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Man will den Wasservögeln Gutes tun und füttert sie im Winter. Doch helfen wir ihnen so oder schadet es den Tieren? © Thomas Raich [CC-BY-SA-2.0], via Flickr.

Wasservögel füttern – was es zu beachten gilt

  • Julia Hatzl

Stockenten, Schwäne und zahlreiche Wintergäste sind auf den Schweizer Seen zahlreich anzutreffen. Für Familien stellt das Füttern von Wasservögeln eine beliebte Freizeitaktivität dar und ermöglicht die direkte Begegnung mit der Natur. Jedoch sollte auf ein mass- und rücksichtsvolles Füttern geachtet werden.

Man sitzt gemütlich auf einer Bank am See und raschelt mit seinem «Zmittag» und plötzlich ist man umzingelt von allen möglichen Wasservögeln, die einem ein paar Brotbrösel abluchsen wollen. Meist Enten, aber auch Schwäne und Möwen sind darauf konditioniert, dass Menschen oft etwas Essbares mit dabeihaben und es auch mit den Vögeln teilen. Vielen Leuten ist es eine grosse Freude, die «wilden Tiere» mit altem Brot und anderen Nahrungsmitteln zu füttern und die Vögel aus geringer Distanz betrachten zu können. Oftmals denken wir, dass wir mit dem Füttern den Vögeln etwas Gutes tun, leider ist dies nicht immer der Fall.

Nahrungsbeschaffung durch «Gründeln»

Wasservögel ernähren sich entweder von pflanzlichem oder tierischem Material. Viele der Arten tauchen einige Meter unter Wasser, um Wasserpflanzen oder Fische zu ergattern. Andere Arten durchsieben das Oberflächenwasser nach Nahrung oder suchen danach in Ufernähe. Diese Art der Nahrungsbeschaffung nennt man in der Fachsprache «Gründeln».

Die bei uns überwinternden Wasservögel sind gut an die vorherrschenden Gegebenheiten angepasst. Sie wissen, wo sie in geeigneten Habitaten ausreichend natürliches Futter finden und sind auf unsere Hilfe nicht angewiesen.

Umfrage Wasservögel füttern

Umfrage zum Tipp vom 22. November 2015

 

Falsche Nahrung kann lebensgefährlich sein

Übermässiger Brotkonsum schadet der Verdauung der Wasservögel, da diese nicht auf solch eine Nahrung ausgelegt ist und es kann zu Verdauungsstörungen kommen. Daher sollte Brot nur in geringen Mengen und kleinen Stücken verfüttert werden. Ganze Brotlaibe haben im Wasser nichts zu suchen. Gerade salzhaltige oder verschimmelte Speisen können auch zu lebensgefährlichen Situationen für die Tiere führen. Zusätzlich führt regelmässiges Füttern zu einer Verhaltensänderung der Vögel. Sie werden bequem und suchen nicht mehr selber nach Nahrung. Die kalorienreiche Kost führt zur Verfettung der Tiere und sollte die Fütterung einmal ausbleiben, haben sie Probleme wieder ihre natürlichen Nahrungsquellen zu finden.

Nähert sich ein Mensch mit einem raschelnden Sack einem See, stürzen sich alle Wasservögel in der Nähe auf den Menschen und das ausgestreute Brot. Dies führt zu Kämpfen, Aufruhr und zu einem hohen Energieverbrauch der Tiere.

© Freshlix [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Häufig führt das regelmässige Füttern von Wasservögeln zu  Kämpfen zwischen den Vögeln, die den Tieren viel Energie abverlangt. © Freshlix [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.

Infektionskrankheiten und Parasiten verbreiten sich schneller

Zusätzlich wird durch die Nähe und den Kontakt der Tiere miteinander das Übertragungsrisiko von Infektionskrankheiten und Parasiten stark erhöht. Bei Schwänen beispielsweise, die sich in Gebieten aufhalten, in denen massiv gefüttert wird, konnte ein höherer Parasitenbefall festgestellt werden. Krankheiten werden bei erhöhter Vogeldichte schneller von Vogel zu Vogel übertragen und die Tiere sind meist geschwächt und gestresst. Besonders gravierend ist das Problem mit der Fütterung an Orten, an denen ein Risiko der Übertragung mit Vogelgrippe besteht. In solchen Gebieten ist ein Füttern von Wasservögeln strikt verboten.

Wasserqualität verschlechtert sich

Auch die Wasserqualität leidet unter der Fütterung der Wasservögel. Meistens erwischen die Vögel nicht alles Futter, was für Sie ins Wasser geworfen wird. Das Brot zum Beispiel weicht dann auf und sinkt auf den Boden des Gewässers. Dort beginnt die Zersetzung, welche grosse Mengen an Sauerstoff verbraucht, der den Fischen und anderen Wassertieren nicht mehr zur Verfügung steht. Durch die Zufuhr von solchen Nährstoffen kann es auch zu einem verstärkten Algenwachstum kommen, der dem Wasser beim verrotten ebenfalls Sauerstoff entzieht und im schlimmsten Fall den See zum «kippen» bringt. Das bedeutet, dass der See nicht mehr im biologischen Gleichgewicht ist.

Tipps zum Wasservogel-Füttern

  • Gegen das sporadische Füttern in kleinen Mengen ist nichts einzuwenden, jedoch sollte das Füttern von verschimmelten oder gewürzten Speisen vermieden und nur Brotstücke ohne Gewürze oder Aufstriche verfüttert werden.
  • Nur im Winter gelegentlich füttern. Im Sommer sollten Wasservögel ungestört bleiben und Brutgebiete gemieden werden.
  • Wird starkes Konkurrenzverhalten der Tiere beobachtet, sollte die Fütterung unterlassen werden.
  • Keine ganzen Brotlaibe ins Wasser werfen.
  • In Wasser- und Zugvogelreservaten ist das Füttern verboten.
  • Speziell gefährdete Arten profitieren eher von Ruhezonen als von einer Fütterung.

Weitere wichtige Tipps und Informationen zum Thema Wasservogelfütterung finden Sie auf dem Merkblatt der Schweizerischen Vogelwarte und BirdLife Schweiz.

Möglichkeit zur Begegnung mit der Natur

Das massvolle Füttern von Wasservögeln birgt die tolle Möglichkeit für Naturerlebnisse. Die Tiere kommen den Menschen sehr nahe und diese Gelegenheiten eignen sich perfekt für das Kennenlernen der Arten und ihrer Biologie. Kindern wird ein Zugang zur Welt der Vögel ermöglicht und sie werden für ihre Umwelt sensibilisiert. Schwimmhäute, der Körperbau, das Gefieder, das Geschlecht und ihr Verhalten können aus der Nähe betrachtet werden.

Wasservögel beobachten

Diese Arten finden Sie häufig auf Schweizer Seen:

Wasservögel im Winter

Wasservögel lieben die Schweizer Seen. Bis zu 500’000 Wasservögel überwintern jährlich in der Schweiz. Die Schweiz trägt durch ihre grossen Seen eine bedeutende Verantwortung im internationalen Wasservogelschutz. Die Zunahme der Wandermuschel führte in den Siebzigerjahren dazu, dass es zu einer deutlichen Zunahme an überwinternden Reiher- und Tafelenten auf den Schweizer Seen kam.