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Wie nachhaltig kann ich reisen?

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Mir ist klar, dass weite Reisen per se nicht nachhaltig sind, ausser ich fahre mit dem Velo. Nun werde ich aber nach Südostasien reisen und habe zwar ziemlich viel Zeit dafür, aber ganz so viel nun doch wieder nicht. Gibt es andere Möglichkeiten statt einer Flugzeugreise? Und wie viel nachhaltiger sind diese?

Klar: Am nachhaltigsten ist es, gar nicht zu reisen. Es ist ja auch möglich, spannende Ferien hier zu unternehmen. Zum Beispiel wunderbare Wanderferien in den Schweizer Alpen und die Heimat von einer neuen Perspektive aus erleben. Oder mal schauen, wie lange es mit dem Velo bis ans Meer dauert? Was aber, wenn die Neugier doch siegt und mich hinaus in die grosse weite Welt lockt? Mein Ziel ist Südostasien, wo ich während drei Monaten für meine Masterarbeit recherchieren werde. Das scheint mir beinahe schon vertretbar, da ich ja nicht nur für zwei Wochen Strandurlaub dahin fliege. Aber dem Klima ist es natürlich egal, aus welchem Grund ich fliege – die Emissionen bleiben die gleichen. Deshalb möchte ich wissen, wie ich denn möglichst nachhaltig dahin komme.

Emissionen von verschiedenen Transportmitteln

Gemäss Berechnungen auf Mobility-Impact summieren sich die CO2 Emissionen für den Hinflug von Zürich nach Kuala Lumpur, Malaysia, auf 1,22 Tonnen. Als Vergleich dazu liegt der von der planetaren Belastbarkeitsgrenze abgeleitete Schwellenwert gemäss BAFU bei insgesamt 0,6 Tonnen Klimagasen pro Person und Jahr. Der Flug ist also ein No-Go. Zudem entfalten sich die Auswirkungen der CO2 eines Fluges sehr weit oben in der Atmosphäre – und haben eine stärkere Wirkung als in der Nähe der Erdoberfläche. Daher kann ein einziger Flug stärkere Auswirkungen auf das Klima haben, als ein Jahr lang Auto fahren und Fleisch essen.

Auch wenn man das CO2 mal ausser Acht lässt und vergleicht, wie viel Energie und andere Emissionen eine Flugreise im Vergleich zu einer Zug- und Schiffsreise schafft, dann zeigt sich die Flugreise problematisch. Für die Strecke von knapp 12’000 km braucht es 4’690 kWh – das entspricht 419 Litern Kerosin. Dazu kommen auch noch Stickoxide und Feinstaub. Ich möchte diese Zahlen mit denen einer Zug- oder Schiffsreise vergleichen, aber leider kann der Rechner von Mobility-Impact keine Angaben für die Zug- oder Schiffsfahrt einer solch weiten Strecke machen. Wie kann ich nun also quantitativ herausfinden, was nachhaltiger ist?

Mein Versuch, die Emissionen einer Zugfahrt von Zürich nach Kuala Lumpur zu berechnen, scheitert an der Komplexität der Reise. Ich finde bei meiner Recherche keine Route, die von hier bis nach Kuala Lumpur führt. Von Zürich über Moskau bis nach Peking komme ich gemäss Berechnung mit Mobility-Impact auf 86,9 kg CO2 Emissionen. Weiter komme ich mit dem Rechner nicht. Um die Emissionen für die ganze Reise zu berechnen, verdreifache ich nun einfach den Wert – damit gehe ich ganz sicher, dass ich nicht zu wenig berechne. Also 261 kg CO2 Emissionen, knapp ein Fünftel der Emissionen der Flugreise.

Mit dem Containerschiff reisen – die Lösung?

Die Idee, mit einem Containerschiff nach Asien zu reisen, gefällt mir sehr. Das klingt abenteuerlich und nachhaltig. Über die Webseite von «Langsam Reisen» finde ich zahlreiche Angebote dafür, eine davon bietet sich sehr an: von Genua nach Port Kelang in Malaysia. Die Reise dauert 27 Tage inklusive kurzer Stops in Malta, Lebanon, Saudi Arabien und Dubai.

Auf der Webseite von Langsamreisen.de steht: «Die im Vergleich zu Kreuzfahrten oder Flugzeugreisen ohnehin sehr geringen CO2-Emissionen kompensieren wir obligatorisch zu 100 Prozent über Klimaschutzprojekte von atmosfair.» Atmosfair hat für Langsamreisen.de errechnet, dass der CO2-Verbrauch pro 100 kg (Passagier zzgl. Gepäck) pro Tag ca. 1,4 Kg CO2 Verbrauch trägt. «Da dieser Wert recht niedrig ist, den zusätzlichen Umfang an Verpflegung ausser Acht lässt und nicht berücksichtigt, dass viele Passagiere mehr Gepäck dabeihaben, haben wir den Wert verdoppelt. Wir rechnen also mit 2,8 kg CO2 Emissionen pro Person pro Tag um auf der sicheren Seite zu sein.», erklärt Langsamreisen.de. Bei einer Reise von 27 Tagen beträgt der CO2 Verbrauch also 75,6 kg. Das ist im Vergleich zum Zug wenig. Und erst recht im Vergleich zu den 1,22 Tonnen beim Flug, nämlich nur 6% davon.

Aber was unterscheidet denn die Umweltauswirkungen von einer Containerschiff- zu einer Kreuzfahrtreise? Wenn ich die CO2 Emissionen einer 27-tägigen Kreuzfahrt berechne, summiert sich das auf 5,1 Tonnen auf (myclimate). Dazu kommen noch zahlreiche Schadstoffe, beispielsweise Schwefeldioxide, Stickoxide und Feinstaub. Und nicht zu vergessen: der Lärm in den Meeren, der die Meeressäuger durcheinander bringt. Der rege Schiffsverkehr führt im Meer zu einem andauernden Grundgeräusch. Forscher wissen, dass dieses bei Walen, Delfinen und weiteren Meeressäugern zu permanentem Stress führt und ihre Kommunikation sowie Nahrungssuche stört.

Weshalb sind die Emissionen mit dem Kreuzfahrtschiff so viel höher als mit dem Containerschiff? Ich glaube, die Antwort ist einfach: Die Emissionen werden so berechnet, dass mein Gewicht (inkl. Gepäck) im Verhältnis zum Gewicht des Transportmittels berücksichtigt wird. Da schneide ich natürlich auf dem Containerschiff sehr gut ab. Durchschnittlich wiegt ein Containerschiff nämlich so 100’000 Tonnen – mein zusätzliches Gewicht auf dem Schiff spielt also überhaupt keine Rolle.
Wirklich transparent sind die CO2 Rechner jedoch nicht – weder bei Mobility-Impact, noch Atmosfair oder Myclimate wird erklärt, wie die Berechnungen zustande kommen.

Containerschiff
© kliempictures, via pixabay

Nachhaltigkeit hat ihren Preis

Nun kommen wir aber zu einem weiteren Problem. Die Reise mit dem Containerschiff ist sehr teuer. Meine gewünschte Reise von Genua nach Port Kelang kostet 3’800 Franken. Das ist so zu verstehen, dass ich während den 27 Tagen Vollverpflegung und Unterkunft erhalte und zusätzlich noch von A nach B transportiert werde. Ich bezahle für das Zimmer und Verpflegung also pro Tag 140 Franken. Leider scheint es auch nicht mehr möglich, eine kostenlose Überfahrt durch Mitarbeit auf dem Schiff zu verdienen. Auch auf den Webseiten von anderen Anbietern steht oft: «Arbeiten an Board ist nicht möglich». Schade! Aber irgendwie auch verständlich, denn für die Mannschaft und die Organisation bedeutet dies einen grossen Mehraufwand – mit vielleicht eher geringem Nutzen.

Die Reise mit dem Containerschiff scheint auch keine einfache Lösung zu sein. Ich frage mich wirklich: Wer auf der Welt hat einen Monat Zeit, um auf einem Containerschiff zu fahren und gleichzeitig auch noch so viel zu bezahlen? Normale Menschen jedenfalls nicht. Die fliegen. Denn ein Flug von Zürich nach Kuala Lumpur kostet nur 600 Franken – für den Hin- und den Rückflug. Der Flug natürlich viel zu günstig um die wahren Kosten der Reise zu decken, die negativen Auswirkungen auf die Umwelt sind hier nicht eingerechnet. Die Differenz der verschiedenen Transportmittel ist noch zu hoch, als dass viele Menschen sich eine nachhaltigere Option leisten könnten. Aber müsste es uns nicht wert sein, für eine so weite Reise die wahren Kosten zu bezahlen?

Ich möchte noch nicht aufgeben und wage den Versuch, mit einer Crowdfunding Kampagne Geld für diese Reise zu sammeln. Ein ziemlich gewagtes Projekt, denn für die Reise mit dem Schiff brauchen wir zu zweit 8’000 Franken. Aber wir erhalten auch Unterstützung aus der Wissenschaft: wenn wir unser Ziel erreichen, erhalten wir nochmals 5’000 Franken dazu. Mal schauen, wie nachhaltig die Reise sein wird.

1 Kommentar

  1. Die Reise auf dem Containerschiff ist zu teuer? Mit was vergleichen Sie diesen Preis? Mit der Flugreise deren Preis weit weg von den effektiven Kosten berechnet wird…? Mobilität – besonders in der Luft – ist einfach zu billig und das darf nicht zum Massstab werden! Ich gleube die Reise auf dem Containerschiff kosten genau etwa soviel, wie uns eine Reise dieser Distanz in etwa Wert sein muss!

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