Sie sind nackt, glitschig und meistens unsichtbar. Und dennoch: Kein anderes Tier ist für die Fruchtbarkeit unserer Böden so wichtig wie der Regenwurm. Am 15. Februar ist Tag des Regenwurms – ein perfekter Anlass, um den stillen Arbeiter im Untergrund gebührend zu feiern und seine erstaunlichen Fähigkeiten zu beleuchten.
Adaptierte Fassung eines Textes von Naturschutzbund Österreich
Der Regenwurm als Multitalent
Regenwürmer sind – den Boden betreffend – wahre Multitalente: Durch ihre Grabtätigkeit lockern sie verdichtete Erde auf. Sie legen dabei äusserst feine, weit verzweigte Röhrensysteme an. In einem Kubikmeter Boden können diese Gänge, wenn man sie zusammenrechnet, bis zu 1’100 Meter lang sein. Die Röhren verbessern die Durchlüftung und damit auch die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern. So kann Regen viel besser versickern, Staunässe wird reduziert und Pflanzenwurzeln erhalten leichter Zugang zu Wasser und Nährstoffen. Gleichzeitig verzehren Regenwürmer abgestorbenes Pflanzenmaterial und scheiden es als wertvollen Wurmhumus, einen besonders nährstoffreichen Dünger, wieder aus. Auch fressen sie eine Vielzahl an Mikroorganismen und können so effektiv Krankheitserreger dezimieren. Böden mit aktiven Regenwurmpopulationen sind weitaus gesünder und dadurch auch viel widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Erosion und Nährstoffverluste.
Die Bodengesundheit und die Anzahl Regenwürmer bedingen einander dabei gegenseitig: In einer extensiv genutzten Weide können sich über das Fünffache mehr Regenwürmer tummeln als in einem intensiv genutzten Acker. Entscheidend sind neben der Bewirtschaftungsweise auch der pH-Wert, die Bodenzusammensetzung und zunehmend die Belastung mit Mikroplastik. Mikroplastik verändert nicht nur das Mikrobiom im Boden, sondern wird auch von den Würmern aufgenommen, schädigt ihren Verdauungstrakt und stört die Nahrungsaufnahme. Ein gesunder Boden ist also nicht nur für die Pflanzen wichtig, sondern direkt überlebenswichtig für unsere fleissigen Helfer.
Die Biologie des Regenwurms
Regenwürmer sind, ähnlich wie viele Gartenschnecken, Zwitterwesen: Sie besitzen männliche und weibliche Geschlechtsteile und vermehren sich durch gegenseitige Befruchtung. Sie bestehen aus vielen Segmenten und besitzen einen auffälligen Gürtel, der ihre Geschlechtsreife anzeigt. Entgegen dem verbreiteten Mythos entstehen aus zerteilten Regenwürmern keine zwei Tiere: Es überlebt nur der Vorderteil. Der Hinterteil bewegt sich ähnlich wie bei Eidechsen lediglich noch wenige Minuten und lenkt damit Fressfeinde vom Vorderteil ab. Regenwürmer haben zwar keine Augen, können aber durch Sehzellen in der Haut hell und dunkel unterscheiden. Sie nehmen ihre Umwelt über Lichtreize, Erschütterungen und chemische Signale im Boden wahr. Schleimhaut und feine Borsten aus Chitin ermöglichen ihnen Fortbewegung und Verankerung im Boden.
Unsere heimischen Regenwurmarten können in Grösse und Färbung zwar sehr unterschiedlich sein, ihre exakte Bestimmung ist trotzdem meist bloss unter dem Mikroskop möglich. Einfacher ist deren Differenzierung in drei allgemeine ökologische Gruppen: Ist der Wurm eher klein und dunkel pigmentiert, ist er höchstwahrscheinlich ein «Streubewohner». Ist er etwas grösser und blass, dann ist er aller Voraussicht nach ein «Horizontalbohrer». Wenn er sehr gross und besonders kräftig wirkt, handelt es sich ziemlich sicher um einen «Vertikalbohrer».
So schaffen Sie ein Paradies für Regenwürmer – und für sich
Ein naturnah gestalteter Garten ist der verlässlichste Garant für eine gute Bodenqualität. Möglichst wenige menschliche Eingriffe, vielfältige Bepflanzung und möglichst viel organisches Material an der Oberfläche in Form liegengelassener Pflanzenreste, Laub und Totholz schaffen ideale Bedingungen. Mindestens eine «wilde Ecke» mit hohem Gras und heimischen Blütenpflanzen gehört in jeden Garten. Sie kommt nicht nur den Würmern, sondern auch Insekten und Vögeln zugute.
Am besten verzichtet man auf chemisch-synthetische Dünger und Pestizide, gräbt den Boden nicht unnötig um, lässt Laub und Pflanzenreste als Mulch liegen und sorgt für ausreichend Bodenfeuchtigkeit. Kompost, Gründüngung und vielfältige Bepflanzung schaffen ideale Lebensbedingungen für die nützlichen Bodenbewohner.
Regenwürmer als Haustiere?
Ja, richtig gehört: Regenwürmer kann man auch als Haustiere halten. Nämlich in einem Wurmkomposter. Dieses geschlossene System ist wie eine kleine Untergrund-Farm für Zuhause. Spezielle Kompostwürmer verwandeln dort einen Teil Ihrer Küchenabfälle in nährstoffreichen, flüssigen Dünger und feine Wurmkompost-Erde. Gerade für Liebhaber von Zimmerpflanzen ist das ein Gewinn: Stets frische, natürliche Hummuserde aus eigener Produktion, die die Pflanzen kräftigt und widerstandsfähiger macht.
Die Idee ist naheliegender, als man denkt: In der Schweiz landen jährlich ein Drittel aller produzierten Lebensmittel, also rund 330 Kilogramm Lebensmittel pro Person im Abfall. Davon fallen fast 40 Prozent dieser Lebensmittelverschwendung im Haushalt an. Ein Wurmkomposter kann einen kleinen, aber feinen Beitrag leisten, diesen Berg zu verkleinern, indem er aus Bioabfall wieder wertvolle Ressourcen macht. Der Kreislauf wird direkt in der Wohnung oder auf dem Balkon geschlossen – ein faszinierendes Erlebnis und gelebter Umweltschutz.
Neben fertigen Systemen wie jenen vom Schweizer Anbieter WormUp findet man im Internet auch zahlreiche Anleitungen, um einen Wurmkomposter einfach selber zu bauen. Verwenden Sie dafür unbehandeltes Holz und verzichten Sie auf Plastik, das nicht nur die Umwelt belastet, sondern von den Würmern aufgenommen werden könnte. Wichtig ist, dass die Kiste dunkel, gut belüftet und vor Frost geschützt ist. Gekaufte Systeme haben oft den Vorteil, dass sie durchdachte Designs für eine einfache Handhabung bieten und sogar geruchsfrei sind. Aber selbst gebaut oder gekauft: Die Hauptsache ist, den neuen Mitbewohnern ein gutes Zuhause und reichlich Nahrung zu geben.




