© florathexplora [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Spuren und Fährten lesen

  • Roman Vonwil

Wer im Winter draussen unterwegs ist, hat gute Chancen auf Tierspuren im frischen Schnee zu stossen. Doch welches Tier hat sie hinterlassen? Wer sich ein wenig Zeit nimmt, kann die Kunst des Fährtenlesens erlernen und ein faszinierendes Naturphänomen entdecken.

Jede Tierart hinterlässt einen typischen Fussabdruck, der Trittsiegel genannt wird. Diese unterscheiden sich je nach Form des Tierfusses: Ein Dachs hinterlässt mit seinen Pranken ein anderes Trittsiegel als die Schalen einer Rehhufe.

Säugetiere werden je nachdem, auf welchem Teil des Fusses sie stehen, unterschieden in Sohlengänger (Pranke des Dachses), Zehengänger (Pfote des Fuchses) oder Zehenspitzengänger (Hufe des Schalenwildes).

Anhand der Form des Trittsiegels lässt sich mit ein bisschen Übung meistens schon die Tierart bestimmen, die über den Schnee oder die feuchte Erde gewandert ist. Fortgeschrittenen Spurenleser_innen gibt ein Trittsiegel jedoch nicht nur Hinweise auf die Tierart sondern auch auf das Geschlecht und das Alter des Tiers.

Tierspuren
Trittsiegel und Spuren einiger einheimischer Tiere

Eine ganze Spur oder Fährte besteht aus einer Abfolge von Trittsiegeln. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Tierarten. Denn nicht jedes Tier hat den gleichen Körperbau und läuft gleich. So unterscheiden sich Spuren und Fährten durch den Abstand zwischen den einzelnen Tritten. Neben dem Trittabstand ist der Schrank ein wichtiges Merkmal der Spur oder Fährte. Damit wird der Zwischenraum zwischen linken und rechten Tritten bezeichnet. Je nach Bewegungsart schränkt das Wild mehr oder weniger. Auch die Anordnung der Trittsiegel gegeneinander ist ein wichtiges Merkmal der Spur oder Fährte, aus dem sich viele Informationen gewinnen lassen.

Fährten sind die Trittsiegel von Hirsch, Wildschwein und Reh. Bei den anderen Tieren spricht man von Spuren, bei Vögeln nennt man die Spur auch Geläufe.

Eine Spur oder Fährte entsteht bei der Fortbewegung eines Tieres – und kann für die gleiche Tierart je nach Aktivität sehr unterschiedlich ausfallen. So unterscheidet sich die Gangart und somit auch das Fährten- oder Spurenbild bei der Flucht, bei der Jagd, bei der Nahrungssuche oder bei Wanderungen. Einzelne Tierarten weisen zudem ganz typische Spurbilder auf. Ein solches ist beispielsweise das Schnüren (ruhiges Traben) des Raubwildes, besonders ausgeprägt beim Fuchs, wenn er die Tritte der Vorder- und Hinterläufe sowohl genau ineinander als auch schnurgerade hintereinander setzt, wodurch das Spurbild einer Perlenschnur gleicht.

Wer mehr über Tierspuren im Schnee erfahren möchte und lernen will selber Trittsiegel und Spuren oder Fährten zu bestimmen, dem bietet eine Vielzahl von Internetseiten, Büchern und auch Apps weitere nützliche Informationen und Hilfen. Wir haben ein paar ausgewählt:

  • Mehr Hintergrundinformationen und eine Anleitung zum Herstellen von Gipsabdrücken von Trittsiegeln gibt es hier.
  • Eine Sammlung von Fotos von Trittsiegeln ist hier zu finden.
  • Fährten lesen und Spuren suchen aus dem Haupt Verlag ist ein schönes Buch – nur leider etwas gross für den Rucksack. Für unterwegs ist das blv-Bestimmungsbuch Spuren und Fährten unserer Tiere praktischer.
  • Verschiedene Apps helfen beim Lesen von Spuren und Fährten: „Tierspuren bestimmen“ gibt es nur für iOS, „Tierspuren und Fährten“ ist sowohl für iOS als auch für Android erhältlich.