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Hotspot Naturgarten – Wühlmäuse für die Königin!

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Verehrte Hummeln, Ihr seid kleine pelzige Phänomene. Ihr bringt Physiker zum Diskutieren und inspiriert Komponisten. Ihr seid zäh und friedfertig, rund und laut und einfach wunderbar! Ihr seid ein fliegendes Lächeln. Und Ihr werdet immer weniger. Das darf nicht sein.

Text von Jasmin Jansen und Bilder von Christine Dobler Gross

Oh, diese Wühlmäuse. Was bringen sie den braven Gärtner zur Verzweiflung. Aber vielleicht hilft es dem armen geplagten Gärtner ja zu wissen, dass gerade dort, wo Wühlmäuse sind, auch Hummel-Königinnen gern ihren Hofstaat gründen? Manchmal sind die buddelnden Nager sogar so umsichtig, ihre geräumigen Bauten weich ausgepolstert zurückzulassen. Na, wenn das nicht einer Majestät würdig ist. 

Und was für Königinnen Ihr habt! Liebe Hummeln, man mag geradewegs zum Royalisten werden. Im Frühjahr erwachen sie aus dem Winterschlaf in ihrem kleinen Loch unter unaufgeräumten Laubhaufen und müssen sich nun erst einmal stärken. Frühjahrsblüher, wo seid ihr? Gut wächst da unter der «leeren» Forsythie ein ganzes Buffet gehaltvoller Leckerbissen.

Dunkle Erdhummel an Lenzrose
Königin der Dunklen Erdhummel Bombus terrestris am Frühblüher Lenzrose Helleborus spec. © Christine Dobler Gross

Dann wird ein geeigneter Ort für den Nestbau gesucht. Pollen sammeln, Eier legen, alles schön warmhalten – denn noch ist das Wetter zum Bibbern – und das zunächst einmal alles im Alleingang, was für ein Knochenjob. Wenn dann der Hofstaat Formen annimmt, wird die Arbeit geteilt. «Hummeln mir nach! Die Weiden blühen!», tönt es aus dem Nest und schon fliegt ihr los.

Dunkle Erdhummel an Purpurweide
Königin der Dunklen Erdhummel Bombus terrestris an Purpurweide Salix purpurea © Christine Dobler Gross

Ja, ihr fliegt. Doch wie nur? Mangelnde Kenntnis der Physik hat man euch nachgesagt. Aerodynamik? Braucht eine Hummel nicht! Die Königin will fliegen und sie fliegt, basta! Die Hofdamen tun es ihr gleich, denn die Königin macht die Gesetze, auch wenn sie den Regeln der Physik zuwiderhandeln. Als Kind war ich begeistert vom Hummel-Paradoxon, war ich doch der Überzeugung, dass ihr schlicht von Euren eigenen Schallwellen getragen werdet. Das unüberhörbar laute fröhliche Brummen muss die Luft um Euch herum in ganz besonderer Weise zum Schwingen bringen, so war ich überzeugt, und Euch dabei vorwärts tragen. Wahrscheinlich sind es auch genau diese Schwingungen, die dem Beobachter immer dieses Grinsen in das Gesicht zaubern. 

Ackerhummel an Bluete des Gemeinen Hohlzahns
Ackerhummel Bombus pascuorum an Gemeinem Hohlzahn Galeopsis tetrahit © Christine Dobler Gross

Doch genug der Theorie. Natürlich ist es schon fast Majestätsbeleidigung, zu unterstellen, die Königin verstünde nichts von Aerodynamik. Ist doch genau das Gegenteil der Fall. Mit kreisförmigen Flügelbewegungen, bis zu 200 Mal pro Sekunde, erzeugt ihr kleinen Muskelpakete tornadoartige Luftwirbel unter Euren Flügeln und verursacht so einen Unterdruck, der euch regelrecht davonschiessen lässt. Wenn das mal keine angewandte Physik ist! Da lag ich mit der Idee, dass euer Brummen selbst das eigentliche Fortbewegungsmittel ist, ja trotzdem gar nicht sooo falsch…

Hummeln an Dunkler Koenigskerze
Pollen sammelnde Hummeln an der Dunklen Königskerze Verbascum nigrum © Christine Dobler Gross

Sei es wie es sei, ihr fliegt und ihr brummt und beides macht den unwürdigen Beobachter lächeln, selbst in der grossen Stadt. Grossstadthummeln, ihr wart ein Teil meiner Kindheit, einer der wenigen fleissigen Brummer, die man dort jeden Sommer zu Gesicht bekam. Inzwischen seid ihr erschreckend selten geworden. 

Steinhummel an Schnittlauchbluete
Steinhummel Bombus lapidarius an Schnittlauch © Christine Dobler Gross

Und auch in ländlicheren Gebieten findet ihr immer weniger Plätze, an denen sich ein Nest bauen lässt. In versiegelten Flächen lässt sich nun mal nicht wohnen oder überwintern. Ihr werdet auf Diät gesetzt durch fehlende Blühflächen und dabei seid ihr doch nun wirklich nicht wählerisch. Blühende Bäume und Sträucher, Gemüse und Kräuter, zierende Rosen, bei allem seid ihr fröhlich brummend dabei, nur bitte kein Gift! 

Ich treffe euch zum Plausch an den zauberhaften hängenden Blüten von Lungenkraut, Bachnelkenwurz und Glockenblumen. Borretsch und Wallwurz müssen wohl eine ganz besondere kulinarische Sensation sein. Vielleicht sind bei Euch die hängenden Blüten ja auch deshalb so beliebt, weil man hier nicht so sehr sieht, wie sie sich unter der Last eures Besuchs biegen. Wie etwa diese dünn gestängelten Kornblumen, an denen es sich zwar nett schaukelt, die dann aber wie ein Katapult wieder nach oben schiessen, sobald das Gewicht brummend davonfliegt. Das ist einer Dame natürlich immer etwas unangenehm.

Hummelkoenigin an Bluete
Hummelkönigin im Frühling an Kaukasus-Beinwell Symphytum grandiflorum © Christine Dobler Gross

Dann doch lieber Tomaten! Was haben wir Tomatenliebhaber euch zu verdanken, denn hier seid ihr die Bestäuber der Stunde. An den Blüten festgebissen wird fleissig mit den Flugmuskeln vibriert, bis man über und über mit Pollen bedeckt ist. Das erinnert ein bisschen an das Bäumchen schütteln für Obst und ist ein Einsatz, der natürlich eine gewisse Masse erfordert. Macht das erstmal nach, ihr wespentaillierten Leichtgewichte! «Von Hummeln bestäubte Tomaten schmecken einfach besser!», las ich neulich in einem Online-Bericht des SRF. Ob dies empirisch nachweisbar ist, wage ich zu bezweifeln, aber wenn es um Geschmack geht, ist das mit dem empirischen Nachweis ja ohnehin so eine Sache. 

Dennoch: Schreine mit Opfergaben sollten wir euch bauen, anstatt euch durch Industrie-gezüchtete Hummelstaaten mit resistenten Krankheitserregern zu bombardieren! Wie dem auch sei, Gründe für eine Liebeserklärung gibt es massig, und ich beuge mein Haupt in Ehrfurcht vor Euch wirbelnden Naturgewalten!

«Big bottom girls you make the rockin‘ world go ‚round!» – Bitte bleibt uns noch ein wenig erhalten.

Steinhummel im Anflug
Steinhummel Bombus lapidarius zwischen Langblättrigem Ehrenpreis Veronica longifolia © Christine Dobler Gross

 

2 Kommentare

  1. Herrlich, dieser Artikel, sprachlich ein richtiger Aufsteller. Besonders wenn bei uns der Mohn üppig blüht, erfreuen wir uns am frühen Morgen beim ersten Sonnenschein an dem Gewusel – „wägg da, das isch mini Blüete“ – und Gebrumme dieser gemütlichen Pummelchen.

  2. Ein sehr schöner Artikel. Danke.
    Ich hatte ein solches Erdhummelnest in einem verlassenen Mausloch. Sie haben mir die Tomaten, die in der Nähe wachsen fantastisch gut bestäubt. Seit rund 4 Wochen sind die Erdhummel leider verschwunden und das Mausloch nicht mehr bewohnt. Was könnte der Grund dafür sein? Rund 2 Meter weit weg vom Eingang wurden im Nachbarsgarten Wasserleitungen verlegt. Ist das vielleicht die Ursache? Oder ist es normal, dass Erdhummel umziehen?

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