Im Winter verbringen viele Rotmilane die Nacht gemeinsam an Schlafplätzen, die dutzende Vögel umfassen können. Weshalb sie das tun, war bislang unklar. Eine neue Studie der Vogelwarte liefert nun erste Einsichten in dieses auffällige Verhalten.
Die Schlafplätze wurden vor allem von noch nicht ausgewachsene Rotmilanen frequentiert. Dabei zeigten sich junge Männchen besonders gesellig: Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit, einen Gemeinschaftsschlafplatz aufzusuchen, doppelt so hoch wie bei jungen Weibchen. Mit zunehmendem Alter liess dieses Verhalten nach; ab einem Alter von drei Jahren wurden die Übernachtungsplätze immer seltener besucht. Bereits brütende Vögel mieden die Schlafgemeinschaften ebenfalls und übernachteten stattdessen paarweise in der Nähe ihres Reviers.
Diese Erkenntnisse stammen aus dem umfangreichen Forschungsprojekt der Schweizerischen Vogelwarte zum Rotmilan, das sich seit über 10 Jahren mit der Ökologie dieses faszinierenden Greifvogels befasst. Für die neue Studie werteten die Forschenden fast 34’000 Übernachtungen aus 6 Jahren von 216 mit GPS-Sendern ausgerüsteten Rotmilanen aus.
Noch ist nicht geklärt, weshalb gerade junge Vögel sich an Schlafplätzen sammeln. Dazu braucht es weitere Untersuchungen. Die bisherigen Resultate liefern aber erste Erklärungsansätze: An Schlafplätzen können junge Vögel Informationen erhalten über gute Nahrungsgebiete. Das ist für sie besonders wichtig, da sie noch nicht über die Erfahrung der Altvögel bei der Nahrungssuche verfügen. Schlafplätze sind vielleicht auch eine «Partnerbörse», wo nicht brütende Vögel schneller einen Partner finden und erfahren können, wo in der Umgebung ein Revier frei ist.
Catitti, B., L. P. Mindt, A. Aebischer, M. U. Grüebler, B. C. Schlick-Steiner, F. M. Steiner & U. G. Kormann (2025): Trade-offs across life history stages and social association types shape winter communal roosting in a long-lived raptor. J. Anim. Ecol. 2025. https://doi.org/10.1111/1365-2656.70198.




