Ein kurzes Nickerchen in der Halbzeit: Dafür halten sich Seeotter an den Pfoten. © Joe Robertson [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Ein kurzes Nickerchen in der Halbzeit: Dafür halten sich Seeotter an den Pfoten. © Joe Robertson [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Natur bewegt! – Kick it like a Seaotter

  • Selina Fehr

Während die Welt im Fussballfieber liegt, chillen die Seeotter im Wasser und vollführen ihre ganz eigenen Balltricks. Beziehungsweise: Steintricks. Wenn sie mit ihrem persönlichen Lieblingskiesel nicht gerade Muschelschalen aufhauen oder Fussballprofis zum Erblassen bringen, stecken sie ihn in die lose Hautfalte unter dem linken Vorderbein, wo sie sonst auch gesammeltes Futter aufbewahren. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich dieses Video an!

Seeotter gehören zu den wenigen Tierarten, die Werkzeuge einsetzen. Um dem kalten Wasser des Nordpazifiks zu trotzen, gehen sie dabei effizient wie Profisportler vor: Seeotter fressen täglich bis zu 25% des eigenen Körpergewichts an Futter in Form von Seeigeln (ihre Leibspeise), Seesternen, Muscheln, Krebsen, Meeresschnecken und Fischen (– wenn die langsam genug schwimmen). Als einzige marine Lebewesen können sie Beute mit den Pfoten fangen. Ob das zur Qualifikation als Torhüter wohl reicht?

Die Ronaldos des Ozeans

Zumindest soviel steht fest: Bezüglich Eitelkeit stehen Seeotter den Fussballern in Nichts nach! Seeotter verbringen eine Menge Zeit pro Tag mit der Fellpflege. Im Gegensatz zu den Gecken auf dem Rasen dient dies aber nicht dem schmeichelhaften Spiegelbild, sondern dem blanken Überleben: Seeotter verfügen, anders als z.B. Wale oder Robben, über keine extradicke Fettschicht. Dafür haben sie das flauschigste Fell der Welt – wortwörtlich! Auf einem Quadratzentimeter Seeotterhaut wachsen 100’000 Haaren. Das sind so viele, wie ein Mensch im Schnitt auf dem Kopf trägt! Damit dieser dichteste aller animalischen Pelze seine Wärme- und Wasserabweis-Funktion ausreichend erfüllt, lecken, kratzen und kämmen die Seeotter ihr Fell tagein tagaus von Öhrchen bis Pfoten.

Während manchen Dribblern nach den Gruppenspielen schon die Puste ausgeht, haben die Seeotter genau davon eine gehörige Menge: Mehr als 2.5-mal so gross wie die Lunge von gleich grossen Landlebewesen ist das Atemorgan der Seeotter. Damit können sie minutenlang tauchen und nach leckeren Seeigeln suchen. Hilfreich dabei ist zudem, dass sie Ohren und Nasenlöcher verschliessen können. Lange Tasthaare helfen ihnen beim Aufspüren der Beute.

An «Cuteness» nicht zu überbieten

Seeotter-Mutter mit seltenen Zwillingen. © Mike Baird [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Seeotter-Mutter mit seltenem Zwillings-Wurf. © Mike Baird [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Herzen des Publikums erobern die Seeotter auch punkto Herzigkeit:

  • Cuteness-Factor I: Seeotter halten Händchen beim Schlafen im Wasser – damit sie nicht auseinander getrieben werden. Teilweise bilden sie so ein «Floss» von bis zu tausend Tieren. DAS ist Teamgeist!
  • Cuteness Factor II: Übertroffen in Kuschligkeit werden Seeotter nur von ihren Youngsters: Die neugeborenen Seeotter haben ein dermassen dichtes Fell, dass sie nicht tauchen können, sondern wie Korken auf dem Wasser tanzen. Praktisch, wenn Mami mal weg muss und Baby noch nicht schwimmen kann. Und damit keine Welle den Kleinen auf offene See wegträgt, umwickelt die Mutter das Jungtier mit Seetang. Jööh, ein Seeotter-Sushi!

Skandalös wie die FIFA

Wie jeder grössere Fussballverband der etwas auf sich hält, lassen auch Seeotter mit Skandalen von sich reden. Mehrfach berichtet wurde von Gangs (oder dubiosen Einzeltätern) männlicher Seeotter, die Babyrobben (jawohl, BABYROBBEN!) überfallen, ertränken und ähm – vergewaltigen. Das rückt die flauschigen, händchenhaltenden Meeressäuger wieder ins rechte Licht: Sie sind Wildtiere, deren Verhalten nicht immer nur herzig ist.

Wem das zuviel der verhaltensbiologischen Details sind, dem empfehlen wir, wieder nach oben zu den netten Bildern und Videos zurückzuscrollen. – No judgement, uns hat es auch das Seeotter-Romantiker-Herz gebrochen.

Oh. Und das im Video ist auch kein Seeotter, sondern ein Fischotter. Im Zoo.

Der Trost bleibt, dass Seeotter – angeblich – auch mit Steinen jonglieren könnten. Nur hat halt niemand gefilmt. Das ist wie Fussball, bevor es Public Viewing gab: Irgendwie weniger glamourös.