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10 Fragen an… Patti Basler

Die freischaffende Slampoetin, Autorin und Kabarettistin Patti Basler begeistert bereits seit über zehn Jahren mit ihrer bodenständigen Art und Humor. Wie kaum jemand sonst versteht sie es, lustige Wortspiele mit ernsthaften Themen zu verbinden. Unsere zehn Fragen an sie wurden natürlich mit genauso viel Witz und Ernsthaftigkeit beantwortet.

Patti Basler ist auf einem abgelegenen Bauernhof mitten in der Natur aufgewachsen. Vom aargauischen Fricktal zog es sie einmal um die Welt. Nach einem Pädagogikstudium, Unterrichten an der Sekundarschule sowie einem Zweitstudium in Erziehungswissenschaften, Soziologie und Kriminologie schaffte sie den Sprung von der Heu- auf die Showbühne. Sie versuchte sich erst als Slampoetin und Kabarettistin. An den Umwelttagen der Alpenkonventions-Länder, dem Berge-Lesen-Festival, holte sie mehrmals Gold für die Schweiz mit Texten zu Umweltthemen. Sie lebt inzwischen von ihren Bühnentourneen, Texten, Radio-/TV- und Internet-Auftritten. 2019 gewann sie den Salzburger Stier, der ihr als «selbst deklarierte Fricktaler Kuh einfach zugelaufen sei».

Wann oder wo geniessen Sie die Natur am meisten?

Meine eigene Natur geniesse ich in Situationen, die hier nicht erzählt werden wolllen. Flora und Fauna erlebe ich täglich am Flussufer, wo ich spazieren gehe. Da gibt es das Wildeste, was die Schweiz zu bieten hat: Wasservögel, Biber, Mountainbiker.

Welches ist das faszinierendste Tier, welches Sie in der Schweiz je beobachten konnten?

Die faszinierendsten Tiere waren einige Raben, die im Geäst am Flussufer sassen und das Wasser beobachteten. Dort schwamm eine Entenmutter mit einer Kükenschar. Drei Erpel drängten die Ente von ihren Jungen weg und vergewaltigten sie abwechslungsweise, bis sie sich zerrupft und erschöpft an Land rettete. In der Zwischenzeit hatten sich die Raben gemütlich und ungestört einige der unbewachten Entenküken geschnappt, welche sie ihrer eigenen Jungmannschaft zum Frass vorsetzten.
Am Schluss war ich nicht mehr sicher: War das nun ein Naturschauspiel oder ein Schulbeispiel Schweizer Politik?

Und welche Tierart nervt Sie am meisten?

Auf die Gefahr hin, sämtliche Rest-Sympathien zu verspielen, welche mir noch bleiben: Haustiere. Vor allem Hunde und Katzen. Haustiere zu halten, ohne sie am Schluss zu essen, halte ich ohnehin für Foodwaste.

Zudem nerven Tiere, die mich stechen oder beissen wollen. Und der Biber, der meine Bäume fällt.

Wie viele Vogelarten erkennen Sie an der Stimme?

Lustige Zeitgenossen behaupten, mit Vögeln kenne ich mich aus. Bei mir stimmt es bedingt. Spatzen, Amseln, Buchfinken, Meisen, Lerchen, Tauben, Schwalben, Elstern, Krähen und einige Wasservögel kann ich knapp an den Stimmen unterscheiden. Die restlichen am Federkleid. Oder am Geschmack.

Wann haben Sie das letzte Mal unter freiem Himmel geschlafen und wie kam es dazu?

Als Kind lebte ich von April bis im Oktober auf dem Balkon. Das Bett stand so, dass es vor Regen geschützt war, aber mir freie Sicht auf den Sternenhimmel gewährte. Das war romantisch. Aber dann und wann hatte ich Vogeldreck auf dem Kissen, Schnee auf der Bettdecke oder einen Wespenstachel im Hintern. Heute versuche ich das Gefühl von damals von Zeit zu Zeit wiederaufleben zu lassen und zerre die Matratze auf die Terrasse, um den Garten vor dem gefrässigen Biber zu bewachen.

Was war Ihre letzte Umweltsünde?

Diese Antworten zu schreiben und elektronisch zu übermitteln. Mein ganzes Leben ist eine einzige Umweltsünde.

Und welche gute Tat haben Sie zuletzt für die Umwelt getan?

Bäume dort gepflanzt, wo der Biber welche gefällt hatte.

Wenn Sie – für einen nachhaltigeren Lebensstil – die Wahl haben, entweder auf Fleisch oder Flugreisen zu verzichten, wie würden Sie sich entscheiden?

Was heisst hier: Wenn Sie die Wahl haben? Ich habe ja die Wahl! Wie fast alle anderen Menschen in der Schweiz auch. Und natürlich sollte man möglichst beides wählen. Privat mache ich seit vielen Jahren keine Flugreisen mehr, beruflich weniger als einmal pro Jahr. Ein einziger Flug zerstört die positive Klimabilanz von mehreren Jahren veganem Leben … Dennoch esse ich auch wesentlich weniger Fleisch als früher. Ganz auf tierische Produkte zu verzichten, fällt mir als Milchbauerntochter jedoch schwer. Käse ist mir beinahe ein Grundbedürfnis. Und Biber. Aber nur die gefüllten aus dem Appenzell. 

Wofür sollten im Umwelt- und Naturschutz mehr Ressourcen zur Verfügung stehen?

Die Produktion von ökologischen einheimischen Lebensmitteln sollte so unterstützt werden, dass die Menschen sie bevorzugt kaufen. Ökologisches Anbauen und Bauen sollte finanziell unterstützt werden. Biodiversität soll gefördert werden. Der Biber ist aber vernachlässigbar. Meine Meinung.

Was ist Ihr ganz persönlicher Umwelttipp an unsere Leserschaft?

Faul sein. Nichts tun. Nichts konsumieren. Nichts kaufen, nirgendwo hin gehen, schon gar nicht fahren oder fliegen, nicht zum Shopping, nicht ins Fitnesstudio, nicht mal Joggen im Wald. Kein Haustier halten, nicht mal Gassi gehen, nichts tun. Kein Geld ausgeben. Faul sein.

2 Kommentare

  1. Umwerfend herrlich! Wir übernehmen den Biber gerne, denn er würde unsere Bäume kostengünstiger fällen als der Gärtner!

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