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Wie Perlen sind die Tautröpfchen im Spinnennetz aufgereiht.

Wie der Altweibersommer zum Namen kam

  • Amanda Buol

Wenn die Sonne im September nochmals Gas gibt, dann nennen wir das Altweibersommer. Doch wieso heissen diese Tage so und was ist speziell an ihnen?

Wenn man den Begriff Altweibersommer hört, dann denkt man an die warmen, sonnigen Tage im September, Oktober. Die Zeichen stehen auf Herbst. Insbesondere die Natur bereitet sich in dieser Zeit auf den bevorstehenden Winter vor. Die Tiere suchen Schlafplätze für den Winter oder ziehen in den Süden und die Blätter der Bäume beginnen sich zu verfärben. Zu dieser Zeit sind die Farben der Natur besonders intensiv.

Der Name hat nur teilweise mit alten Frauen zu tun. Der Wortlaut stammte aus früherer Zeit. Damals wurde das Knüpfen des Netzes auf Althochdeutsch als „weiben“ bezeichnet. Gemeint sind Fäden kleiner Gespinste, auf denen sich Baldachinspinnen mit dem Wind forttragen lassen. Kühlt sich in klaren Septembernächten die Luft ab, bilden sich an den Netzen Tau-Tröpfchen, die die sonst beinahe unsichtbaren Netze am Morgen sichtbar machen. Die glitzernden Fäden erinnern an die langen, feinen Haare ältere Damen.

Damals sagte der Volksmund, dass die älteren Damen (Weib war kein Schimpfwort) die Haare beim Kämmen verloren hatten. Andere glaubten, die Haare stammen von Elfen oder von der heiligen Jungfrau Maria. In der nordischen Mythologie sind es Schickalsfäden der Menschen, die von Göttinnen gesponnen wurden.

Der Altweibersommer zeichnet sich als eine warme Wetterperiode Ende September, Anfangs Oktober aus. Es handelt sich um eine sogenannte meteorologische Singularität. Das bedeutet, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit immer zur gleichen Zeit eine für die Saison ungewöhnliche Wetterperiode auftritt, vergleichbar mit den Hundstagen oder den Eisheiligen. Den Altweibersommer ist einem Hochdruckgebiet über dem Osteuropäischen Festland zu verdanken, welches trockene, warme Kontinental-Luft nach Mitteleuropa bringt. Diese Wetterlage mit den warmen Tagen und kalten Nächten begünstigt die Laubfärbung, was die intensiven Farben der Jahreszeit ausmacht.

Nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in Skandinavien, Osteuropa und Nordamerika (Indian Summer) ist das Phänomen des Altweibersommers bekannt und tritt beinahe zur gleichen Zeit auf.