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Wildtierfotografie mit dem Smartphone für Dummies

Ein sonniger Tag, eine blühende Wiese, ein farbenprächtiger Schmetterling – das perfekte Motiv für ein Foto. Doch kaum kommt man näher, flattert er davon, und die Kamera will einfach nicht scharfstellen. Wer schon einmal versucht hat, Tiere mit dem Smartphone einzufangen, weiss: Das ist oft kniffliger, als es aussieht. Deshalb haben wir 10 Tipps für bessere Wildtierfotografien zusammengestellt.

Bewegung, wechselndes Licht und unruhige Hintergründe machen Wildtierfotografie mit dem Handy zu einer Herausforderung. Trotzdem braucht es keine teure Ausrüstung, um beeindruckende Bilder zu machen. Mit ein paar einfachen Tricks und etwas Geduld gelingen auch Hobbyfotografen Aufnahmen, die sich sehen lassen können – und dabei den besonderen Naturmoment festhalten.

1. Richtige Belichtung beachten

In der Wildtierfotografie entscheidet das richtige Licht oft über die Wirkung des Bildes. Besonders stimmungsvoll wird es während der goldenen Stunde – den kurzen Phasen nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang. Das weiche, warme Licht dieser Zeit lässt Tiere besonders natürlich und ausdrucksstark wirken. Mit dem Smartphone, sollte man grelles Gegenlicht eher meiden, es sei denn, ein dramatischer Silhouetteneffekt ist gewünscht. Ideal ist Licht aus einem seitlichen oder leicht frontalen Winkel. Ein weiterer Vorteil dieser Tageszeiten ist die erhöhte Aktivität vieler Tierarten, insbesondere in den frühen Morgen- und späten Abendstunden.

Die Biene wird durch die untergehende Sonne in ein goldenes Licht getaucht.

2. Linse reinigen und Raster aktivieren

Bevor es mit dem Fotografieren losgehen kann, empfiehlt es sich, die Kameralinse auf Verschmutzungen zu prüfen. Ein kleiner Wisch mit einem Mikrofasertuch oder sauberen Shirt kann Wunder wirken. Es kann zudem hilfreich sein, die Rasterlinien in der Kamera-App zu aktivieren (iOS: Einstellungen > Kamera > Raster aktivieren; Android: Kamera > Einstellungen > Raster aktivieren). Das Raster teilt das Bild in zwei horizontale und zwei vertikale Linien und unterstützt so die Anwendung der sogenannten Drittelregel. Dieses Gestaltungsprinzip besagt, dass das Hauptmotiv entlang dieser Linien oder an ihren Schnittpunkten platziert werden sollte. Eine Positionierung ausserhalb der Bildmitte verleiht dem Foto oft mehr Dynamik und lässt Tieraufnahmen natürlicher und interessanter wirken.

Der Vorderteil der Nachtigal wurde entlang der Drittellinie platziert. Bild: © shifakaynat via Pixabay.

3. Portraitmodus verwenden

Viele aktuelle Smartphones verfügen über einen Porträtmodus, der sich besonders für Nahaufnahmen eignet. Er erzeugt eine geringe Tiefenschärfe, bei der das Hauptmotiv scharf abgebildet wird, während der Hintergrund weich verschwimmt (Bokeh-Effekt). Dadurch rückt das Tier als zentrales Bildelement in den Vordergrund, was den Aufnahmen eine fast professionelle Anmutung verleiht.

Entscheidend ist, dass die Augen des Tieres klar fokussiert sind, da sie den Blick des Betrachters am stärksten anziehen. Der Fokus lässt sich bei den meisten Geräten durch einfaches Antippen des gewünschten Bereichs auf dem Bildschirm setzen. Wichtig ist zudem der richtige Abstand zum Motiv, damit der Porträtmodus optimal arbeitet. In vielen Smartphones kann die Intensität der Hintergrundunschärfe manuell eingestellt oder auch nachträglich in der Bildbearbeitung angepasst werden, analog zur Blendenwahl in der klassischen Fotografie.

Kohlweissling fotografiert mit Portraitmodus.

4. Gehe auf Augenhöhe

In der Wildtierfotografie kann die Perspektive entscheidend sein – besonders Aufnahmen aus Augenhöhe des Motivs erzeugen Nähe und Authentizität. Diese Sichtweise lässt Details wie Fell- oder Federstruktur klarer hervortreten, reduziert störende Hintergründe und rückt das Tier stärker in den Vordergrund. Fotos wirken dadurch lebendiger und ausdrucksstärker als Aufnahmen von oben. Manchmal erfordert diese Technik, sich tief herunterzubeugen oder sogar auf den Boden zu legen – der Aufwand zahlt sich aber aus. Um Verwacklungen zu vermeiden, kann das Handy auch auf einem Ast oder Stein abgestützt werden.

Perspektivische Fotografie einer Erdhummel.

5. Zoomfunktion

Bei scheuen Wildtieren lässt sich der Abstand oft nicht verringern, ohne sie aufzuschrecken. In solchen Fällen ist der optische Zoom die bessere Wahl, da er den Bildausschnitt mechanisch, mittels einer Veränderung des Objektivs heranzoomt, ohne die Auflösung zu mindern. Der digitale Zoom hingegen berechnet fehlende Bildinformationen künstlich, was zu Qualitätsverlusten führt. Falls kein optischer Zoom verfügbar ist, ist es meist besser, auf das Zoomen zu verzichten und den Bildausschnitt später zuzuschneiden. Das iPhone 12 verfügt beispielsweise über einen zweifachen optischen und einen fünffachen digitalen Zoom.

6. Makromodus oder Lupe

Feine Strukturen wie Fell oder Federn wirken oft besonders eindrucksvoll, wenn sie aus nächster Nähe aufgenommen werden. Viele Smartphones verfügen über einen Makromodus, der speziell für solche Nahaufnahmen optimiert ist und automatisch aktiviert wird, sobald die Kamera sehr dicht an das Motiv herangeführt wird. Falls kein integrierter Makromodus vorhanden ist, können spezielle Makroaufsätze für Smartphones eine gute Alternative sein, um kleine Motivstrukturen gestochen scharf festzuhalten (siehe Bild). Diese können kostengünstig beispielsweise via Digitec Galaxus erworben werden.

7. Burst-Modus nutzen

Da Wildtiere selten lange stillhalten, erhöht eine Serienaufnahme die Chance, den perfekten Moment zu erwischen. Im Burst-Modus werden mehrere Bilder in schneller Folge aufgenommen, aus denen später das beste ausgewählt werden kann. Der Modus lässt sich bei iOS durch Ziehen des Kamera-Auslöseknopfs nach links aktivieren. Bei den meisten Android-Modellen genügt ein längeres Drücken des Auslösers. Als Alternative bieten Live-Fotos (iOS) oder ähnliche Android-Funktionen kurze Sequenzen vor und nach dem Auslöser, aus denen sich im Nachhinein das ideale Einzelbild wählen oder Effekte wie Langzeitbelichtung erstellen lassen.

8. Geduld wird belohnt

Wer Wildtiere fotografiert, arbeitet im Rhythmus der Natur – und dieser lässt sich nicht erzwingen. Erfolg hängt oft davon ab, Verhalten und Bewegungen der Tiere aufmerksam zu beobachten und im richtigen Moment bereit zu sein. Langsames, unauffälliges Annähern verhindert, dass Tiere aufgeschreckt werden. Hektische Bewegungen und laute Geräusche sollten vermieden werden. Bei kleinen Motiven wie Insekten ist zudem darauf zu achten, keinen Schatten auf sie zu werfen, da sie diesen als Gefahr wahrnehmen und flüchten.

Bei sonnigem Wetter sind Libellen untertags sehr schnell unterwegs.

9. Nachbearbeitungsprogramme

Auch wenn Smartphones bereits sehr gute Fotos liefern, ist die Nachbearbeitung oft entscheidend, um das volle Potenzial der Bilder auszuschöpfen – besonders bei Tieraufnahmen. Mit kostenlosen Apps wie beispielsweise Snapseed (iOS oder Android) lassen sich Belichtung, Kontrast und Farben gezielt und unkompliziert anpassen. Des Weiteren kann der Bildausschnitt optimiert und das Bild dezent geschärft werden, um Details besser hervorzuheben. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, die Bearbeitung nicht zu übertreiben, da zu starke Anpassungen schnell unnatürlich wirken und den Charme des Fotos mindern können.

10. Ethische Überlegungen

Beim Fotografieren von Wildtieren steht deren Wohlbefinden an erster Stelle. Deshalb sollte immer ein sicherer Abstand gewahrt, Blitzlicht und hektische Bewegungen vermieden werden. Wildtiere dürfen nicht mit Lockmitteln angelockt oder bedrängt werden, und Nester mit Jungtieren sollten auf keinen Fall gestört werden. Respekt vor der Natur und der Umgebung ist unerlässlich, um Tiere nicht zu gefährden und ihre natürlichen Verhaltensweisen zu schützen.

Fazit

Manche Tipps erfordern vielleicht etwas Übung, während andere sich sofort leicht umsetzen lassen. Es lohnt sich, einfach auszuprobieren und die verschiedenen Techniken in der Praxis zu testen. Wir freuen uns sehr, wenn du deine Erfahrungen mit uns teilst – schreibe gern in die Kommentare, welche Tipps dir besonders geholfen haben oder welche du noch ergänzen würdest, um noch beeindruckendere Wildtierfotos zu machen.

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