Start Hintergrund Meinung Corona zeigt: Die Natur-Lobby in Bern bleibt klein

Corona zeigt: Die Natur-Lobby in Bern bleibt klein

Kulturelle und sportliche Veranstaltungen im Freien sind wieder erlaubt. Eine Vogelstimmenexkursion im Wald bleibt aber verboten. Das Beispiel zeigt: Die Natur hat im Gegensatz zu Sport und Kultur weiterhin nur wenig politische Unterstützung.

Fünfzehn Personen treffen sich zum Abend-Joggen im Wald: Seit 1. März wieder erlaubt. Eine Hobby-Theatergruppe probt auf der Aussenbühne: Wieder erlaubt. Ein privates Grillfest mit den Nachbarn: Bis zu 15 Personen dürfen sich draussen treffen. Eine «etablierte Selbsthilfegruppe im Bereich der Suchtbekämpfung»: Bis zu zehn Personen sind kein Problem. Die Lockerungen sind zwar klein, aber doch spürbar.

Ausser in einem Bereich. Eine Vereinsexkursion zum Thema Vögel im Wald mit acht Personen: Verboten. Was nach Absurdistan tönt, wurde mit der neuen Corona-Verordnung des Bundes zur Realität. Denn «Veranstaltungen» sind weiterhin ganz generell verboten. Es gibt aber einige Ausnahmen, eben die erwähnten für Kultur und Sport. Aber für den Natur-Bereich gilt weiterhin das strenge Veranstaltungsverbot.

Über geöffnete Restaurant-Terrassen in Skigebieten wird öffentlich gestritten und manche Kantone setzen sich auch einfach über die geltenden Regeln hinweg – ohne Folgen. Da verpufft offensichtlich so viel Energie, dass das klare Denken auf der Strecke bleibt. Wieso? Immerhin gibt sogar die Corona-Hotline zu, dass die Regelungen nicht nachvollziehbar und unlogisch sind.

Gerne hätten wir herausgefunden, was die Überlegungen hinter den Regelungen sind. Unser Mail mit zwei einfachen Fragen liegt aber seit einer Woche unbeantwortet beim Bundesamt für Gesundheit… So kann man nur spekulieren. Es ist wohl gelaufen wie meist: In Bern wird kräftig lobbyiert und von den Interessensverbänden Druck auf die Politik und Verwaltung gemacht. Sport und Kultur haben da offensichtlich mehr Mittel oder werden besser gehört als die Natur- und Kulturanliegen. Bedenklicher aber ist, dass Verwaltung und Politik nicht fähig sind, die Massnahmen mit sachlichen Kriterien zu begründen. Die Frage wäre ja einfach: Freut es das Corona-Virus mehr, wenn 15 Personen dem morgendlichen Vogelkonzert lauschen oder laut keuchend durch den Wald rennen?

3 Kommentare

  1. Danke für den Kommentar. Es gibt viele weitere seltsame Regeln. Zum. Beispiel, warum Schulchöre verboten sind, wenn die Schule sie anbietet. Wenn aber die Musikschule sie anbietet, sind sie erlaubt. absurd ist auch, dass jetzt gelockert wird, obwohl die Zahlen langsam wieder zunehmen.

  2. Sagen Sie den Grünen Schweiz danke 🙂 Aktuell
    lobbieren die grünen PolitikerInnen für Lockdown und Stärkung der Task Force.

    • Ich glaube nicht, dass das parteipolitisch geprägt sein sollte. Ich finde, die Regeln sollten zielführend und wissenschaftlich sein und nicht den Lobby-Gesetzen unterworfen sein.

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