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Beweidung gegen Waldbrände

Der Einsatz grosser Pflanzenfresser kann ein wirksames Mittel zur Verhütung und Eindämmung von Waldbränden sein, insbesondere an Orten, an denen die Landnutzung aufgegeben wurde. Viel kostspieligere Lösungen wie die Brandbekämpfung oder die mechanische Entfernung der Vegetation könnten durch Beweidung ersetzt werden.

In vielen Teilen der Welt führen sozioökonomische Faktoren zu einer grossflächigen Landflucht. Auch nomadische Praktiken und Weidewirtschaft gehen weltweit zurück. In der Folge wachsen Flächen allmählich mit Büschen und Bäume zu. Brennbares Material häuft sich an, bewährte Feuerschneisen gehen verloren. Diese Prozesse führen zu einem höheren Risiko und einer grösseren Intensität von Waldbränden. Diesem Risiko wird derzeit vor allem mit grösseren Investitionen in die Brandbekämpfung begegnet. Dies kann zwar wirksam sein, um bereits ausgebrochene Waldbrände zu bekämpfen. Die vielversprechendere Strategie ist jedoch, intensive Waldbrände von vornherein zu vermeiden, informiert das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in einer Pressemitteilung.

Forscher*innen des iDiv und weiteren Institutionen haben herausgefunden, dass grosse Pflanzenfresser – einschliesslich Nutztiere, wilde und halbwilde Pflanzenfresser – eine naturbasierte Lösung zur Verringerung des Risikos von Waldbränden darstellen können. Das internationale Forscherteam untersuchte, ob grosse Pflanzenfresser die Menge der feuergefährdeten Vegetation und damit die Auswirkungen von Waldbränden verringern können. Dazu werteten sie bestehende Studien aus, die Zusammenhänge zwischen Pflanzenfressern, Vegetationsstruktur, Brandrisiko, Brandhäufigkeit und Brandschäden untersuchten. Sie fanden heraus, dass Pflanzenfresser die Schäden durch Waldbrände mindern können. Die Wirksamkeit hängt von einer Reihe von Faktoren ab: Populationsdichte und Ernährung der Pflanzenfresser, aber auch von der Art der Vegetation und den Umweltbedingungen.

Tierische Aufgabe

«Diese Aufgabe können nicht nur Haustiere übernehmen, sondern auch wieder angesiedelte wilde und halbwilde Pflanzenfresser», sagt Julia Rouet-Leduc, Hauptautorin der Studie und Doktorandin bei iDiv und an der Universität Leipzig. «Sie können das Risiko von Waldbränden wirksam verringern, insbesondere in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten. Hier kann eine sorgfältige Bewirtschaftung mit Pflanzenfressern die Verhütung von Waldbränden mit dem Schutz der Natur verbinden.» Dr. Fons van der Plas, ebenfalls Hauptautor der Studie und Assistenzprofessor an der Universität Wageningen, fügt hinzu: «Extensive Formen der Beweidung werden nicht zu einer homogenen, niedrigen Vegetation führen. Aber schon allein beweidete Flächen können bereits ausreichen, eine unkontrollierte Ausbreitung von Bränden zu verhindern, da sie als natürliche Brandschneisen fungieren.» Bei Bedarf kann eine kurzfristige intensive Beweidung, auch gezielte Beweidung genannt, mit anderen Massnahmen wie der mechanischen Rodung kombiniert werden, um das Brandrisiko weiter zu verringern. «Tiere die Arbeit machen zu lassen, ist eine ausserordentlich kosteneffiziente Art der Landbewirtschaftung, bei der gleichzeitig fehlende Ökosystemfunktionen wiederhergestellt werden und die der lokalen Bevölkerung zugutekommen kann», so Dr. Guy Pe‘er, Forscher bei iDiv und am UFZ und ebenso Hauptautor der Studie.

«Gleichzeitig müssen wir akzeptieren, dass Brände natürliche Prozesse sind, die für viele Ökosysteme wichtig sind, und wir müssen lernen, bis zu einem gewissen Grad mit ihnen zu leben», so Rouet-Leduc. Angesichts des Klimawandels würden die Waldbrände laut Pe’er in vielen Teilen der Welt wahrscheinlich immer schlimmer werden. «Die derzeitige Politik kann und sollte naturbasierte Lösungen viel besser berücksichtigen, z. B. indem sie Pflanzenfressern erlaubt, ihre Arbeit zu tun.»


Originalpublikation:

Rouet-Leduc, J., Pe’er, G., Moreira, F., Bonn, A., Helmer, W., Shahsavan Zadeh, S. A. A., Zizka, A., & van der Plas, F. (2021). Effects of large herbivores on fire regimes and wildfire mitigation. Journal of Applied Ecology, 00, 1–10.

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