Viele Tiere helfen der Natur, in dem sie die Samen und Früchte von Pflanzen verteilen und so für deren Verbreitung sorgen. Diese Verbreitung geschieht auf unterschiedliche Art und Weise. © via pixabay.
Viele Tiere helfen der Natur, in dem sie die Samen und Früchte von Pflanzen verteilen und so für deren Verbreitung sorgen. Diese Verbreitung geschieht auf unterschiedliche Art und Weise. © via pixabay.

Wildtiere: Die fleissigen Helfer der Natur

  • Stefanie Wermelinger

Die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Die ersten Blätter beginnen sich zu verfärben und für die Wildtiere ist es Zeit ihre Nahrungsvorräte für den Winter zu sammeln. Nicht nur die Tiere, sondern auch die Natur profitiert von dieser arbeitsreichen Zeit.

Unter den Wildtieren gibt es verschiedene Typen. Die einen haben Bauten, in denen sie ihre Vorräte sammeln und lagern. Andere gehen etwas chaotischer ans Werk und helfen so ungewollt bei der Verbreitung von Samen, Früchten und Sporen.

Die «vergesslichen» Tiere tragen zur natürlichen Waldaufforstung bei

Zu den «vergesslichen» Tieren gehören unter anderem Eichhörnchen, Waldmaus, Tannen- oder Eichelhäher. Diese Tiere haben nicht nur ein einziges Nahrungsdepot, wo sie ihre Vorräte verstauen. Vielmehr verstecken sie ihre Eicheln, Zapfen, Nüsse, Bucheckern und vieles mehr an verschiedenen Orten. Das führt dazu, dass sie sich im Nachhinein nicht mehr an alle ihre Geheimverstecke erinnern können. Was von den Tieren nicht wiedergefunden wird, treibt im nächsten Frühling aus und wächst zu einer neuen Pflanze heran. Dieser Prozess kann man auch als natürliche Waldaufforstung bezeichnen.

Der Tannenhäher: Der Vogel mit den vielen Geheimnissen

Ein bekanntes «vergessliches» Tier ist der Tannenhäher. Dieser ernährt sich von Arvensamen. Sein spitzer Schnabel ist wie gemacht, um die Samen aus dem Arvenzapfen zu picken. Im Herbst sammelt der Tannenhäher die Samen und versteckt sie in Tausenden von geheimen Verstecken als Wintervorrat. Laut dem schweizerischen Nationalpark findet er gut 80% davon wieder und das, obwohl sie unter einer Schneeschichte verborgen sind. Wie er das genau macht, ist den Forschern immer noch ein Rätsel. Zum Glück für die Arven vergisst der Tannenhäher trotzt seines guten Gedächtnisses ein Teil seiner Verstecke. Aus denen spriessen im Frühling dann junge Arven hervor. Mit der Anlegung von Wintervorräten hilft der Tannenhäher also bei der Verbreitung der Arve.

Der Tannenhäher legt im Herbst Tausende Verstecke mit Arvensamen an. Nicht alle findet er wieder und hilft den Arven so bei ihrer Verbreitung. © Tambako the Jaguar, via flickr.
Der Tannenhäher legt im Herbst Tausende Verstecke mit Arvensamen an. Nicht alle findet er wieder und hilft den Arven so bei ihrer Verbreitung. © Tambako the Jaguar, via flickr.

Verbreitung durch den Kot

Auch der direkte Verzehr der Samen und Früchte hilft bei der Verbreitung. Die Früchte locken mit ihrer Farbe und ihrem Geschmack die Tiere an und «lassen» sich fressen. Häufig haben die Früchte eine harte Schale oder innere harte Fruchtwände, damit sie beim Kauvorgang nicht beschädigt werden und auch von der Verdauung geschützt sind. Später werden sie zusammen mit dem Kot wieder ausgeschieden, der den jungen Keimlingen zusätzlich als Dünger dient. Ein Beispiel für diese Verbreitung von Samen ist die Waldmaus. Ihr kleiner Körper braucht viel Energie um warm gehalten zu werden. So essen sie unter anderem auch viel Beeren, wie Erdbeeren, Blaubeeren oder Preiselbeeren. Die Samen der Beeren werden dabei nicht verdaut und später im Kot wieder an einem anderen Ort abgesetzt. Dort können sie zu keimen beginnen.

Unter anderem frisst die Waldmaus oft Beeren und andere Früchte. Die Samen werden mit dem Kot später wieder ausgeschieden und keimen aus. © BlueBreezeWiki [CC BY-SA 3.0], via wikimedia Commons.
Die Waldmaus frisst oft Beeren und andere Früchte. Die Samen werden mit dem Kot später wieder ausgeschieden und keimen dann aus. © BlueBreezeWiki [CC BY-SA 3.0], via wikimedia Commons.

Wildtiere als «Lasttiere» für Samen und Früchte

Tiere werden oft auch als Mitfahrgelegenheit genutzt. Einige Samen und Früchte haben dazu extra Widerhaken entwickelt, die sich im Tierfell oder auch im Gefieder eines Vogels verhaken. Dadurch werden sie von den Tieren mitgetragen. Solche Fellkletten sind für die Tiere harmlos. So profitieren die Pflanzen von den Tieren ohne ihnen zu schaden. Ein bekanntes Beispiel für Fellkletten sind die Früchte der Grossen Klette, die nicht nur an Tieren, sondern auch an Kleidern häufig hängen bleiben. Diese Früchte haben winzige elastische Hacken, die nicht so schnell abbrechen. Diese Klette diente auch als Inspiration für die Erfindung des Klettverschlusses.

Die Früchte der grossen Klette bilden kleine Wiederhacken mit denen sie sich im Tierfell oder Gefieder festhacken. © Capri23auto, via pixabay.
Die Früchte der Grossen Klette bilden kleine Widerhaken mit denen sie sich im Tierfell oder Gefieder festhaken. © Capri23auto, via pixabay.

Es gibt auch sogenannte «Klebfrüchte». Diese Samen sondern bei Feuchtigkeit klebrige Sekrete ab und bleiben so an vorbeistreifenden Tieren haften. Sie lassen sich mittragen und verbreiten. Auch einige Pilze setzten neben Wind als Verbreitungsmittel auch auf Wildtiere, die ihre Sporen mittragen und so verteilen.

Nährstoffreiches Anhängsel an Pflanzensamen lockt Ameisen an

Extra angelockt werden auch die Ameisen von einigen Pflanzen. Dazu bilden die Pflanzen ein nährstoffreiches Anhängsel, ein sogenanntes «Elaiosom», welches an den Samen angebunden ist.  Ein Elaiosom enthält unter anderem Fette, Zucker und teilweise auch Vitamine. Die Ameisen schleppen die Samen in ihren Bau und fressen dort das Elaiosom ab. Der Same bleibt entweder im Bau zurück oder wird durch andere Ameisen wieder mit nach draussen getragen. Oft wird bei der Abtrennung des Elaiosoms der Samen etwas verletzt, was die spätere Keimung erleichtert. Durch den Reiz des nährstoffreichen Elaiosoms bringen die Pflanzen die Ameisen also dazu, die Samen über weite Strecken zu verschleppen.

Ameisen tragen den Samen von einem Lerchensporn zum ihrem Nest. © Beat Wermelinger.
Ameisen tragen den Samen mit dem Elaiosom (der weisse Teil) eines Lerchensporns in Richtung Nest. © Beat Wermelinger.

Durch die unterschiedlichen unfreiwilligen Methoden, mit denen die Tiere Samen, Früchte und Sporen in der Region verbreiten, leisten sie einen wichtigen Beitrag in der natürlichen Waldaufforstung und somit im ganzen Ökosystem.