Unterboden ist unbekannt, unterschätzt, häufig unverwertet und gleichzeitig heiss begehrt. Er ist eine Bodenschicht mit widersprüchlichem Dasein. Höchste Zeit sich näher mit ihm zu befassen. Tobias Pfenninger stellt den wertvollen Unterboden vor.
Text von Tobias Pfenninger im Artikel aus der Zürcher Umweltpraxis (ZUP, Ausgabe Nr. 113)
Im Kanton Zürich werden jährlich rund 800’000 Kubikmeter Boden abgetragen. Davon werden rund 60 Prozent vor Ort, in Bodenrekultivierungen oder in Boden aufwertungen verwertet. Rund 10 Prozent werden aufgrund von Belastungen abgelagert und für rund 30 Prozent ist die Verwertung ungeklärt.

Zu viel Unterboden deponiert statt verwertet
Für den Oberbodenanteil des abgetrage nen Bodens, bei dem die Verwertungswege nicht bekannt sind, kann davon ausgegangen werden, dass er als Boden beispielsweise in Hausgärten im Gartenbau oder im Siedlungsraum verwertet wird. Für den Unterboden-anteil ist die Annahme plausibel, dass dieser teilweise in Deponien oder Kiesgruben abgelagert statt verwertet wird.
Was sind die Gründe dafür? Aufbauend auf den Ergebnissen der 2023 durchge führten Situationsanalyse zum Thema Bodenverwertung, die in der ZUP109 vorgestellt wurde, ist die Fachstelle Bodenschutz dieser Frage nachgegangen.
Oft nicht erkannt – oder schlicht verwechselt
Der Unterboden wird oft nicht als solcher erkannt und mit seinem unterliegenden Nachbarn, dem nicht pflanzenverfügbaren Untergrund, verwechselt. Während der Oberboden oder Humus auf Baustellen meist eindeutig identifiziert und entsprechend sorgfältig behandelt wird, bleibt der Unterboden oft unbeachtet. Der mangelnde Bekanntheitsgrad hat Folgen. Beim Bauen auf der grünen Wiese wird der Unterboden häufig zusammen mit dem Untergrund abgetragen, vermischt und als Aushub entsorgt – obwohl er ein vollwertiger, verwertungspflichtiger Bestandteil des Bodens ist.
Wie man ihn erkennt
Der Unterboden, in der Fachsprache auch «B-Horizont» genannt, bezeichnet die unter dem Oberboden oder Humus liegende Bodenschicht (Abbildung oben). Umgangs sprachlich kursieren auch Bezeichnungen wie «zweiter Stich» oder «Roterde». Unterboden ist meist heller gefärbt, schwächer durchwurzelt und weniger belebt als sein obenliegender Nachbar, der Oberboden. Dennoch erfüllt er zentrale Funktionen: Er bietet Wurzelraum, speichert Wasser und Nähstoffe, übernimmt Filterfunktionen und dient als Lebensraum.
Sobald unter dem dunkleren Oberboden eine meist rotbräunliche, durchwurzelte Schicht zum Vorschein kommt, wird Bekanntschaft mit dem Unterboden gemacht. Über den Daumen gepeilt gilt für natürlich gewachsene Böden im Kanton Zürich: Nach rund 20 Zentimetern Oberboden folgt in der Regel ein etwa 50 Zentimeter mächtiger Unterboden.

Wie man mit ihm umgeht
«Halt, stopp! Ich gehöre auch zum Boden!», hätte so mancher Unterboden wohl schon geschrien, bevor er vermischt oder abgelagert wurde. Und tatsächlich: Unterboden ist Boden, und so sollte er auch behandelt werden.
Der Unterboden verdient genau dieselbe, sorgfältige Behandlung wie sein obenliegender Nachbar. Er soll getrennt ausgehoben, zwischengelagert und wieder als Boden verwendet werden (Art. 18 VVEA). Vor jeder Bautätigkeit auf grüner Wiese sollte darum wenn möglich durch eine bodenkundliche Fachperson (Liste unter: www.soil.ch) mit Sondierbohrungen abgeklärt werden, ob Unterboden vorhanden ist. Falls ja, ist seine Verwertung frühzeitig einzuplanen und gegenüber der örtlichen Baubehörde zu deklarieren (Deklarationsformular auf: www.zh.ch/bodenschutz). Für die Bauphase muss ein schichtgerechter Abtrag und eine saubere Triage eingeplant werden.
Wohin mit dem Unterboden?
Eine sinnvolle Verwertung von Boden ist mit Aufwand verbunden und erfordert Engagement. Sie gehört aber zu einer umweltbewussten Planung. Am naheliegendsten ist die Verwertung vor Ort. Wenn dies nicht möglich ist, stehen im Kanton Zürich verschiedene Unternehmen zur Verfügung, die sich auf landwirtschaftliche Bodenaufwertungen spezialisiert haben. Bei solchen Bodenaufwertungsprojekten ist geeigneter Unterboden ein sehr begehrtes Gut.
Auch im städtischen Raum eröffnen sich mit dem aufkommenden Konzept der Schwammstadt zunehmend neue Möglichkeiten für die Verwertung von Unterboden.
Begehrt und schnell vermittelt
Wird der Unterboden erkannt, in der Planung berücksichtigt und schichtgerecht abgetragen, ist er begehrt und überschüssige Bodenmengen sind – beispielsweise über die Schweizer Bodenbörse – schnell und sinnvoll vermittelbar (www.topsoil.ch). Am Verwertungsort aufgetragen, kann er dann wieder vollumfänglich seinen Beitrag zu den ökologischen Funktionen des Bodens leisten. Dabei geht es besonders um seine Regulierungs-, Lebensraum- oder Produktionsfunktion.






