StartNewsForschungDas leise Verschwinden: Artenverlust als Motor des Insektensterbens

Das leise Verschwinden: Artenverlust als Motor des Insektensterbens

Eine neue Studie aus Nature Ecology & Evolution zeigt alarmierende Ergebnisse: Über 90 Prozent des Rückgangs der Biomasse von Insekten und Spinnen in deutschen Wiesen und Weiden gehen direkt auf den Verlust von Arten zurück. Nicht weniger Individuen sind das Problem, sondern eine abnehmende Vielfalt. Diese Erkenntnis zwingt den Naturschutz zu einem grundlegenden Umdenken und rückt die Bedeutung der biologischen Vielfalt stärker denn je in den Mittelpunkt.

Arten verschwinden – und mit ihnen das Fundament unserer Ökosysteme

Die Studie basiert auf elf Jahren an Daten aus zwei gross angelegten Forschungsprojekten in Deutschland. Forschende zählten und bestimmten dabei Insekten und Spinnen, ermittelten ihre Biomasse und analysierten die Entwicklung der Gesamtheit aller Arthropoden in verschiedenen Grünland-Ökosystemen (Wiesen und Weiden). Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Rückgang der Biomasse in erster Linie darauf zurückgeht, dass häufige Arten verschwinden, während der Verlust seltener Arten und Abnahmen innerhalb der verbleibenden Populationen weit weniger beitragen.

Zu Beginn der Studie spielte die Identität einzelner Arten noch eine grössere Rolle: Der Wegfall grosser, aber seltener Arten wirkte sich spürbar auf die Gesamtbiomasse aus. Im späteren Verlauf trugen jedoch alle Arten in ähnlichem Ausmass zum Rückgang bei. Die Forschenden stellten zudem fest, dass Rückgänge der Häufigkeit innerhalb der verbliebenen Arten nur fünf bis acht Prozent der Gesamtentwicklung erklären. Entscheidend ist also nicht, wie viele Individuen fehlen, sondern wie viele Arten endgültig verloren gehen.

Die Daten zeigen ausserdem, dass eine hohe Pflanzenartenvielfalt und eine geringe Nutzungsintensität des Grünlands grössere und stabilere Arthropodengemeinschaften fördern. Unter solchen Bedingungen verteilt sich die Biomasse auf viele unterschiedlich grosse und unterschiedlich häufig vorkommende Arten, was die Widerstandsfähigkeit ökologischer Systeme erhöht.

Warum diese Erkenntnisse den Naturschutz verändern

Arthropoden spielen eine zentrale Rolle in den Nahrungsnetzen des Grünlands und tragen zu essenziellen Prozessen wie Bestäubung, Nährstoffkreislauf und Energiefluss bei. Wenn ihre Biomasse sinkt und sich auf weniger Arten konzentriert, werden Ökosysteme störanfälliger und verlieren Resilienz. Die Studie bestätigt damit die Befürchtung, dass der Artenrückgang weitreichende Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit ganzer Lebensgemeinschaften hat.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass wirksamer Naturschutz einen ganzheitlichen Ansatz erfordert, der nicht einzelne Arten, sondern gesamte Lebensräume in ihrer Vielfalt schützt. Der Erhalt artenreicher Grünlandflächen und eine schonende Nutzung können entscheidend dazu beitragen, stabile Insekten- und Spinnengemeinschaften zu bewahren. Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass die Ergebnisse vor allem lokale Grünlandsysteme in gemässigten Breiten betreffen und entsprechend eingeordnet werden sollten. Dennoch setzt die Studie ein deutliches Warnsignal: Der Verlust von Arten ist der zentrale Treiber des Insektensterbens – und verlangt dringend nach entschlossenem Handeln.

Hier geht’s zur Studie.

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