzelnen Fans, sondern bei der FIFA, den Sponsoren und den Organisatoren.
Trotzdem können Fans bewusstere Entscheidungen treffen: Spiele gemeinsam statt allein schauen, nicht für einzelne Partien um die halbe Welt fliegen, kritisch über Sponsoren sprechen und von Verbänden mehr Transparenz einfordern. Die WM darf und soll Freude machen. Diese Freude sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weltfussball seine Klimaversprechen nur dann ernst nimmt, wenn er sein eigenes Wachstum hinterfragt.





