StartNewsForschungFeuerwerk und Wildvögel: Mehr als nur ein kurzer Schreck

Feuerwerk und Wildvögel: Mehr als nur ein kurzer Schreck

Dass Tiere und Umwelt vom jährlichen Feuerwerk nicht profitieren, ist wohl keine Neuigkeit. Wie sich diese Auswirkungen aber in der Realität zeigen, untersuchte Valentin Moser in den letzten Neujahrsperioden durch das Beobachten der Vögel im Bereich des Basler Rheinhafens. Die neu erschienene Studie zeigt dabei deutlich: Das Silvester-Feuerwerk hat nicht nur unmittelbare, sondern auch längerfristige Folgen für die hiesigen Vögel.

Während andere auf dem Basler Münsterplatz gemeinsam aufs Neue Jahr anstossen, nutzte Valentin Moser diese Zeit, um die Auswirkungen der Festlichkeiten auf die Vögel beim Rheinhafen festzuhalten. Über drei Winter zwischen 2020/21 und 2022/23 dokumentierte Moser das Verhalten von Lachmöwen über die Neujahrsperiode hinweg. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und wie sich das Silvester-Feuerwerk auf die beflügelten Bewohner des Rheinhafens auswirkt.

Festfreude auf Kosten der Tier- und Umwelt

In der Schweiz werden jährlich etwa 1000 – 2000 Tonnen Feuerwerkskörper verbraucht. Beim Abbrennen entstehen laut Bundesamt für Umwelt rund 200 bis 400 Tonnen Feinstaub. Das entspricht im Jahresmittel etwa zwei bis drei Prozent der schweizerischen Feinstaubemissionen. Das stellt nicht nur eine Belastung für die Umwelt dar, sondern versetzt auch viele Tiere in Panik. Dies betrifft nicht nur unsere Haustiere, von denen viele nach einem Feuerwerk als vermisst gemeldet werden, sondern auch die Wildtiere.

Vor allem an Silvester, wenn die Tiere im Winter sowieso schon mit dem Energiehaushalt zu kämpfen haben, kann die zusätzliche Belastung durch Feuerwerk gravierende Folgen haben. Beispielsweise kann durch laute Knallerei der Igel aus dem Winterschlaf gerissen werden, wodurch ein Energieaufwand entsteht, der nicht zu kompensieren ist.

Wenn der Schlafplatz plötzlich explodiert

Auch Vögel reagieren teils panisch auf die jährliche Knallerei. Aufgrund von Feuerwerk kann es vorkommen, dass Vögel für mehrere Tage aus einem Naturschutzgebiet verschwinden oder jenes nach wiederholtem Vorkommen des Lärms sogar ganz meiden. Valentin Moser untersuchte die Auswirkungen des Silvesterfeuerwerks auf Lachmöwen und anderer Vögel im Bereich des Rheinhafens in Basel, wo viele der Vögel ihren Schlafplatz haben.

Ruhe vor dem Sturm: Lachmöwen am Basler Rheinhafen. Bild:© Dominic Eichhorn
Bild: © Valentin Moser

«Lachmöwen reagierten auf Feuerwerk sofort mit Auffliegen», berichtet Moser. In den Silvesternächten verbrachten sie deutlich mehr Zeit in der Luft als gewöhnlich. Gleichzeitig verkleinerte sich der genutzte Schlafplatz stark, die Tiere rückten enger zusammen und viele verliessen das bevorzugte Gebiet ganz. Je nach Jahr nahm die Zahl der Möwen am Schlafplatz nach dem Feuerwerk um bis zu 60 Prozent ab.

Adaptiert von Moser, 2026

Auch nach dem Ende des Feuerwerks sind die Auswirkungen auf die Vögel noch deutlich spürbar. Erst nach mehreren Tagen näherten sich Anzahl und Verhalten der Möwen wieder dem Zustand vor Silvester an. Die Untersuchung zeigt damit, dass Feuerwerk nicht nur unmittelbare Fluchtreaktionen auslösen kann, sondern das Verhalten der Tiere noch Tage später beeinflusst.

Eine Nacht ohne Rückzugsort

Betroffen waren jedoch nicht nur Lachmöwen. Auch andere Wildvögel zeigten deutliche Reaktionen. Wasservögel wie Enten verliessen das Gebiet teilweise bereits nach dem ersten Knall. Selbst eigentlich tagaktive Singvögel beobachtete Moser um Mitternacht beim hektischen Umherfliegen.

Ein zusätzliches Problem ist die räumliche Ausdehnung des Feuerwerks. «Durch das grossflächige, gleichzeitige Abbrennen von Feuerwerk finden Wildvögel kaum Rückzugsorte», erklärt Moser. Anders als bei einer lokal begrenzten Störung können die Tiere dem Lärm dadurch nur schwer ausweichen. Moser vermutet deshalb, dass die Silvesternacht für manche Vögel zu den stressreichsten Nächten des gesamten Winters gehören könnte.

«diese Nacht Könnte für diese Vögel die stressigste des ganzen Winters sein.»

Valentin Moser, Gemeinschaftsökologe & Autor der Studie

Gerade in der kalten Jahreszeit können solche zusätzlichen Flugbewegungen relevant sein, da die Tiere ihre Energiereserven möglichst effizient einsetzen müssen. Die Beobachtungen aus Basel machen deutlich, dass die Auswirkungen des Feuerwerks weit über den kurzen Moment des Knalls hinausreichen können.

Zeit für tierfreundliches Umdenken

Die Untersuchung liefert damit neue Daten für eine Debatte, die in der Schweiz derzeit auch politisch geführt wird. Am 29. November stimmt die Bevölkerung über die Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» ab. Die Initiative möchte nun gesetzlich einen Umschwung einleiten. Dabei geht es nicht um den vollständigen Verzicht auf Feuerwerk, sondern mehr um einen nachhaltigen, bewussten Umgang. Der Gesetzesvorschlag will Feuerwerk nicht gänzlich verbieten. So sollen Feuerwerkskörper ohne Knalleffekte, beispielsweise Vulkane oder Bengalhölzer, nach wie vor erlaubt sein. Auch grosse, öffentliche Feuerwerke würden weiterhin stattfinden, denn das Ziel der Initiative ist nicht, den kulturellen Aspekt des Feuerwerks zu vernichten, sondern einen zeitgemässen Umgang damit voranzutreiben.

Ein indirekter Gegenvorschlag scheiterte im Parlament. Dabei stimmten Gegner und Befürworter einer stärkeren Einschränkung aus unterschiedlichen Gründen dagegen. Somit kommt die ursprüngliche Volksinitiative am 29. November 2026 ohne Gegenvorschlag zur Abstimmung.

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