Start News Forschung Reisanbau in der Schweiz – Habitat für gefährdete Arten?

Reisanbau in der Schweiz – Habitat für gefährdete Arten?

Ökologischer Anbau von Reis im Schweizer Mittelland könnte eine Möglichkeit sein, vernässte Böden sinnvoll zu nutzen und zugleich Nischenhabitate für gefährdete Tier- und Pflanzenarten etablieren. Erste Resultate einer Pilotstudie zeigen, dass bereits im ersten Jahr Nassreisanbau eine überraschend grosse Anzahl gefährdeter Tier- und Pflanzenarten in den Felder zu finden ist. Die Anzahl der gefährdeten Arten, die auf den verschiedenen Feldern gefunden wurden, war jedoch sehr unterschiedlich.

Im Schweizer Mittelland kommen verbreitet landwirtschaftlich genutzte Böden vor, die ohne kulturtechnische Massnahmen regelmässig vernässen und so Ernteausfälle verursachen. Unter ihnen sind ehemalige Moorböden, Böden in Schwemmgebieten, Böden mit häufig hohen Grundwasserständen oder solche, die natürliche Stauschichten aufweisen oder anthropogen verdichtet wurden. Diese vernässenden Landwirtschaftsflächen sind schwierig zu nutzen. Der ökologische Anbau von Reis könnte eine Möglichkeit sein, auf solchen Böden Nischenhabitate für gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu etablieren, auf den organischen Flächen den Bodenschwund zu reduzieren und gleichzeitig eine standortgerechte landwirtschaftliche Produktion aufrecht zu halten. In einer Pilotstudie hat Agroscope zusammen mit der HAFL und mehreren Landwirten Anbauversuche auf 6 Feldern in den Kantonen Aargau, Bern, Freiburg und Waadt durchgeführt. Neben anbautechnischen Fragen standen Untersuchungen zur Biodiversität im Zentrum.Amphibien, Laufkäfer, Libellen und Gefässpflanzen wurden systematisch erfasst. Weiter wurden Beobachtungen von Reptilien, Vögeln und Heuschrecken notiert.

Die ersten Resultate zeigen, dass Nassreisanbauflächen das Potential besitzen, Habitate für gefährdete, Nässe liebende Tier- und Pflanzenarten zu sein. So traten insgesamt 6 Gefässpflanzenarten auf, die auf der Roten Liste (RL) stehen. Darüber hinaus hat man 5 RL-Libellenarten, 10 RL-Laufkäferarten und den stark gefährdeten Laubfrosch beobachtet. Weiter erwähnenswert ist die mehrfache Sichtung von seltenen Vogelarten wie Bekassine, Flussuferläufer oder Flussregenpfeifer. Die Unterschiede zwischen den Feldern waren jedoch gross. Entscheidend für eine Besiedlung ist die Vernetzung mit bestehenden Populationen. Bei den Gefässpflanzen ist das Vorhandensein von Samenbanken aus früheren Überflutungen wichtig. Zudem wirkten sich vermutlich offene Wasserflächen und eine teilweise Flutung der Fläche bereits ab Anfang Mai günstig aus. Zukünftige Untersuchungen werden zeigen, ob ein angepasstes Management der Nassreisanbauflächen dazu führt, dass sich die seltenen Arten auf weiteren Feldern etablieren können.

Zur Förderung der Biodiversität auf temporär vernässten Reisfeldern empfehlen die Autoren der Pilotstudie keine Pflanzenschutzmittel zu verwenden, sowie möglichst diverse Randstrukturen und offene Wasserflächen im Feld zu schaffen.

Die vollständige Studie ist unter diesem Link zugänglich.

1 Kommentar

  1. Ganz nett, die Idee mit dem Reisanbau.
    Aber warum nicht gleich konsequent sein und diese Flächen renaturieren?
    In den letzten 200 Jahren hat die Schweiz 95 % ihrer Feuchtgebiete entwässert, aufgefüllt und teilweise sogar bebaut.
    Es wäre also höchste Zeit, hier wieder einige Prozente zu renaturieren!

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