Der mehrfach preisgekrönte Autor und Dramaturg Simon Froehling verwebt in seinen Romanen, Theaterstücken und Hörspielen oft das Unerwartete mit dem Poetischen. In unserem Kurzinterview spricht er über Biber in der Limmat, sein ganz persönlicher Umwelttipp und warum Stadttauben eine Schlüsselrolle in seinem neuen Roman spielen.
Simon Froehling ist schweizerisch-australischer Doppelbürger und lebt in Zürich und Athen. Mit seinem letzten Roman «Dürrst» war er 2022 für den Schweizer Buchpreis nominiert. Am 13. Mai feiert sein Hörspiel «Ich bin Alex», nach einem Kinderbuch von Jean-Loup Felicioli über ein trans Mädchen, auf Radio SRF1 Premiere, während sein neues Buch 2027 erscheint. Wie ihn als kleiner Junge die Zwergpinguine in Australien faszinierten und warum er den Begriff «Umweltsünde» für Privatpersonen problematisch findet, hat er uns exklusiv verraten. Herzlichen Dank für die ehrlichen und pointierten Antworten, Simon Froehling!
1. Wann oder wo geniessen Sie die Natur am meisten?
Ich liebe Küstenlandschaften, Inseln, das Meer… Glücklicherweise kann ich als Schriftsteller meine Arbeit überall hin mitnehmen, weshalb ich viel Zeit in Griechenland verbringe.
2. Welches ist das faszinierendste Tier, welches Sie in der Schweiz je beobachten konnten?
Neulich habe ich in der Zürcher Limmat einen Biber gesehen. Nicht gerade mitten in der Stadt, aber doch in einem Wohngebiet. Ich war erstaunt, wie gross nicht nur das Tier selbst, sondern auch dessen Burg war – und dass sich der Biber offensichtlich nicht um den vielen Verkehr an und auf dem Fluss foutiert.
3. Und welche Tierart nervt Sie am meisten?
Stadttauben. Und weil es nicht nur mir so ergeht – oder besser: weil dieser Vogel so sehr polarisiert – habe ich ihm recht viel Platz eingeräumt in meinem neuen Roman. Ich würde sogar sagen, Tauben spielen darin eine Schlüsselrolle.
4. Wie viele Vogelarten erkennen Sie an der Stimme?
Höchstens ein halbes Dutzend. Dafür kann ich alle Pinguinarten benennen, die es (noch) gibt. Gilt das ebenfalls? Die Faszination kommt daher, dass meine Grosseltern mütterlicherseits auf einer Insel im südlichen Australien lebten, wo allabendlich Scharen von Blauen Zwergpinguinen in der Dämmerung an Land schwammen, um ihre Bauten aufzusuchen. Es gab für mich als kleiner Junge kein schöneres Spektakel als diesen Watschelpingus auf ihrem Heimweg zuzuschauen.
5. Wann haben Sie das letzte Mal unter freiem Himmel geschlafen und wie kam es dazu?
Das war vor ziemlich genau einem Jahr in Griechenland, auf der Halbinsel Methana im Osten des Peloponnes. Der Grund war griechisch, männlich und nicht ganz jugendfrei.
6. Was war Ihre letzte Umweltsünde?
Ich finde das Wort «Sünde» in diesem Zusammenhang problematisch. Ich bin kein Öltanker, der ausläuft, und auch keine Regierung, die sich weigert, fossile Brennstoffen aufzugeben. Als Individuum kann ich zwar auf meinen persönlichen Fussabdruck achten, aber schlussendlich stehen Politik und Wirtschaft in der Pflicht, wirkungsvolle Veränderungen voranzubringen, anstatt die Verantwortung auf mich als Konsumenten abzuschieben. Denn meine Wirkungsmacht ist strukturell begrenzt. Das System muss nachhaltig werden, dann werden es auch die einzelnen Menschen. Umgekehrt wird das nie und nimmer funktionieren.
7. Und welche gute Tat haben Sie zuletzt für die Umwelt getan?
Ich esse kein Fleisch, fahre nicht Auto, kaufe nur Secondhand-Kleider, habe keine Kinder in die Welt gesetzt…
8. Wenn Sie – für einen nachhaltigeren Lebensstil – die Wahl haben, entweder auf Fleisch oder Flugreisen zu verzichten, wie würden Sie sich entscheiden?
…dafür fliege ich viel. Ohne schlechtes Gewissen.
9. Wofür sollten im Umwelt- und Naturschutz mehr Ressourcen zur Verfügung stehen?
Für eine Lobby, die mindestens so finanzkräftig ist wie jene der Pharmaindustrie, der Finanzindustrie, der Rüstungsindustrie, der Agrarindustrie.
10. Was ist Ihr ganz persönlicher Umwelttipp an unsere Leserschaft?
Mein Router war lange Zeit das einzige Gerät in meinem Haushalt, das im Dauerbetrieb lief. Nun schalte ich es via Zeitschaltuhr über Nacht aus. So spare ich so viel Strom ein, wie für 55 bis 65 Waschgänge pro Jahr reichen würde, habe ich irgendwo gelesen. Und obendrein die Elektrizitätskosten.






