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Hilfe für hungrige Nützlinge im Feld

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Die in der Landwirtschaft so wichtigen Bestäuber und Nützlinge erhalten einen Grossteil ihrer Nahrung von Wildpflanzen. In den landwirtschaftlichen Kulturen finden diese Insekten darum nur zeitweise genügend Nahrung. Den Rest des Jahrs sind sie auf Hilfe angewiesen.

Text von Matthias Albrecht und Felix Herzog, Agroscope Zürich, Artikel aus der «Zürcher Umweltpraxis» (ZUP, Ausgabe Nr. 95)

Ganz von selbst machen sich viele Insekten in Feld und Kulturen nützlich. Die Landwirtschaft profitiert von ihrer Arbeit. Diese ist aber nicht ohne weiteres garantiert.

Wildbienen: Vom Schlaraffenland in die Wüste

Wildbienen helfen mit, die landwirtschaftlichen Kulturen zu bestäuben und tragen so in vielen Kulturen zu einer reichen Ernte bei. Doch Nutzpflanzen blühen nicht das ganze Jahr hindurch: Rapsfelder etwa sind für Bestäuber abgesehen von einzelnen Wochen während der Blüte «Wüsten». Dann benötigen Wildbienen andere Nahrungsquellen.

Vegane Florfliegen

Dies gilt auch für andere Nützlinge. Marienkäfer und Florfliegen zum Beispiel sind dafür bekannt, dass sie Schädlinge fressen. In gewissen Lebensabschnitten jedoch leben sie teilweise «vegan». Nur die Larven von Florfliegen machen als gefrässige Räuber Jagd auf Blattläuse und andere Schädlinge, die erwachsenen Insekten sind dagegen auf Nektar und Pollen von Blütenpflanzen angewiesen. Auch bei den meisten erwachsenen Marienkäfern sind Pollen und Nektar eine wichtige Ergänzung zur tierischen Nahrung.

Damit Landwirtinnen und Landwirte von der natürlichen Schädlingsbekämpfung profitieren können, brauchen die erwachsenen Nützlinge geeignete Futterpflanzen. Nur so können diese zu einer nächsten Generation von gefrässigen Larven beitragen.

Florfliegenlarven_Braendle
Florfliegenlarven sind nützlich. Sie vertilgen Schädlinge. ©Gabriela Brändle, Agroscope
Florfliege_Waldburger
Erwachsene Florfliegen leben jedoch vegan und sind im Frühjahr auf Pollen von Bäumen angewiesen, die als erste blühen. ©Mario Waldburger, Agroscope

Im Frühling Bäume, im Sommer Blumen

Doch welche anderen Nahrungsquellen sind wichtig? Und wann genau werden sie von Bestäubern und Nützlingen aufgesucht?

Fachleute von Agroscope, den Universitäten Bern und Koblenz-Landau sowie dem Nationalen Institut für Agronomieforschung, Frankreich (INRA), zeigten erstmals detailliert auf, welche Blütenpflanzen Wildbienen und Nützlinge im Jahresverlauf als Nahrungsquelle nutzen.

Im Frühling brauchen sie vor allem blühende Bäume, etwa Ahorn, Eiche, Weide und Wildkirsche. Im Sommer sind blütenreiche Wiesen begehrt.

Naturnahe Lebensräume gesucht

Die Insekten nutzen gemäss der Studie hauptsächlich die Blüten von Pflanzen aus Biodiversitätsförderflächen. Ausserdem finden sie ihre Nahrung aus halbnatürlichen Habitaten und ökologisch wertvollen Flächen wie extensiv genutzten Wiesen, Hecken, Blühstreifen und Säumen. Säume sind schmale Bereiche zwischen zwei Lebensraumtypen, etwa Stauden zwischen Wald und Wiese.

Aus den genannten Gründen erstaunt es nicht, dass rund zwei Drittel des Pollens in der Nahrung von Wildbienen und Nützlingen von Wildpflanzen stammt.

Wildbiene_kuhnmi
Wildbienen sind effiziente Bestäuber und darum wichtig für die Landwirtschaft. ©kuhnmi, [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Das ganze Jahr über fressen

Damit Wildbienen und Nützlinge das ganze Jahr über Nahrung finden, sind sie auf eine hohe Vielfalt verschiedener blütenreicher Lebensräume angewiesen. Diese müssen innerhalb der Agrarlandschaften liegen und zu verschiedenen Zeiten blühen.

Nur so können die Tiere wertvolle Leistungen – Bestäubung und Schädlingsbekämpfung – für die Landwirtinnen und Landwirte erbringen. Die Studie liefert die Grundlagen, um die Agrarlandschaften entsprechend zu gestalten.

Mauerbiene_Eckerter
Eine Mauerbiene (Osmia bicornis) setzt Pollen in eine Zelle ihres Nests ab. Auch sie bestäubt landwirtschaftliche Kulturen. ©Philipp Eckerter, Universität Koblenz-Landau

Einfache Massnahmen mit grossem Resultat

Landwirte können dazu beitragen, dass der Tisch für ihre Nützlinge das ganze Jahr über reichhaltig gedeckt ist. Dazu sollten sie:

  • Hecken und blühende Baumarten fördern, besonders Ahorn, Eiche, Weide und Wildkirsche.
  • Extensiv genutzte Wiesen als Insektenweide nutzen und mit Rückzugsstreifen bewirtschaften.
  • Blühstreifen, Brachen und Säume erhalten und neu schaffen. Diese können auch am Rand von Ackerflächen und Wegen liegen. Brachen sollten am besten gar nicht gemäht werden. Zumindest ist aber die Samenbildung abzuwarten.
  • Biodiversitätsförderflächen an sinnvollen Orten platzieren und für Direktzahlungsbeiträge und -programme anmelden.


4 Kommentare

  1. Ich bin Naturnaher Gärtner,und arbeite dem entsprechend…doch wenn ich der Goldküste entlang fahre sehe ich Wüsten von Buchs und Kirschlorbeer Horchen die Golfrasen Wüsten umzäunen….das hat sich in den letzen Jahren verschlimmert.Jede abgerissene alte Villa die vielleicht noch ein Blumenrasen hatte ist in ein hight Tech Komplex verwandelt worden.Am meisten biodiversität gab’s in der Bauphase,rund um den Installations und Depodplatz.Mit Freiwilligkeit endert endert man nix
    Es kann nur mit Auflagen und Regulierungen gehen….es geht ja auch um Heimatschutz,wie beim Militär oder?Der Artikel ist gut wie alle die sich mit den Thema beschäftigen……aber wie gesagt Naturschutz sollte obligatorisch sein, wie Verkehrsregeln und Schulpflicht.

  2. Schön dass es auch noch naturnahe Gärtner gibt!
    Leider ist es weit davon entfernt mit diesen heutigen Hauswartservice. Die haken einfach alles klein im Herbst, so dass im Frühjahr die – eigentlich blühenden – Büsche sich zuerst erholen müssen um dann später doch noch wenige Blüten hervor bringen zu können d.h. die Blütenpracht fällt aus.
    Und ja Naturschutz sollte obligatorisch sein. Und Kurse wie man einen Garten naturnah unterhält sollten es auch sein.

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