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Tummelplatz für Nektarsucher

Beatrix Mühlethaler
Beatrix Mühlethaler ist begeisterte Naturgärtnerin. Sie befasst sich als Journalistin vorwiegend mit Natur- und Umweltthemen und setzt sich an ihrem Wohnort für die heimische Flora und Fauna im Siedlungsraum ein. Fortbildung und Freude bieten ihr der eigene Naturgarten sowie Gemüse- und Beerenkulturen.

Gärten voller Blüten erfreuen hungrige Insekten und unser Auge gleichermassen. Besonders wenn im Juni die Mähmaschinen die Wiesen leergeräumt haben, verlagert sich das Insektenleben in blütenreiche Naturgärten. Deshalb lohnt sich hier eine sommerliche Fotosafari!

Text und Bild von Beatrix Mühlethaler, Bloggerin «Hotspot Naturgarten»

Hummel auf Klatschmohn
Die Steinhummel gehört zu den häufigen Mohnbesucherinnen. © Beatrix Mühlethaler

Mohnblüten im Garten ziehen viele Insekten magisch an, insbesondere Bienen, Schwebfliegen und Hummeln. Mohn keimt nur auf offenen Flächen und hat deshalb in einem betagten Naturgarten, wo mehrjährige Pflanzen den Boden weitgehend erobert haben, einen schweren Stand. Im Gemüsegarten aber feiert er ein Fest: Wo der üppige Mohnbestand des Vorjahrs seine Samen hat fallen lassen, wachsen viele Rosetten auf den abgeernteten Beeten. Da auch noch Gemüse Platz finden soll, bleiben dem Mohn die Randbereiche vorbehalten. So bereichern sie den Pflanzplätz ungemein.

Gemüsegarten mit Mohnblüten
Mohn lockt viele Gäste an und bringt so Farbe und Leben in den Gemüsegarten. © Beatrix Mühlethaler

An zwei südlich ausgerichteten Böschungen sorge ich durch Hacken und Jäten ebenfalls für etwas freien Raum, sodass Ein- und Zweijährige ihre Chance nutzen können.

Breitsame
Der Breitsame wächst an trockenen Orten. Die einjährige Pflanze blüht im Juni. © Beatrix Mühlethaler
Gemeiner Nattternkopf
Anfang Juli blüht der Natternkopf, eine zweijährige Pflanze, neben dem mehrjährigen Johanniskraut. © Beatrix Mühlethaler
Wegwarte
An der Böschung findet auch die Wegwarte Platz. © Beatrix Mühlethaler

Im Ziergarten, wo einige Gärtnereipflanzen von Wildpflanzen umrahmt werden, gewinnt der Baldrian immer stärker an Boden. Er bereichert diese Ecke lange Zeit, zuerst mit seinen Blüten, dann mit seinen Samenständen, die über der niedrigeren Flora schweben.

Baldrian
Der Baldrian vermehrt sich an den verschiedensten Standorten. © Beatrix Mühlethaler

Bis in den Spätsommer öffnen nach und nach Dutzende von Wildpflanzen ihre Blütenkelche und bringen mal hier, mal dort Farbe und tierische Besucher in den Garten.

Kriechrose
Beliebte Tummelplätze sind die Kriechrosen (Rosa arvensis), die über längere Zeit immer neue weisse Blüten öffnen und feinen Moschusduft verströmen. Besonders begehrt sind sie bei Bienen und Hummeln. © Beatrix Mühlethaler

Leider fehlt im Garten seit wenigen Jahren der prächtig gelb blühende gemeine Gilbweiderich. Ein Schädling oder eine Krankheit hat ihn dahingerafft. Ihn neu zu etablieren, erweist sich als schwierig. Dabei hat der Gilbweiderich eine besondere Eigenschaft, die für eine Wildbienenart, die Schenkelbiene, unverzichtbar ist: Er liefert statt Nektar ein – energiereicheres – Öl. Dieses bringt die Schenkelbiene, mit Pollen vermischt, für ihren Nachwuchs in die Niströhren im Boden ein. Zum Glück findet sie als Ersatz im Schattenbereich den punktierten Gilbweiderich, eine Zierpflanze aus Osteuropa. Ob auch das niederwachsende Pfennigkraut eine entsprechende Alternative darstellt, ist mir nicht bekannt. Ein hübscher Bodendecker ist es allemal.

Pfennigkraut
Das Pfennigkraut wächst gut auf eher feuchtem Boden und ist ein ausgezeichneter Bodendecker. © Beatrix Mühlethaler

Dass Blüten hungrige Gäste anlocken, ist ja nur logisch. Aber dieses Jahr gab es doch eine freudige Überraschung: So viele Schmetterlinge wie heuer habe ich in den 23 Jahren, seit dieser Garten existiert, noch nie gesehen. Und zwar gilt dies sowohl für die Artenzahl wie für die Anzahl Individuen.

Da fliegen neben den immer häufigen Kohlweisslingen über längere Zeit gleichzeitig 3 bis 4 Paare des Zitronenfalters. Zahlreich vertreten sind auch der Braune Waldvogel und das Ochsenauge, gerne am Wilden Majoran saugend. Das Waldbrettspiel fliegt im schattigeren Teil des Gartens, wobei es nicht wie die anderen der Blüten wegen hier weilt. Es saugt bevorzugt Säfte von Bäumen und Obst.

Der Mauerfuchs zeigt sich dieses Jahr ebenfalls häufiger als sonst im Garten, und das Landkärtchen bemerke ich zum ersten Mal – in mehreren Individuen. Sogar ein Kaisermantel lässt sich immer wieder blicken. Der Schwalbenschwanz fliegt täglich herum, öfter auch zu zweit. Admiral, Distelfalter und Pfauenauge erweitern den Reigen. Ein Dickkopffalter und zwei Arten des Bläulings vertreten die kleineren Tagfalter.     

Besonders angetan hat es den Schmetterlingen ein kleines blühendes Garteneck vor dem Haus mit Karthäusernelke, Wildem Majoran, Hornklee, Labkraut und Betonie:

Naturgarten
Die rosa blühende Echte Betonie (Stachys officinalis), wächst in Magerwiesen, die in der Landschaft selten geworden sind. Im Garten vermehrt sie sich gut und ist eine viel besuchte Nahrungspflanze für Schmetterlinge, Schwärmer und Bienen. © Beatrix Mühlethaler
Ochsenauge
Das Ochsenauge, das sich hier auf einer Zierpflanze verpflegt, legt seine Eier an Gräser und Seggen. © Beatrix Mühlethaler
Brauner Waldvogel
Der Braune Waldvogel ist oft auf Wildem Majoran oder Sumpfdost anzutreffen. Er pflanzt sich auf Gräsern im Bereich von Gehölzen fort. © Beatrix Mühlethaler
Waldbrettspiel
Das Waldbrettspiel ist ein Falter lichter Wälder und des Waldrands, wo die Raupe sich auf Gras entwickelt. Hier sitzt er, um sein Revier zu verteidigen. © Beatrix Mühlethaler
Kleiner Kohlweissling
Der Kleine Kohlweissling legt seine Eier auf Kreuzblütler, im Garten mit Vorliebe auf Kohl. © Beatrix Mühlethaler
Zitronenfalter
Ein Paar des Zitronenfalters labt sich am Alant. Die Raupen entwickeln sich auf Faulbaum und Kreuzdorn. © Beatrix Mühlethaler
Dickkopffalter
Naturnahe Gärten geben dem mattfleckigen Kommafalter Auftrieb. Er legt seine Eier auf Gräser. © Beatrix Mühlethaler
Hauhechelbläuling
Der Hauhechelbläuling profitiert von naturnahen Gärten. Gerne saugt er am Hornklee. Auch seine Raupen verpflegen sich von Schmetterlingsblütlern wie diesem. © Beatrix Mühlethaler
Schwalbenschwanz
Der Schwalbenschwanz peilt eine Betonie an. Seine Eier legt er im Garten erfahrungsgemäss lieber auf Karotten- oder Fenchelkraut als auf die Wilde Möhre. Auch die Weinraute nutzt er. © Beatrix Mühlethaler
Mauerfuchs
Der Mauerfuchs sitzt oft auf besonnten Felsen und Böden. Seine Raupe ernährt sich von Gras, insbesondere der aufrechten Trespe. © Beatrix Mühlethaler
Landkärtchen
Das Landkärtchen saugt an Wildem Majoran. Seine Raupen brauchen Brennesseln. © Beatrix Mühlethaler

Die Legenden zu den Schmetterlingsbildern machen klar: Neben den Blüten, die den Insekten Nahrung bieten, braucht es im Garten möglichst auch ihre Raupenpflanzen.

Denn sonst ist unser Garten für sie kein vollkommener Lebensraum, sondern ausschliesslich ein Wirtshaus für die Erwachsenen. Andererseits ist auch klar: Gärten allein können unsere Schmetterlingspopulationen nicht erhalten. Dazu braucht es gute Strukturen und eine reiche Flora in der ganzen Landschaft.

1 Kommentar

  1. Liebe Beatrix, einen wunderbaren Einblick in deinen vielfältigen und belebten Naturgarten mit tollen Bildern gewährst du uns hiermit, herzlichen Dank! Immer wieder offene Bodenstellen schaffen, ja, das bringt vieles – deine Breitsamen (ich bin ganz neidisch, es ist eine tolle Pflanze!) und dein Mohn lehren mich das. Eine grössere Vielfalt und Fülle an Schmetterlingen kann ich hier in meinem Garten in Zürich nicht beobachten. Sicher hat das einen Zusammenhang mit der Diversität der Stauden im Garten. So ist der Malvendickkopffalter nicht mehr hier, weil auch die Malven fast verschwunden sind. Der Gemeine Gilbweiderich hat auch bei bei mir seit ein paar Jahren ein Problem. Eine Botanikerin hat herausgefunden, dass es Milbenbefall ist: die Blätter beginnen zu kräuseln und die Pflanze kommt nicht zum Blühen. Vielleicht ists bei dir dasselbe?

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