Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) hat den Bericht «Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten» veröffentlicht. Die umfangreichste Bestandsaufnahme der letzten 15 Jahre liefert ein ernüchterndes Fazit: Die biologische Vielfalt in der Schweiz steht weiterhin massiv unter Druck und die politischen Massnahmen zur Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie bleiben weit hinter den Zielen zurück.
Der neue Bericht, der von zahlreichen Forschenden sowie Fachleuten aus der Praxis erarbeitet wurde, analysiert den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität in der Schweiz seit 2010. Gestützt auf aktuelle Ergebnisse nationaler Monitoringprogramme, neue Forschungsergebnisse und Expertenwissen zeichnet er ein detailliertes Bild der Lage in den wichtigsten Lebensräumen der Schweiz.
Ernüchternde Bilanz: Biodiversität fast überall unter Druck
Der Zustand der Biodiversität präsentiert sich in den meisten Lebensräumen als kritisch. Besonders besorgniserregend ist die Situation bei den Gewässern und Feuchtgebieten: Sie weisen den höchsten Anteil gefährdeter Lebensraumtypen auf. Die historischen Verluste an Biodiversität sind erheblich. Zwar hat sich der Rückgang seit der Jahrtausendwende verlangsamt, doch die Biodiversität steht nach wie vor unter dem Druck mehrerer sich gegenseitig verstärkender Belastungen.

Einziger Lichtblick: Der alpine Lebensraum oberhalb der Waldgrenze weist noch eine hohe Wildnisqualität mit wenig Fragmentierung auf. Hier finden sich noch einige vergleichsweise unberührte und weitläufige Räume, in denen natürliche Dynamik wirken darf. Doch auch diese Rückzugsgebiete sind zunehmend durch den Klimawandel, der die Arten aus tieferen Lagen nach oben wandern lässt, sowie durch die Zunahme von Freizeitaktivitäten bedroht.
Die Entwicklung der Arten zeigt ein trügerisches Bild: Während wärmeliebende und mobile Arten wie der Rotmilan oder die Saatkrähe zunehmen, gehen viele spezialisierte Lebensraumarten weiter zurück. Bei Pflanzen, Tagfaltern und Brutvögeln gleichen sich die Artenzusammensetzungen in verschiedenen Landschaften immer mehr an. Die Folge: Die Vielfalt zwischen den Lebensräumen nimmt ab.
Hauptursachen: Klimawandel, Stickstoff und Subventionen in Milliardenhöhe
Zu den Haupttreibern des Biodiversitätsverlusts der Schweiz zählen der Klimawandel (Temperaturanstieg um 2,8 Grad gegenüber vorindustriellen Werten), übermässige Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft (kritische Grenzen auf über 80 Prozent der Wald- und Moorflächen überschritten) und der Einsatz von Pestiziden, die nicht nur Schädlinge, sondern auch Bestäuber, Bodenorganismen und Gewässerlebewesen signifikant schädigen, die fortschreitende Landschaftszerschneidung (zwischen 2014 und 2020 um 7% zugenommen) sowie die Lichtverschmutzung (Verdoppelung der Lichtemissionen zwischen 1994 und 2020).
Ein besonders widersprüchlicher Befund betrifft die Finanzströme des Bundes: 2024 identifizierte der Bund direkte Subventionen von rund 12 Milliarden Franken, welche die Biodiversität mehr oder weniger stark beeinträchtigen. Insgesamt wurden 152 Subventionen mit biodiversitätsschädigender Wirkung erfasst, vor allem in den Sektoren Verkehr, Landwirtschaft, Siedlung und Energieproduktion. Diese Gelder arbeiten damit gegen die nationalen Umwelt- und Biodiversitätsziele.
Sehr langsame Umsetzung – trotz erster Erfolge
Die Bilanz der Biodiversitätspolitik fällt ernüchternd aus. Die 2012 verabschiedete Strategie Biodiversität Schweiz und der dazugehörige Aktionsplan von 2017 haben bisher ihre Ziele bei weitem nicht erreicht. Besonders schleppend verläuft die Umsetzung bei den Gewässern: Das revidierte Gewässerschutzgesetz von 2011 verlangt die Sanierung der Wasserkraftnutzung bis 2030. Doch das Umsetzungstempo ist viel zu langsam. Die Schweizer Fliessgewässer sind weiterhin mit Pestiziden belastet; das Ziel des Aktionsplans Pflanzenschutzmittel, die Länge der Gewässerabschnitte mit Grenzwertüberschreitungen zu halbieren, wurde bisher nicht erreicht. Zudem sind für zahlreiche Pestizide noch gar keine ökotoxikologischen Grenzwerte festgelegt. Auch die Festlegung der Gewässerräume durch die Kantone hinkt hinterher: Nur rund 30 Prozent der Gemeinden haben die Vorgaben umgesetzt, obwohl dies bis Ende 2018 hätte erfolgen sollen.

Der Bericht dokumentiert zwar auch Erfolge: Im Wald gibt es mehr Totholz und die Zahl der Baumgiganten (>80cm Durchmesser) hat sich verdoppelt, bleiben aber weiterhin selten. Die Fläche der Biodiversitätsförderflächen im Landwirtschaftsgebiet hat zugenommen, und auf diesen Flächen ist die Artenvielfalt nachweislich höher. Doch diese positiven Beispiele können die anhaltenden Verluste nicht kompensieren. Wie beispielsweise bei den Hochmooren, deren typische Lebensräume sich innerhalb von sechs Jahren um 6,5 Prozent reduziert haben.
«Was zu tun ist, ist bekannt», heisst es im Bericht. Bestehende Gesetze und Strategien müssten entschlossen umgesetzt, Subventionen umgelenkt und lokale Beteiligte sowie Bevölkerung und Wirtschaft stärker einbezogen werden. Der Bericht fordert, die externen Kosten des Biodiversitätsverlusts in wirtschaftliche Mechanismen zu integrieren. Entscheidend ist nun der politische Wille, denn Biodiversität ist kein Luxus, sondern die Grundlage unserer Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität.
Forum Biodiversität Schweiz (Hrsg.) (2026) Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten. Zustand, Entwicklung und Lösungsansätze – Ergebnisse aus Forschung und Monitoring. Swiss Academies Reports 21 (1)
Weitere Informationen:
- Mehr Informationen über den Zustand in er Schweiz finden Sie in unserem Artikel «Wie sieht es mit der Biodiversität in der Schweiz aus?»
- Der Bericht «Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten» (Swiss Academies Reports Vol. 21, Nr. 1, 2026) steht auf der Website der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) zum Download oder als Onlineversion zur Verfügung.
- Der Bundesrat hat am 12. Dezember 2025 die aktualisierte Version des Aktionsplans Biodiversität Phase II vorgestellt. Trotz zusätzlicher Massnahmen bleibt einige unverbindlich und unzureichend. Hier geht’s zum Artikel.
- Im Rahmen der UNO-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD) sind die Vertragsstaaten verpflichtet, regelmässig Berichte über den Zustand ihrer Biodiversität einzureichen; im aktuellen Bericht stellt der Bund fest, dass der Schutz der Biodiversität in der Schweiz weiterhin ungenügend ist. Trotzdem soll mit dem Entlastungspaket 27 die Gelder für die Biodiversität gekürzt werden. Hier geht’s zum Artikel.





Der Artikel erwähnt es deutlich – Verdoppelung der Lichtemissionen von 1994 – 2020.
Sehr deutlich auch auf diesen Satellitenbildern zu sehen:
https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/luft-strahlung/licht.html
So nimmt man auch der heranwachsenden Jugend dieses erhabene Erlebnis einen nächtlichen Sternenhimmel mit den Mia. Sternen staunend zu betrachten. Vielleicht gibt es auch u.a. deshalb bei Jugendlichen so viele mit psychischen Krankheiten/ Depressionen.
Aber bezüglich der Umwelt, Tiere, aber auch Menschen (Schlafstörungen) ist es ja eh ein Desaster! Die Nacht muss dunkel sein. Pflanzen werden in ihrem Wachstum gestört – 300 Insekten würden jede Nacht an einer Strassenlaterne sterben, und die fehlen dann den Vögeln als Futter – so liest man dann, dass es immer stiller werde in den Wäldern.
Wenn man den Artikel liest, dann denkt man schlicht: Kann man noch schlimmer agieren, wie in der Schweiz!? Immer wieder liest man auch, dass wir eines der Schlusslichter sind, wenn es um den Erhalt von Biodiversität geht. Und da nützt uns dann auch die direkte Demokratie nichts – tolle Initiativen, wie Trinkwasserinitiativen, Initiative gegen Massentierhaltung, Umweltverantwortungs-, Biodiversitäts-, Klimafondsinitiative – alles wird vom überwiegend konservativ denkenden Volk jeweils hoch abgeschmettert. Man hat nicht begriffen, dass wir so nicht weitermachen können, und es 5 vor 12 ist. Klar kann man monieren, dass diese Iniativen vielleicht überladen sind, und wegen einem übertriebenen «Pferdfuss» deshalb abgelehnt wurden. Man würde sie wohl lieber massvoller gestalten.
Und ja – Ende 2022/ Anfangs 23 bekam man in der Schweiz auf einmal «kalte Füsse», und befürchtete eine Strommangellage. Es wurde vom Bund eine HP ins Leben gerufen «nicht-verschwenden.ch», die aber nicht mehr aufgeschaltet ist. ES WIRD DOCH AUCH SO VIEL STROM VERSCHWENDET, den man mit Massnahmen einsparen könnte, und grade diese Lichtverschmutzung oben bei den Satellitenbildern zu sehen – das braucht doch auch eine Menge Strom!
WANN WACHT DIE SCHWEIZ ENDLICH AUF!!??