StartNews20 Jahre Stillstand: Die Schweiz lässt ihre Feuchtgebiete austrocknen

20 Jahre Stillstand: Die Schweiz lässt ihre Feuchtgebiete austrocknen

2005 hat die Schweiz zum letzten Mal ein Feuchtgebiet für die internationale Ramsar-Konvention unter Schutz gestellt. Die gravierenden Folgen von 20 Jahren Stillstand zeigen sich am desolaten Zustand der einheimischen Moore und Auen. An der UNO-Konferenz zu den Ramsar-Feuchtgebieten Ende Juli hat die Schweiz die Gelegenheit, endlich vorwärtszumachen.

Anfang Juli veröffentlichte das eidgenössische Forschungsinstitut WSL ihren aktuellen Bericht zum Zustand der Biotope von nationaler Bedeutung – den Perlen der Schweizer Natur. Für die Feuchtgebiete fällt das Fazit düster aus: Die Hochmoore trocknen weiter aus, ihre Fläche ist um fast 100 Fussballfelder geschrumpft. Auch die Auen entwickeln sich mehrheitlich negativ. Dabei sind Feuchtgebiete in Zeiten der sich beschleunigenden Klimakrise für Mensch und Natur überlebenswichtige Wasser- und CO2-Speicher. Eine weitere brandneue WSL-Studie zeigt, dass Feuchtgebiete zudem zentral sind für stabile Nahrungsnetze.

Wichtige Lebensräume bis heute schutzlos

Die 1975 in Kraft getretene Ramsar-Konvention hat zum Ziel, die weltweit wichtigsten Feuchtgebiete unter Schutz zu stellen. In den 50 Jahren seit der Gründung hat die Schweiz – als Wasserschloss Europas – lediglich 11 Gebiete angemeldet, das letzte vor 20 Jahren. Dies, obwohl eine 2023 publizierte Studie von InfoSpecies festgestellt hat, dass es z.B. für dynamische Fliessgewässer eine Zunahme um 124 Prozent bräuchte, um den Erhalt der regionalen Artenvielfalt zu gewährleisten. Ähnlich sieht es auch bei anderen Feuchtlebensräumen wie Stillgewässern, Röhrichten und Streuwiesen aus. Anders als Österreich oder Deutschland hat die Schweiz auch kein Ramsargebiet am Bodensee ausgewiesen.

Rückstand aufholen: Schutz ist möglich

An der UNO-Konferenz der Ramsar-Feuchtgebiete vom 23. bis 31 Juli in Simbabwe hat die Schweiz die Möglichkeit diesen Missstand zumindest teilweise zu beheben und den enormen Rückstand gegenüber ihren europäischen Nachbarländern aufzuholen (Italien: 57 Gebiete, Frankreich: 55 Gebiete, Deutschland: 34 Gebiete, Österreich: 24 Gebiete). Pro Natura setzt sich an vorderster Front für den Schutz von Feuchtgebieten ein. Sie pflegt und unterhält einige der wichtigsten Ramsargebiete oder Teile davon, wie beispielsweise Les Grangettes (VS, VD), die Bolle di Magadino (TI) oder das Kaltbrunner Riet (SG). Es sind Vorzeigeflächen für den erfolgreichen Schutz und die Betreuung von Feuchtgebieten und beliebte Ausflugsziele für Vogelfreunde und Familien. Für den Erhalt der Artenvielfalt und unserer Wasserreserven kann und muss es davon in Zukunft mehr geben

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