Die Schweiz zählt zu den artenreichsten Ländern Europas. Auf kleinem Raum vereinen sich alpine Höhenstufen, ausgedehnte Wälder, glitzernde Seen, Gletscher, wertvolle Moore und vieles mehr. Doch dieser Reichtum ist bedroht: Intensive Landnutzung, Stickstoffeinträge, Zersiedelung und der Klimawandel setzen der biologischen Vielfalt massiv zu.
Die Biodiversität in der Schweiz ist beeindruckend: Über 56’000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind bekannt, Fachleute schätzen die Zahl der unentdeckten Arten auf weitere 30’000. Mehr als 150 Arten kommen sogar nur in der Schweiz oder den unmittelbar angrenzenden Gebieten vor. Solche Arten werden als Endemiten bezeichnet. Diese Vielfalt ist das Ergebnis einer gebirgigen Topografie, unterschiedlichster Klimazonen auf engem Raum und einer jahrhundertelangen, kleinräumigen Bewirtschaftung. Doch dieser wertvolle Schatz ist in Gefahr. Der vorliegende Bericht der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) zeichnet ein differenziertes Bild: Während einzelne Arten zurückkehren und Schutzmassnahmen lokal wirken, steht die Biodiversität insgesamt weiterhin unter enormen Druck.
Was ist Biodiversität?
Biodiversität, oder auch biologische Vielfalt genannt, beschreibt die Vielfalt des Lebens auf der Erde in all ihren Formen. Dabei umfasst sie drei miteinander verbundene Ebenen:
- die Vielfalt der Lebensräume (Ökosysteme): Vielfalt der Lebensräume und Gemeinschaften, wie Wälder, Wiesen, Meere oder Flüsse, die verschiedene Arten beherbergen.
- die Vielfalt der Arten: Anzahl und Vielfalt der verschiedenen Tier-, Pflanzen- und Mikroorganismenarten in einem bestimmten Gebiet oder weltweit.
- sowie die genetische Vielfalt: Unterschiedliche Gene innerhalb einer Art, die helfen, Anpassungsfähigkeit und Überleben zu sichern.
In der Schweiz reicht die Palette der Lebensräume von alpinen Felslandschaften und Gletschern über verschiedene Waldtypen (Laub-, Misch- und Nadelwälder) bis zu Seen, Flüssen, Mooren und Trockenwiesen. Charakteristische und besonders wertvolle Lebensräume wie Hochmoore, Flachmoore, Auen, Amphibienlaichgebiete sowie Trockenwiesen und -weiden. Die wenigen Flächen, die von diesen Lebensräumen noch existieren, sind als Biotope von nationaler Bedeutung geschützt. Sie machen allerdings nur gerade 2,3 Prozent der Landesfläche aus, beherbergen aber einen wesentlichen Teil der einheimischen Artenvielfalt.

Warum ist Biodiversität wichtig?
Die Vielfalt der Lebewesen ist kein Luxus, sondern unsere Lebensversicherung. Gesunde, artenreiche Ökosysteme erbringen zentrale Leistungen, sogenannte Ökosystemleistungen, für uns Menschen. Wälder, Vegetation und intakte Böden filtern Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft, reinigen das Wasser und regulieren das Klima. Auen, Moore und Feuchtgebiete wirken als natürliche Schwämme: Sie speichern Wasser, mindern Hochwasserspitzen und tragen zur Grundwasserneubildung bei. 80 Prozent des Schweizer Trinkwassers stammen aus Grundwasser oder Quellen. Deren Qualität hängt direkt von naturnahen Lebensräumen im Einzugsgebiet ab.
Die Vielfalt der Bodenorganismen sorgt für Fruchtbarkeit, aktiviert und transportiert Nährstoffe, schützt Pflanzenwurzeln vor Krankheiten und verbessert die Wasserspeicherkapazität. Ohne gesunde Böden gibt es keine Landwirtschaft. Die Schweizer Bevölkerung pflegt eine enge Verbindung zur Natur. Die Menschen halten sich durchschnittlich an 192 Tagen im Jahr im Freien auf. Naturnahe Landschaften tragen nachweislich zur Stressreduktion und psychischen Gesundheit bei. Doch all diese Leistungen werden oft vergessen oder nicht wertgeschätzt. Viele wissen gar nicht, was die Natur für uns alles macht und dass ohne intakte Ökosysteme unser Überleben fast unmöglich wäre. Für den Grossteil der Bevölkerung ist der Eigenwert der Natur der wichtigste Grund für ihren Schutz. Lebensräume mit hoher Biodiversität sind stabiler, erholen sich nach Störungen schneller und sind besser an veränderte Bedingungen – etwa durch den Klimawandel – angepasst.
Ursachen der Biodiversitätsverluste
Trotz ihrer Bedeutung steht die Biodiversität in der Schweiz unter massivem Druck. Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig:
- Konsum, Produktion und Beschaffung: Der Umwelt-Fussabdruck der Schweiz übersteigt die ökologische Belastbarkeitsgrenze um das Dreifache und dies, obwohl die Pro-Kopf-Belastung zwischen 2000 und 2018 um 26 Prozent gesunken ist. Die Belastbarkeitsgrenze beschreibt, wie viel die Natur dauerhaft hergibt, also die Menge an Rohstoffen und Ökosystemleistungen, die einem Land zur Verfügung stehen, ohne dass die Umwelt langfristig Schaden nimmt. Gemessen wird diese Belastung unter anderem mit Umweltbelastungspunkten (UBP), einer Methode, die verschiedenste Umweltwirkungen wie Klimagase, Luftschadstoffe, Schwermetalle, Mikroplastik, Pflanzenschutzmittel, Energie- und Wasserverbrauch oder Übernutzung in einer Kennzahl zusammenfasst. So wird sichtbar, wo die Schweiz über ihre Verhältnisse lebt. Wohnen und Nahrungsmittel machen je etwa 25 Prozent des Fussabdrucks aus, gefolgt von Mobilität mit 14 Prozent. Hier sind alle gefragt: Haushalte, Unternehmen und die Verwaltungen. Alle können dazu beitragen, den Fussabdruck zu verkleinern. Nachhaltigere Konsum- und Produktionsmuster sind dringend nötig, doch auch die entsprechenden Rahmenbedingungen sind dringend nötig.
- Biodiversitätsschädigende Subventionen: Ein besonders widersprüchlicher Befund: Der Bund fördert mit Subventionen in Milliardenhöhe Aktivitäten, die der Biodiversität schaden. 2024 identifizierte der Bund direkte Subventionen von rund 12 Milliarden Franken, welche die Biodiversität mehr oder weniger stark beeinträchtigen. Dazu gehören intensive landwirtschaftliche Produktionsmethoden, bestimmte Strukturverbesserungen sowie touristische und energetische Infrastrukturen. Diese Gelder arbeiten klar gegen die nationalen Umwelt- und Biodiversitätsziele. Insgesamt wurden 152 Subventionen (inklusive Steuervergünstigungen und externer Kosten) mit biodiversitätsschädigender Wirkung erfasst. Die meisten dieser Subventionen gehen auf die Sektoren Landwirtschaft (39), Verkehr (34), Siedlung (27) und Energieproduktion (25). Besonders problematisch: 22 Subventionen im Verkehrssektor, 15 in der Landwirtschaft und 12 im Energiebereich gelten als «vollständig biodiversitätsschädigend». Die Auflistung ist jedoch nicht vollständig, denn Kantone und Gemeinden wurden nicht systematisch untersucht. Sie fliessen nur dann ein, wenn sie in (fast) allen Kantonen oder Gemeinden bestehen (etwa kantonale Steuersubventionen für Wohneigentum oder kommunale Subventionen für die Abwasserentsorgung).
- Klimawandel: Die Jahresdurchschnittstemperatur ist in der Schweiz bereits um 2,8 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten gestiegen. Das ist mehr als doppelt so stark wie der globale Durchschnitt (1,3 Grad). Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel «So stark trifft der Klimawandel die Schweiz». Diese Erwärmung zwingt Arten zur Anpassung oder Wanderung in höhere Lagen. Besonders problematisch: Viele Arten können nicht schnell genug ausweichen, weil geeignete Lebensräume fehlen oder zu isoliert sind. Frühere Frühlinge und spätere Herbste führen zudem zur Entkopplung ökologischer Beziehungen, wie etwa zwischen Bestäubern und Blühzeiten.
- Stickstoffeinträge: Stickstoff aus der Luft belastet fast flächendeckend empfindliche Lebensräume. Der Stickstoff stammte zu rund 70 Prozent aus der Landwirtschaft (v.a. Tierhaltung), aber auch aus Verkehr und Industrie. Die kritischen Belastungsgrenzen, also jene Menge Stickstoff, die ein Ökosystem langfristig verkraftet, ohne Schaden zu nehmen, werden in der Schweiz flächendeckend überschritten. 2020 wurden auf 87 Prozent der Waldfläche, 94 Prozent der Hochmoorfläche, 74 Prozent der Flachmoorfläche und 42 Prozent der Trockenwiesen und -weiden dieser Grenzwert überschritten. Die Folge: Nährstoffliebende, konkurrenzstarke Arten breiten sich aus und verdrängen spezialisierte Arten nährstoffarmer Standorte. Die Artenvielfalt nimmt ab, die Lebensgemeinschaften werden einheitlicher.
- Gebietsfremde Arten: Über 1’300 gebietsfremde Arten, sogenannte Neobiota, sind in der Schweiz inzwischen etabliert, Tendenz stark steigend. Davon 430 Tiere, 730 Pflanzen, 145 Pilze. Rund 200 davon gelten als invasiv, das heisst, sie gefährden die einheimische Biodiversität, verursachen wirtschaftliche Schäden oder gesundheitliche Probleme. Ihre Ausbreitung wird durch den globalen Handel und den Klimawandel begünstigt.
- Lichtverschmutzung: Die künstliche Beleuchtung hat in der Schweiz zwischen 1994 und 2020 um mehr als das Doppelte zugenommen. Auf 10 bis 15 Prozent der Landesfläche sind landlebende Tiere potenziell von ökologisch relevanter Lichtverschmutzung betroffen. Bereits geringe Lichtmengen stören den Tag-Nacht-Rhythmus, beeinträchtigen Nahrungssuche und Fortpflanzung und verändern Räuber-Beute-Beziehungen sowie Bestäubungsprozesse.
- Landschaftszerschneidung: Neue Strassen, Eisenbahnlinien und Siedlungen zerschneiden einst zusammenhängende Lebensräume. Dieser starke Zunahme der Zerstückelung hält weiterhin an: Allein zwischen 2014 und 2020 hat sich die durchschnittliche Maschenweite, also die Grösse zusammenhängenden Flächen, um weitere 7 Prozent verringert. Im dicht besiedelten Mittelland beträgt sie nur noch 2,7 Quadratkilometer. Doch auch in den Tallagen der Alpen ist die Landschaft vielerorts ähnlich stark fragmentiert. Diese Fragmentierung führt zu isolierten, kleinen Populationen, behindert den genetischen Austausch und stört saisonale Wanderungen, etwa von Amphibien und Säugetieren. Neben der Zerschneidung grosser Lebensräume führt der Verlust von kleinräumigen Strukturen wie Hecken, Totholz und Steinhaufen zu einem Rückgang wichtiger Nischen und Lebensräume für viele Arten.
Entwicklung in der Schweiz
Die Biodiversität in der Schweiz entwickelt sich zweigeteilt: Einerseits nehmen einige häufige, wärmeliebende und mobile Arten zu, andererseits gehen viele spezialisierte Arten weiter zurück.
Bei den Tagfaltern beispielsweise steigen die Bestände wärmeliebender und mobiler Arten, während kälteliebende Arten und solche nährstoffarmer Standorte abnehmen. Der Gesamtindex über alle Arten zeigt keine Veränderung. Ein trügerischer Befund, denn darunter verbergen sich gegenläufige Trends. Ähnlich bei den Vögeln: Saatkrähe und Rotmilan nehmen zu, doch viele bodenbrütende Vogelarten des Kulturlands, die einst Charakterarten unserer Agrarlandschaft waren, sind auf tiefem Niveau oder verschwinden ganz. Arten, die bereits ausgestorben sind (wie der Rotkopfwürger, der Ortolan oder das Rebhuhn in weiten Teilen), tauchen in den Statistiken auch nicht mehr auf.

Besorgniserregend ist die zunehmende Ähnlichkeit der Artengemeinschaften. Bei Pflanzen, Tagfaltern und Brutvögeln gleichen sich die Artenzusammensetzungen in verschiedenen Landschaften immer mehr an, denn die Vielfalt zwischen den Lebensräumen nimmt ab. Ursachen sind der Verlust von Spezialisten, die Ausbreitung häufiger Arten sowie die flächendeckende Stickstoffbelastung und der Klimawandel.
Eine Erfolgsgeschichte ist die Wiederkehr grosser Säugetiere: Nachdem sie ausgerottet waren, haben sich Wolf, Luchs, verschiedene Huftiere, Biber und Fischotter wieder angesiedelt. Heute stehen sie jedoch vor neuen Herausforderungen: Lebensraumzerschneidung, Wilderei, legale Abschüsse (beim Wolf), geringe genetische Vielfalt (der Luchsbestand geht auf wenige Gründertiere zurück) und neue Freizeitaktivitäten setzen den Populationen zu.
Die wertvollsten Lebensräume zeigen unterschiedliche Entwicklungen. Bei den Trockenwiesen und -weiden gibt es positive Trends dank angepasster Pflege. Bei den Hochmooren hingegen schreitet die Austrocknung weiter voran: Innerhalb von nur sechs Jahren hat sich die Fläche typischer Hochmoorlebensräume um 6,5 Prozent (72 Hektaren) reduziert. Die Schutzbemühungen zeigen also lokal Wirkung, reichen aber bei weitem nicht aus, um die Biotope in ihrer ökologischen Qualität dauerhaft zu erhalten.
Zukunft: Wie weiter für eine biodiverse Schweiz?
Was ist zu tun, um die Biodiversität in der Schweiz zu bewahren? Der Bericht nennt zentrale Handlungsfelder:
- Globale Verantwortung wahrnehmen: Als internationaler Finanz- und Handelsplatz trägt die Schweiz Mitverantwortung für Biodiversitätsverluste im Ausland. Biodiversität muss in Handelsabkommen, Lieferkettengesetze und Finanzmarktregulierungen einfliessen. Gleichzeitig kann die Entwicklungszusammenarbeit Programme fördern, die ökologische und soziale Ziele verbinden.
- Biodiversitätsschädigende Subventionen umbauen: Die 12 Milliarden Franken an direkten Subventionen mit negativen Biodiversitätswirkungen müssen umgestaltet oder abgeschafft werden. Dies ist politisch heikel, aber unumgänglich.
- Wahre Umweltkosten einpreisen: Wer Natur zerstört, verursacht Kosten. Doch bezahlen muss diese bislang die Allgemeinheit, nicht die Verursacher. Damit sich ökologisches Wirtschaften endlich lohnt, müssen die versteckten Kosten des Biodiversitätsverlusts konsequent in unsere Wirtschafts- und Steuersysteme eingebaut werden. Bisher werden lebenswichtige Güter wie saubere Luft, fruchtbare Böden oder intakte Ökosysteme behandelt, als ob sie unbegrenzt und kostenlos verfügbar wären. Mit verheerenden Folgen: Sie werden übernutzt, verschmutzt und unwiederbringlich zerstört. Dabei gibt es längst ausgefeilte Methoden, um den tatsächlichen Wert der Natur wirtschaftlich zu beziffern. Internationale Initiativen wie die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures zeigen Unternehmen und Finanzinstituten, wie sie ihre Abhängigkeiten von der Natur, ihre Risiken und ihre Chancen erkennen, offenlegen und danach handeln können. Wer die Natur schützt, investiert in unsere Zukunft, was sich auch in der Sprache der Wirtschaft widerspiegeln muss.
- Ökologische Infrastruktur aufbauen: Die Schweiz braucht ein landesweites Netzwerk aus geschützten und vernetzten Lebensräumen. Das internationale Ziel (Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework) fordert, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Landflächen wirkungsvoll zu sichern. Dazu gehören sowohl klassische Schutzgebiete als auch biodiversitätsfreundlich bewirtschaftete Flächen. Entscheidend sind zwei Prinzipien: Erstens eine schonende, biodiversitätsfreundliche Nutzung von Lebensräumen in Kulturlandschaften. Zweitens das Zulassen natürlicher Dynamik dort, wo Arten und Lebensräume darauf angewiesen sind. Zum Beispiel durch ungestörte Abfluss- und Geschiebeprozesse an Gewässern, Alt- und Totholz im Wald oder freie Wanderkorridore für Tiere. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist dies zentral, denn Widerstandskraft entsteht dort, wo die Natur sich entfalten kann. Wichtig sind zudem nährstoffarme Gebiete und Gewässer sowie Räume, die der Mensch der Natur überlässt.
- Mehr Wasser in der Landschaft halten: Schwammstadt und Schwammland-Konzepte gewinnen an Bedeutung. Wiederhergestellte Moore, Auen und Feuchtgebiete speichern Wasser, kühlen das Lokalklima, mindern Hochwasser und bieten Lebensraum. Sanierungsbedürftige Drainagen in der Landwirtschaft sollten kritisch hinterfragt werden: Wo ist eine Sanierung nötig, wo wäre eine Aufgabe zugunsten der Wasserspeicherung sinnvoller?
- Haushälterisch mit Boden umgehen: Der schonende Umgang mit Boden muss oberste Priorität in der kantonalen und kommunalen Raumplanung sein. Neue Siedlungs- und Infrastrukturvorhaben sind flächen- und energiesparend auszurichten, um den Druck auf natürliche Lebensräume zu reduzieren. Jeder Quadratmeter zählt, denn mit jeder verbauten Fläche geht ein Lebensraum für immer verloren.
- Energiewende: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist zentral für den Klimaschutz, darf aber nicht zulasten der Biodiversität gehen. Dazu gehören die frühzeitige Identifikation von Vorranggebieten für die Natur sowie verbindliche ökologische Standards bei Planung, Bau und Betrieb. Und: Energieeffizienz und -suffizienz müssen Vorrang haben, um den Druck auf die Landschaft zu reduzieren.
- Bewusstsein schärfen und Menschen einbinden: Die Förderung der Biodiversität ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung ist gespalten, viele unterschätzen den Rückgang vor der eigenen Haustür, und die politische Polarisierung nimmt enorm zu. Es braucht neue, positive Narrative, die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen ansprechen. Zugleich müssen Beteiligungsprozesse entwickelt werden, die Verständnis und Akzeptanz für Schutzmassnahmen schaffen. Nur so kann die Natur die Wertschätzung bekommen, die sie verdient.
- Pioniere des Wandels stärken: Hinter erfolgreichen Projekten stehen engagierte Menschen: Landwirte, Förster, Gemeindemitarbeitende, Fachexperten. Sie brauchen nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch unkomplizierte Unterstützung, fachliche Begleitung und Handlungsfreiräume.
Die Biodiversität in der Schweiz ist verletzlich, aber nicht verloren. Die wissenschaftlichen Grundlagen sind bekannt, die Instrumente vorhanden. Entscheidend ist nun der politische Wille, diese Instrumente konsequent einzusetzen, Subventionen umzulenken und Biodiversität als Querschnittsaufgabe aller Politikbereiche zu verstehen. Denn Biodiversität ist kein Luxus, sondern die Grundlage unserer Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität.
- Dieser Artikel basiert auf dem Bericht «Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten» der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), Swiss Academies Reports Vol. 21, Nr. 1, 2026, insbesondere Kapitel 3 «Biodiversität in der Schweiz».
- News-Artikel: SCNAT-Bericht: Alarmierender Handlungsbedarf bei der Biodiversität




