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Einem Geist auf der Spur

Er ist nachtaktiv und sieht dank seiner perfekten Tarnung aus wie ein Stück Holz. Kein Wunder ist zu den Lebensraumansprüchen des legendenumrankten Ziegenmelkers noch vieles unklar. Die Vogelwarte hat in einem neuen Projekt nun Licht ins Dunkel gebracht und überraschende Erkenntnisse zur Biologie dieser stark gefährdeten Art zu Tage gefördert.

Der Ziegenmelker brütet in lichten Wäldern mit Eichen und Föhren. Förderprojekte für die stark gefährdete Art fokussierten deshalb bislang auf die Aufwertung dieser Waldhabitate. Zurzeit liegt der Bestand schweizweit bei etwa 40-50 Paaren, die sich hauptsächlich in den Trockentälern im Wallis und Tessin konzentrieren, so berichtet die Vogelwarte Sempach in einer Medienmitteilung.

Die Aufwertungen an den Brutplätzen haben aber bislang nicht zur erhofften Bestandserholung des Ziegenmelkers geführt. Daher wollte die Vogelwarte Sempach in einem Projekt herausfinden, welche Lebensraumansprüche der Ziegenmelker hat, die in Förderprojekten noch zu wenig berücksichtigt werden.

Ziegenmelker
Am Boden sieht der Ziegenmelker aus wie ein Stück Holz. Hier verschläft er den Tag, in der Nacht macht er sich in Rebbergen und extensiv genutzten Wiesen auf die Jagd nach Grossinsekten. © Markus Varesvuo

Mit seiner nachtaktiven Lebensweise und der perfekten Tarnung, dank derer sich der Ziegenmelker kaum vom Untergrund abhebt, ist es herausfordernd, mehr über die Lebensweise dieses «Geistes» unter den Vögeln herauszufinden. Dennoch gelang es einem Team der Schweizerischen Vogelwarte im Wallis, über 40 Individuen mit GPS-Sendern auszurüsten, um mehr über die Lebensraumnutzung des Ziegenmelkers herauszufinden.

Die Resultate sind erstaunlich, zeigen sie doch, dass der Ziegenmelker viel stärker das offene Landwirtschaftsgebiet zur Nahrungssuche nutzt, als bisher bekannt war. Die mit GPS-Sendern ausgerüsteten Ziegenmelker suchten vor allem naturnahe Rebberge und extensiv bewirtschaftete Wiesen auf, die nicht zu stark gedüngt und bewässert werden. Selbst hoch gelegene Alpwiesen wurden im Hochsommer regelmässig aufgesucht. In diesen unterschiedlichsten Lebensräumen, die zum Teil mehrere Kilometer vom Brutplatz in den lichten Wäldern entfernt waren, fanden sie grosse Fluginsekten wie Nachtfalter und Käfer, die ihnen als Nahrung dienen.

Ziegenmelker
Früher bewohnte der wärmeliebende Ziegenmelker auch die sonnenbeschienenen Hänge des Jurabogens. Durch die Verdichtung der Wälder und die Intensivierung der Landwirtschaft ging sein Bestand zurück und beschränkt sich nun vor allem auf das Wallis und Tessin. © Schweizerische Vogelwarte

Mit diesem Wissen kann dem Ziegenmelker nun besser unter die Flügel gegriffen werden. Insbesondere durch eine biodiversitätsfreundliche Bewirtschaftung von Rebbergen ohne Herbizideinsatz können Insekten gefördert werden, die dem Ziegenmelker als Nahrung dienen. Ebenso wichtig sind der Erhalt und die Förderung traditionell genutzter Grünflächen mit geringem Düngereinsatz und ohne Sprinklerbewässerung.

Der Ziegenmelker
Der wärmeliebende Ziegenmelker ist nachtaktiv und verschläft den Tag am Boden, wo er auch brütet. Er verlässt sich dabei auf seine perfekte Tarnfärbung: Erst bei genauem Hinsehen kann man ihn von einem Stück Holz unterscheiden. Seinen Namen erhielt er bereits von den alten Griechen, die glaubten, er sauge Milch bei Ziegen, worauf diese erblinden oder sterben würden. Dies ist natürlich nur eine Legende, in Wahrheit suchte er wohl nach grossen Insekten, die von Weidetieren aufgescheucht wurden. Da er bei uns im Winter keine grossen Insekten findet, überwintert er in Afrika. Erst Mitte Mai kehrt er zurück und lässt an seinen Brutplätzen seinen typisch schnurrenden Gesang ertönen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.vogelwarte.ch/ziegenmelker und unter diesem Link zur Studie.

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