Start Hintergrund Wissen Der Goldschakal - Vormarsch auf leisen Pfoten

Der Goldschakal – Vormarsch auf leisen Pfoten

Heimlich und lautlos breitet sich der Goldschakal aus. Ursprünglich aus Südosteuropa stammend, dringt der wolfsähnliche Hund nach Westeuropa vor und wird sich vielleicht bald auch in der Schweiz ansiedeln. Bereits 2011 wurde der erste Goldschakal auf der Durchreise in den Kantonen Freiburg und Bern beobachtet. Seither mehren sich die Sichtungen.

Als 2011 der erste Goldschakal im Rahmen eines Luchsmonitorings in der Schweiz nachgewiesen wurde, war die Überraschung gross. Seither aber haben die Sichtungen zugenommen und es besteht die Chance, dass sich der goldene Wildhund bald in der Schweiz niederlässt. Wie Luchs, Wolf und Bär steht hierzulande auch der Goldschakal unter Schutz.

Der Goldschakal in der Schweiz

Ende 2011 konnte in der Schweiz erstmals ein Goldschakal nachgewiesen werden. Ab 2015 gab es jährlich vereinzelte Sichtungen in der ganzen Schweiz – Tendenz steigend. Bis jetzt handelt es sich bei den gesichteten Tieren vermutlich um Durchreisende. Das Beispiel Österreich zeigt aber, dass sich der Goldschakal auch in der Schweiz heimisch fühlen könnte. In unserem Nachbarland wurde 1987 erstmals ein Goldschakal nachgewiesen und 20 Jahre später die erste Reproduktion gemeldet. Heute verzeichnet Österreich über das ganze Land verteilt zehn Areale, in denen sich Goldschakal-Familien aufhalten. Auch in Deutschland konnte 2021 der erste Nachwuchs dokumentiert werden.

Die Ausbreitung der Goldschakale in Westeuropa wird begünstigt durch die Klimaveränderung, ihre Anpassungsfähigkeit und den Rückgang der Wolfspopulationen. Von Halbwüsten über Wälder bis hin zu Agrarlandschaften und Feuchtgebieten – der nachtaktive Wildhund fühlt sich vielerorts wohl. Und die hierzulande zunehmend heissen Sommer und schneearmen Winter stellen optimale Bedingungen dar für den Goldschakal. Aus klimatischen Gründen dürften gemäss der Gruppe Wolf Schweiz insbesondere das Mittelland und das Tessin interessant sein für den Wildhund. Aber nicht nur das Klima, sondern auch das Vorhandensein von Wölfen ist ein entscheidender Faktor dafür, ob sich der Goldschakal irgendwo niederlässt. Im Normalfall nämlich meidet er seinen nächsten Verwandten oder wird von diesem vertrieben. Deshalb bleibt abzuwarten, ob sich die Goldschakale auch hierzulande breitmachen.

Da sich der Goldschakal auf natürliche Weise und nicht durch Mithilfe des Menschen in ganz Westeuropa ausbreitet, zählt er in der Schweiz nicht zu den Neozoen. Ursprünglich stammt der Wildhund zwar aus weiten Teilen Arabiens und Indiens, dem Nahen Osten, der Türkei und Südeuropa, vermag es allerdings seinen Verbreitungsraum aus eigener Kraft immer weiter nach Norden auszudehnen. Gesetzlich zählt er daher zu den einheimischen Tierarten.

Gefahr für Nutztiere?

Bei manch einem könnten bei der Vorstellung von Goldschakalen in der Schweiz die Alarmglocken läuten. Noch ein Jäger, der heimlich umherzieht, Schafe reisst und immensen Schaden in der Nutztierhaltung anrichtet? Die Bedenken sind durchaus berechtigt, denn wie alle Hundeartigen ist auch der Goldschakal in erster Linie ein Raubtier. Allerdings hängt seine Ernährungsweise stark davon ab, was ihm zur Verfügung steht. Denn der Wildhund ist ein klassischer Opportunist und passt seine Nahrung an die Gegebenheiten an. Dabei ist er auch nicht zimperlich: Von kleinen Säugetieren, Amphibien, Insekten, Fischen, Aas und Schlachtabfällen bis hin zu vegetarischen Alternativen wie Früchte, Pflanzenknollen oder Mais – der Goldschakal ist leicht zufriedenzustellen. Und auch vor Rehen und jungen Wildschweinen macht der Wildhund nicht Halt, wenn er in der Gruppe unterwegs ist.

Auch wenn immer wieder entsprechende Befürchtungen auftauchen, ist der Übergriff auf Nutztiere bei Goldschakalen die grosse Ausnahme. Deutschland vermeldete bisher gerade mal drei Fälle, in denen einzelne Schafe von Goldschakalen verletzt, jedoch nicht getötet wurden. In Österreich gab es vereinzelte Risse. Wie sich die Verbreitung der Goldschakale in Westeuropa aber effektiv auf Nutztiere, Rotwild und andere Tiere im Ökosystem auswirkt, wird aktuell in Österreich erforscht. So liegt beispielsweise nahe, dass auch der Fuchs die Anwesenheit von dem ihm körperlich überlegenen Goldschakal zu spüren bekommen wird.

Weder Fuchs noch Wolf

Den Goldschakal kann man aus der Ferne leicht mit einem Fuchs oder einem Wolf verwechseln. Insbesondere dem Wolf gleicht er wie ein Ei dem anderen und auch akustisch sind sich die beiden Arten ähnlich. Tatsächlich ist der Goldschakal sehr eng mit dem Wolf verwandt, hat jedoch eine feinere Schnauze, einen schmaleren Körperbau und ist allgemein deutlich kleiner. Seine Körpergrösse liegt mit einer Schulterhöhe von weniger als 50cm näher an derjenigen des Fuchses. Im Vergleich zum Fuchs hat der Goldschakal aber längere Beine und einen kürzeren Schwanz. Das Fell des Goldschakals ist im Normalfall goldgelb bis rostbraun gefärbt. Die Fellfarbe variiert jedoch von Region zu Region. So haben Goldschakale, die in den Bergen leben, ein eher graues Fell. Die Schnauze, Kehle und Brust der Tiere weisen meist eine weisse Färbung auf. Goldschakale sind sowohl alleine, als auch in Paaren oder kleinen Familienrudeln unterwegs. Das Sozialsystem der Tiere ist flexibel, aber in einer Partnerschaft bleiben sie sich ein Leben lang treu.

Schädling oder Gott?

In einigen Ländern werden Goldschakale gejagt. Einerseits weil sie als unreine, feige Aasfresser und Schädlinge gelten und andererseits ihres Fleisches und ihrer Felle wegen. Überdies spielen sie eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Tollwut, da sie immer wieder in Kontakt mit streunenden Hunden kommen. Im alten Ägypten jedoch wurde der Schakal verehrt. Er gab nämlich Anubis, dem Gott der Toten und dem Wächter der Gräber, eine Gestalt. Auf dem menschlichen Körper der Gottheit thront der Kopf eines Schakals. Um den Goldschakal ranken sich allgemein viele Mythen und Legenden. Denn bis heute ist nicht geklärt, wie der Schakal seinen Weg von Afrika nach Europa fand.  

Der Gott der Toten, Anubis, mit Menschenkörper und Schakalkopf.

Quellen

Gruppe Wolf Schweiz: https://www.gruppe-wolf.ch/Goldschakal.htm

Hackländer K., Hatlauf J., Kunz F., Zimmermann F. (2018). Goldschakale in Europa und in der Schweiz in: Schweizer Jäger (09/18).

KORA: https://kora.ch/arten/goldschakal/portrait/

Seynsche, M. (20. Mai 2019). Deutschlandfunk: Goldschakale breiten sich in Europa aus.

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