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Lichtverschmutzung verändert Nahrungsnetze an Flussufern

Künstliche Beleuchtung verändert nicht nur nächtliche Landschaften, sondern hat auch tiefgreifende ökologische Folgen haben. Eine aktuelle Studie der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zeigt, dass Lichtverschmutzung die Verbindung zwischen aquatischen und terrestrischen Ökosystemen erheblich stören kann – in mancher Hinsicht sogar stärker als invasive Arten.

Menschliche Eingriffe an Fluss- und Bachufern nehmen zu und beeinträchtigen dadurch die natürlichen Verbindungen zwischen Wasser und angrenzendem Land. Ein besonderes Problem ist die weltweit stark ansteigende nächtliche Beleuchtung, etwa durch Strassenlaternen. Gleichzeitig verbreitet sich der invasive Signalkrebs, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, immer weiter in Europas Flüssen und Bächen. Beide Faktoren setzen Süsswasserökosysteme massiv unter Druck – mit Konsequenzen, die über die reine Wasserumwelt hinausgehen.

Die Forschungsergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Functional Ecology, deuten darauf hin, dass selbst vermeintlich lokale Eingriffe wie die Uferbeleuchtung weitreichende Konsequenzen für die Biodiversität haben.

Experiment mit künstlichen Bächen

Um den Einflüssen auf den Grund zu gehen, führte das Team um Erstautor Collins Ogbeide ein sechswöchiges Experiment mit 16 künstlichen Bächen und angrenzenden Uferbereichen in Landau durch. Diese Anlage simulierte realistisch die Verbindung von Wasser- und Landökosystemen. Dabei untersuchten die Forschenden, wie nächtliche Beleuchtung und der invasive Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) das Fressverhalten von räuberischen Uferspinnen (Tetragnatha extensa) beeinflussen, die sich hauptsächlich von Insekten aus dem Wasser ernähren. Die Forschenden nutzten dafür Stickstoff- und Kohlenstoffisotope, die sich in der Analyse von Nahrungsbeziehungen bewährt haben. Damit verfolgten sie den Weg von Energie und Nährstoffen vom Wasser ans Land und umgekehrt.

Die Analyse zeigte mehrere Effekte: Unter nächtlicher Beleuchtung frassen die Spinnen eine grössere Vielfalt an Beutetieren, was auf eine tiefgreifende Veränderung des lokalen Nahrungsnetzes hindeutet – die sogenannte trophische Nische der Spinnen erweiterte sich unter Lichteinfluss um etwa 14 Prozent. Auch der invasive Signalkrebs änderte sein Fressverhalten: Er frass vermehrt Zuckmückenlarven und kleine Flohkrebse (Gammariden). Der gemeinsame Anteil dieser beiden Beutegruppen an seiner Nahrung stieg von etwa der Hälfte auf rund drei Viertel. Dieser verstärkte Frassdruck auf die Zuckmückenlarven reduzierte das Schlüpfen der adulten Insekten, was sich wiederum auf die Spinnen auswirkte, denen dadurch eine wichtige Nahrungsquelle entzogen wurde.

Lichtverschmutzung als dominanter Stressfaktor

Obwohl die Uferspinnen in allen Szenarien (Kontrolle, Lichtverschmutzung, Anwesenheit des Krebses sowie der Kombination aus beiden) aquatische Beute als Hauptnahrungsquelle nutzten, war der Einfluss des Kunstlichts auf die Gesamtdynamik des Nahrungsnetzes deutlich stärker als jener der invasiven Art. Die Autoren betonen, dass Lichtverschmutzung als Umweltfaktor bisher unterschätzt wird. Angesichts zunehmender Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung entlang von Flussufern könnten die Folgen für die Ökosystemdynamik erheblich sein.

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für den Naturschutz und das Gewässermanagement. Sie zeigt, dass scheinbar lokale Eingriffe wie die Uferbeleuchtung weitreichende ökologische Folgen haben können. Die Forschenden empfehlen daher, Lichtverschmutzung stärker in Schutz- und Planungsmassnahmen einzubeziehen, um die Biodiversität an Flüssen und Bächen langfristig zu erhalten.

Originalpublikation:
Ogbeide, C., Arias, M., Bollinger, E., Burgazzi, G., Burgis, F., Manfrin, A., Schirmel, J., Schreiner, V.C., Bundschuh, M., & Schulz, R. (2026). Artificial light at night and invasive signal crayfish alter aquatic-terrestrial food webs. Functional Ecology. DOI: 10.1111/1365-2435.70335

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