Der Bienenstock wird im Herbst gut mit Propolis abgedichtet. |© Jason Riedy, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr
Der Bienenstock wird im Herbst gut mit Propolis abgedichtet. |© Jason Riedy, [CC-BY-SA-2.0], via Flickr

Propolis – Immunabwehr des Bienenvolks

  • Cécile Villiger

Die fleissigen Bienen sammeln nicht nur Nektar den sie als Honig in den Waben speichern. Nein, von ihnen stammen auch andere Produkte wie Propolis. Um dieses herzustellen holen Bienen Pflanzenharze und verarbeiten es zu diesem wertvollen Gut. Gerade im Herbst dichten sie damit jeden Spalt damit ab und desinifizieren Innenwände des Bienenstocks.

Neben Honig sammeln Bienen auch Pollen, produzieren Wachs, Gelée Royale und das Kitharz Propolis. Knospen, aber auch Blätter und Wunden von Pflanzen scheiden Harze aus. Die Arbeiterbienen sammeln im gemässigten Klima primär bei Pappeln, Birken, Kastanien, Erlen und Fichten diese Harze. Sie ziehen mit ihren Mandibeln an diesen klebrigen Fäden und mischen Sekret von ihren Mandibeldrüsen bei. Dieses Gemisch nennt man Propolis. Wie auch Pollen transportieren die Bienen Propolis „gehöselt“ im Kamm an ihren Hinterbeinen in den Stock. Dort wird ihnen der Kitharz von anderen Arbeiterbienen abgenommen und an die gewünschte Stelle gebracht.

Die meiste Zeit herrscht in einem Bienenvolk eine konstante Temperatur von 35°C und ein feuchtes Klima. Bei diesen Bedingungen fühlen sich Mikroben pudelwohl. Um das Wachstum von Bakterien, Viren und Schimmelpilzen zu unterbinden überziehen die Bienen den Innenbereich mit einer feinen Schicht Propolis. Auch Eindringlinge, wie Mäuse oder Schnecken, die sie getötet haben und zu schwer sind um sie hinauszutragen, werden mit einer Propolisschicht überzogen. Nicht zu letzt wird der Bereich beim Flugloch speziell mit Propolis behandelt, so dass jede Biene beim hinein- oder hinausfliegen das Propolis streift. Daher auch die Name Propolis, was „vor der Stadt“ bedeutet, gemeint ist vor dem Bienenvolk. Speziell im Herbst dichten die Arbeiterbienen mit diesem Kitharz den Stock ab, so ist er auch von Wind geschützt und das Volk verliert weniger an Wärme.

Die Zusammensetzung von Propolis kann stark variieren. Vor allem um grösseren Ritzen zu schliessen mischen die Bienen dem Propolis Wachs bei, aber auch Pollen können enthalten sein. Daneben sind über 200 Substanzen in Propolis identifiziert worden. Davon umfassen ätherische Öle aus den Harzen eine grosse Gruppe, welche auch für den intensiv aromatischen Geruch von Propolis und die antibiotische Wirkung verantwortlich sind. Schon in der Pflanze schützen ätherische Öle vor Krankheiten und Schädlingen, ausserdem locken sie Bestäuber an.

Ein Bienenvolk bestehend aus Königin, Arbeiterbienen und eventuell Drohnen kann man mit einem Organismus vergleichen, ungefähr mit gleicher Körpertemperatur wie wir Warmblüter. Wie bei uns die Immunabwehr braucht dieser Organismus ein System um das Eindringen und Verbreiten von Mikroorgansimen im Körper zu verhindern. Diese Funktion übernimmt Propolis.

Propolis gilt als stärkstes natürliches Antibiotika. In Alkohol gelöst wird es als Propolistinktur verkauft. Es hat ein grosses Wirkungsspektrum, unter anderem antimikrobiell, virostatisch und Wundheilung fördernd. Ausserdem soll es das Krebswachstum hemmen.