Start Hintergrund Portrait Wieselförderung: «Wir hatten nicht viele Stolpersteine»

Wieselförderung: «Wir hatten nicht viele Stolpersteine»

Nach gut sieben Jahren Aktivität zieht das Projekt «Wiesel & Co am Zimmerberg» Bilanz. Im Interview verrät der Projektleiter, worin der Schlüssel zum Erfolg in der Zusammenarbeit mit den Landwirten liegt und welche Asthaufen für die Zielarten am attraktivsten waren.

Zur Förderung der drei Kleinraubtiere Mauswiesel, Hermelin und Iltis wurden am Zimmerberg von 2014 bis 2021 deren Lebensräume aufgewertet und untereinander vernetzt. Das Resultat ist erfreulich. Mehr als 450 Massnahmen konnten umgesetzt werden und scheinen für Wiesel & Co sehr attraktiv zu sein. Die kleinen Raubtiere haben diese Unterstützung bitter nötig, denn ihre Anzahl ist im Schweizer Mittelland rückläufig. Grund für den Rückgang sind unter anderem die wachsende menschliche Infrastruktur und die Intensivierung der Landwirtschaft. In unserem Artikel Neue Erkenntnisse bei der Förderung von Wiesel & Co erfahren Sie mehr über das Projekt.

Die Zielarten von Wiesel & Co am Zimmerberg sind nicht nur flink, sie können auch fliegen… und tanzen! © Wiesel & Co am Zimmerberg, via Youtube

Wie entstand die Idee zum Projekt «Wiesel & Co am Zimmerberg»?

Die Inspiration war das Wiesel-Projekt des Naturverein Schönenbergs. Durch dieses Projekt waren die Grundlagen da, sprich die Existenz der Arten und auch der Handlungsbedarf waren bekannt. Die Kleinraubtiere eignen sich hervorragend als «flagship species», also als charismatische Botschafter für die ökologische Vernetzung. Zudem war mir stets wichtig, Gemeindegrenzen zu überwinden und interdisziplinär zu arbeiten. Deshalb war schnell klar, dass wir im Projekt mit bezirksweiten und kantonalen Interessensgruppen zusammenarbeiten wollen. 

Was war Ihr schönstes Erlebnis im Projektverlauf?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Sichtung zweier Hermeline in der Schlussphase des Projekts. Ich war gerade bei Feldaufnahmen, um verschiedene Faktoren zu erheben, die die Attraktivität von Asthaufen beeinflussen könnten. Am Sichtungsort herrschte zu Beginn des Projektes noch ausgeräumtes Grasland. Offensichtlich haben die 2017 erstellten Strukturen Wirkung gezeigt: der Ort wurde vermehrt von Hermelinen frequentiert. Die Beobachtung löste in mir eine Reflektion der vergangenen Projektjahre aus, weshalb sie für mich sehr berührend war. 

Wie haben Sie Ihre Partnerorganisationen für das Projekt gefunden? 

Ich war im Vorstand und später auch im Präsidium von Naturschutz Wädenswil. Aus der Regionalgruppe Horgen hat sich dann die Trägerschaft gebildet. Auch mit der ZHAW gab es von Anfang an Schnittstellen, da ich zum Zeitpunkt der Projektinitiierung selbst noch in Wädenswil studierte.

Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus den 7.5 Jahren Projektlaufzeit?

Zum einen konnten wir erkennen, dass die Lebensräume am Zimmerberg, also oberhalb des Sees, für das Hermelin viel besser geeignet sind als für das Mauswiesel. Hermeline können mit dem aktuellen, bescheidenen Mass an Strukturierung scheinbar recht gut umgehen – nicht zuletzt aufgrund dem reichen Vorkommen an Schermäusen, ihrer Hauptnahrung. Mauswiesel kommen hingegen mit dieser fürs Mittelland typischen «Normallandschaft» deutlich schlechter zurecht. Zum anderen gibt es noch wichtige Erkenntnisse aus der Wirkungskontrolle. Es hat sich gezeigt, dass Asthaufen, die mit grobem Holz aufgebaut sind, viel häufiger frequentiert werden, sprich sie sind für unsere Zielarten attraktiver.

Was hat Sie im Projektverlauf am meisten überrascht?

Die grösste Überraschung beziehungsweise Genugtuung kam zum Schluss. Für den Aufbau des «Naturnetz Zimmerberg» hatten wir innerhalb kurzer Zeit schon viele Commitments, mit denen wir teilweise nicht gerechnet hätten. Offenbar ist die Zeit reif für eine breit abgestützte Förderung von Natur und Landschaft in der Region.

Woher stammten die finanziellen Mittel zur Umsetzung des Projektes?

Der Hauptteil aus dem Lotteriefonds des Kantons Zürichs. Zu weiteren Teilen von Stiftungen und von den Standortgemeinden. Einen kleineren Teil haben dann noch BirdLife Zürich und die Trägerschaftsvereine beigetragen.

Welche Hürden mussten im Projektverlauf genommen werden? Worin lagen die Schwierigkeiten?

Ich finde, wir hatten nicht viele Stolpersteine. Eine gewisse Schwierigkeit stellte aber die Tatsache dar, dass der Projektaufwand wiederholt Belastungsspitzen fürs Projektteam brachte. In der Regel kam im Winterhalbjahr alles aufs Mal: Aktionstage, Wirkungskontrolle, Öffentlichkeitsarbeit und dann noch der Abschluss des Vorjahres inklusive Berichterstattung. Für uns alle war das Projekt nicht der Haupterwerb und wir hatten daneben noch andere Dinge am Laufen. Deshalb war unsere personelle Kapazität oftmals der limitierende Faktor. So ist möglicherweise ein gewisses Potenzial brach gelegen. Zudem denke ich rückblickend, es wäre besser gewesen, wenn wir eine grössere Professionalität im Umgang mit elektronischen Medien gehabt hätten. Die Ansprüche an Webauftritt, Newsletter, Design von Flyern etc. sind heute sehr hoch.

Wie viele Mauswiesel, Hermeline und Iltis haben Sie selbst zu Gesicht bekommen während des Projekts?

Ich habe kein einziges lebendes Mauswiesel gesehen. Dafür viele Hermeline und einen Iltis. Allesamt waren Zufallsbeobachtungen. «Weaselwatching» ist halt gegenüber dem «Birdwatching» wenig erfolgsversprechend. 

Sind Sie enttäuscht darüber, kein Mauswiesel gesehen zu haben?

Wir haben damit gerechnet, aber dennoch ist es etwas enttäuschend. Wie bereits erwähnt: Für Lebensraumspezialisten wie das Mauswiesel  ist die vorherrschende Bewirtschaftungsweise und das dichte Verkehrsnetz der Zimmerberglandschaft sowie die dadurch mangelnde Lebensraumvernetzung offensichtlich problematisch.

Was müsste man für das Mauswiesel machen?

Es gibt leider wenige Studien, die auf unsere Landschaft im Mitteland bezogen sind und Schlüsse auf geltende Faktoren geben. Meines Erachtens stellt ein kleinräumiges Mosaik von naturnahen Waldungen und extensivem Grasland den optimalen Lebensraum für Mauswiesel dar. An solchen Orten halten sich auch bevorzugte Beutetiere wie kleine Wühlmausarten und andere Kleintiere auf.

Worin sehen Sie den Schlüssel zum Erfolg des Projekts?

Ich sehe den Schlüssel zum Erfolg darin, den Zugang zu den verschiedenen Interessensgruppen zu finden. Das setzt verschiedene Dinge voraus wie Authentizität, Freude an der Kommunikation, ein vielseitiges Team,… Und natürlich muss man sattelfest sein in seinem Kerngebiet. Nur dann kann eine gute Vertrauensbasis geschaffen werden. Grundlegend ist aber sicher die Freude an der Kommunikation mit verschiedensten Leuten.

Wie geht es nun weiter mit Wiesel & Co am Zimmerberg?

Es war immer klar, dass unser Projekt endlich sein würde. Ebenfalls war stets klar kommuniziert, dass der Unterhalt der erstellten Massnahmen bei den Landbesitzer und Landbesitzerinnen beziehungsweise bei den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern liegt. Gerade langfristige Massnahmentypen wie Heckenpflanzungen und Feldscheunensanierungen werden ihre Hauptwirkung erst noch entwickeln, während der Fortbestand der vergänglichen Typen wie Asthaufen vom Credo der beteiligten Landbesitzenden und Bewirtschaftenden abhängt. Und genau in diesen Knowhow-Transfer haben wir viel investiert. Unsere Website sowie Ansprechpersonen stehen auch in Zukunft dafür zur Verfügung. Das Beste am Projektende ist aber, dass sich das Naturnetz Zimmerberg im Aufbau befindet. Die Initiative dazu wurde von unserer Trägerschaft ergriffen. Die Hoffnung ist also gross, dass das Thema Natur und Landschaft in Zukunft von einer breiten Trägerschaft bearbeitet wird und dort auch die Kleinraubtiere Aufmerksamkeit erhalten.

14 Projektbeteiligte teilen Ihre Erfahrung mit dem Naturschutzprojekt und thematisieren Wirkungsfelder für die Zukunft von Natur & Landschaft am Zimmerberg © Wiesel & Co am Zimmerberg, via Youtube

Das erarbeitete Knowhow wird geteilt unter: www.wieselundco.ch

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