Sie sind fleissige Baumeister und gestalten unsere Landschaft um: Biber. Lange Zeit wurden sie vor allem als Verursacher von Konflikten gesehen. Doch nun liefert ein umfassender Bericht des Bundesamts für Umwelt (BAFU) die wissenschaftliche Bestätigung: Die Nager sind wahre Multitalente, wenn es um den Schutz von Natur und Klima geht.
Während die einen die Überflutungen von Äckern und Wäldern beklagen, feiern ihn andere als natürlichen Landschaftsarchitekten. Ein neu publizierter Synthesebericht des Bundesamts für Umwelt (BAFU) bringt nun neue, fundierte Argumente in die Diskussion. Die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts zeichnen das Bild eines «Öko-Ingenieurs», dessen Wirken weit über das Stauen von Bächen hinausgeht. Von der Artenvielfalt über die Wasserqualität bis hin zur Kohlenstoffspeicherung – die positiven Effekte der Biberdämme sind vielfältiger als gedacht. Fachleute fordern deshalb, den Biber künftig gezielt in die nationale Planung einzubeziehen.
Lebensadern für die Artenvielfalt
Biberdämme schaffen neue Lebensräume. Durch die Aufstauung der Bäche entstehen vielfältige Feuchtgebiete und Auenlandschaften. Diese «Biberteiche» sind nicht nur ein Paradies für Insekten, Amphibien und seltene Pflanzen, sondern auch für Fische. Entgegen früherer Annahmen zeigen die neuen Erkenntnisse, dass die Dämme für viele Fischarten passierbar sind und sogar als Kinderstube dienen können, da sie Jungfischen Schutz vor Fressfeinden bieten.
Klärwerk und Klimaschützer in einem
Die positiven Effekte gehen aber noch weiter. Die Forschenden konnten belegen, dass Biberdämme die Wasserqualität verbessern. Sie wirken wie natürliche Filter, indem sie Sedimente und Schadstoffe aus dem Wasser zurückhalten. Zudem spielen die aufgestauten Bereiche eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. In den Biberteichen wird organisches Material eingelagert, wodurch sie zu effizienten Kohlenstoffsenken werden. Ein Aspekt, der in Zeiten der Klimakrise zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Vom Nebeneinander zum Miteinander: Der Biber als Partner
«Der Biber ist unser bester Verbündeter um lebendige und widerstandsfähige Gewässer zu fördern», heisst es im Synthesebericht. Er trage dazu bei, Gewässer artenreicher und widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Klimaveränderungen zu machen. Bestehende Schutzmassnahmen für das Tier und seine Bauwerke reichen laut den Autorinnen und Autoren jedoch nicht aus. Angesichts der vielen Vorteile sei es wichtig, den Biber künftig gezielt und vorausschauend in die Naturschutzplanung von Bund und Kantonen einzubeziehen. Die Autorinnen und Autoren sehen dafür vier zentrale Handlungsfelder: die Bereiche Gewässer (Wasserbau und Revitalisierung), Wald, Landwirtschaft und Siedlungsgebiete.
Ein Werkzeugkasten für die Zukunft
Der zweite Teil des Syntheseberichts zeigt konkrete Wege auf, wie die Integration gelingen kann. Ziel ist es, Instrumente zu schaffen, die es ermöglichen, den Biber etwa in der Wasserbau- und Landwirtschaftspolitik zu berücksichtigen. Gleichzeitig sollen Landnutzende fair entschädigt werden, wenn Biber gewässernahe Flächen vernässen oder überfluten. Ein im Rahmen des Forschungsprojekts entwickeltes, starkes Visualisierungstool hilft dabei, potenzielle Biber-Auen für die ganze Schweiz zu modellieren und zu identifizieren. Damit können Konflikte frühzeitig erkannt und Chancen für die Natur besser genutzt werden.
Für alle, die tiefer in die Materie eintauchen möchten, hat die Biberfachstelle ein umfassendes Webdossier eingerichtet. Der Synthesebericht selbst ist auf der Webseite des BAFU verfügbar. Die Zukunft der Schweizer Gewässer könnte also nicht nur von Menschenhand, sondern auch von einem ihrer fleissigsten Bewohner mitgestaltet werden – dem Biber.
- Synthesebericht vom BAFU als PDF zum downloaden
- Webdossier auf der Website der Biberfachstelle mit alle Resultate aus dem Forschungsprojekt und Informationen aus den aktuellsten internationalen Forschungsresultaten




