Feuchtwälder spielen eine Schlüsselrolle für die Biodiversität und die Anpassung an den Klimawandel. Ihre Anzahl und Fläche dürften in der Schweiz in den nächsten Jahren zunehmen. Dies ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen der Konferenz «Wiederherstellung von Wäldern – Potenziale und Handlungsbedarf», die am Donnerstag, 20. November 2025, in Ittigen vom Schweizer Komitee der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) und des Schweizerischen Forstvereins (SFV) organisiert wurde.
Das Treffen brachte Vertreter aus den Bereichen Naturschutz und Waldbewirtschaftung mit einem gemeinsamen Ziel zusammen: die Wiederherstellung von Wäldern, um ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Rückgang der Biodiversität und dem Klimawandel zu erhöhen. Fachleute aus der Schweiz und dem Ausland, die aus Forschungsinstituten, Regierungen, Hochschulen und der Praxis kamen, trugen zu den Überlegungen bei. Unter den untersuchten Ansätzen erwiesen sich Feuchtwälder als eine vielversprechende Antwort auf diese Herausforderungen.
Etwa 95 % der Fläche der Feuchtwälder (Auen-, Sumpf-, Moorwälder usw.) sind in der Schweiz innerhalb von zwei Jahrhunderten durch Rodungen, Entwässerungen sowie die Begradigung von Flüssen und den damit verbundenen Verlust von Auengebieten verschwunden, erinnert Karen Bussmann-Charran, Leiterin des Fachbereichs Aquatische Biodiversität am Synthesezentrum Biodiversität. Diese Lebensräume bieten jedoch unzählige Vorteile: Förderung der Biodiversität, Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit, Wasserrückhalt, Hochwasserschutz oder auch Kohlenstoffspeicherung.
Weitere Baumarten
Durch die Wiedervernässung geeigneter Gebiete kann der Wald trotz des Klimawandels erhalten bleiben, ergänzte Thomas Wohlgemuth, Ökologe an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Sie ermöglicht die Ansiedlung weiterer Baumarten, die manchmal mehr Insektenarten beherbergen als die bisherigen. Dies ist ein wichtiger Hebel, da eine in Deutschland durchgeführte Studie einen Rückgang der Biomasse und der Insektenarten im Wald um 41 % bzw. 36 % zwischen 2008 und 2017 gezeigt hat, wie Jakob Pöllath, Vertreter des Bundesamtes für Naturschutz, feststellte.
Der Wasserhaushalt ist ein wesentlicher Faktor, der bei der Wiederherstellung der Schweizer Wälder berücksichtigt werden muss, pflichtete Clémence Dirac Ramohavelo, Sektionschefin Waldökosystemdienstleistungen und Waldbau beim BAFU, bei. Dazu gehören insbesondere Massnahmen zur Beseitigung der Entwässerung in ausgetrockneten Wäldern.
Teil der Strategie Biodiversität Schweiz
In den nächsten Jahren sei mit einer Zunahme der Anzahl und der Fläche der Feuchtwälder zu rechnen, erklärte Karen Bussmann-Charran. Die Erhaltung und Wiederherstellung von Feuchtwäldern sei Teil der Schweizer Biodiversitätsstrategie, merkte sie an. Darüber hinaus sei dies ein wichtiger Handlungsbereich der Programmvereinbarung 2025–2028 für den Wald zwischen dem Bund und den Kantonen, die die Umsetzung vorantreiben. Die Anliegen der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer müssen dabei berücksichtigt werden, betonten die Diskussionsteilnehmenden. Es geht nicht darum, unüberlegt und willkürlich vorzugehen, sondern wertvolle und interessante Lebensräume dort wiederherzustellen, wo sie ursprünglich vorhanden waren. Auch potenzielle Konflikte (Trinkwassergewinnung, unterschiedliche Ziele zwischen Lebensräumen und Arten usw.) müssen berücksichtigt werden.
Der Dialog und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit sind unerlässlich, um diese für die Biodiversität und das Klima so wichtigen Renaturierungsmaßnahmen zu begleiten. Neben den Feuchtwäldern, die vor allem in tiefer gelegenen Regionen eine Lösung darstellen, wurde auch über die Renaturierung in Bergregionen diskutiert. Es wurden vielversprechende Ansätze zur Regeneration und Pflege sowie spezifische Massnahmen zur Förderung der Biodiversität untersucht, wie beispielsweise die natürliche Verjüngung und Diversifizierung der Baumarten.





Ein schönes Zitat: «In den nächsten Jahren sei mit einer Zunahme der Anzahl und der Fläche der Feuchtwälder zu rechnen, erklärte Karen Bussmann-Charran.»
Allein, ich weiss ja nicht, wo die Referentin hinguckt, wenn sie durch die Schweiz reist und deshalb ist mir auch nicht klar, wie sie diese Annahme begründet und öffentlich verbreitet.
Nach den grossen Verlusten an Moor- und Auenwäldern im 19. und 20 Jahrhundert sind seit 1950 ständige punktuelle Verluste festzustellen. In der Summe sind sie aber flächenmässig immer noch weitaus umfangreicher als die wenigen Renaturierungsprojekte. Und beispielsweise im Kanton Zürich führt der gesetzeswidrige Vollzug der Gewässerraum-Festsetzung zu weiteren Verlusten.
Programme sind schön und gut, aber die Realität zeigt im Natur- und Umweltschutz fast immer eine gegenteilige Entwicklung.
Also, auf welcher Grundlage kommt Frau Bussmann-Charran zu ihrer Aussage? Optimismus zu verbreiten ist nicht verkehrt, aber das grenzt schon an Greenwashing.