© maxpixel.freegreatpicture.com, [CC-BY-SA-2.0]
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Im Kampf gegen Fett, Kalk & Co mit ökologischen Mitteln

  • Mélanie Guillebeau

Der Frühling naht! Die Sonne beehrt uns des Öfteren und mit ihr kommen die ersten Blumen, aber auch der Staub und Dreck in unseren Wohnungen, zum Vorschein. Es ist also an der Zeit, klar Schiff zu machen und denn Frühling in frischer Blüte zu begrüssen. Aber was muss beim Frühjahrsputz beachtet werden, damit wir unser Zuhause sauber kriegen, ohne zugleich unsere Umwelt zu verdrecken?

Wenn auch nicht jedermanns Lieblingsbeschäftigung, so ist Putzen ein unumgängliches Übel. Und so ist es besonders im Frühling üblich, sich an den legendären Frühjahrsputz zu wagen. Doch das Problem beginnt oft schon mit der Auswahl der nötigen Reinigungsmittel. In Supermärkten wird ein riesiges Angebot an spezifischen Putzmitteln gehalten, ob welchem so mancher überfordert ist – so sind zum Beispiel in Deutschland über 50’000 Wasch- und Reinigungsmittel erhältlich. Eine Vielzahl dieser Spezialmittel enthalten aggressive und gefährliche Stoffe, welche unsere Schleimhäute reizen oder unschöne Nebenwirkungen, wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Allergien auslösen können.

Ist dann mal alles sauber geschrubbt, gelangen überschüssige Putzmittel und Schadstoffe ins Abwasser. Zwar werden diese in Abwasser-Reinigungsanlagen grösstenteils beseitigt, nichtsdestotrotz enden Überreste und Abbauprodukte in unseren Gewässer, wo sie negativen Auswirkungen auf deren Bewohner zur Folge haben. Darum lohnt es sich, beim Kauf und Gebrauch von Reinigungsmitteln einige Dinge zu beachten. Grundsätzlich ist man mit folgenden drei Putzmitteln ausreichend für einen umfassenden Frühjahrsputz gerüstet: Ein Allzweckreiniger, ein Entfetter sowie ein Entkalker. Auf zusätzliche Mittel wie Backofenreiniger, Schimmelentferner und WC-Duftsteine kann verzichtet werden.

Tenside: Die Basis aller Putzmittel

Dank ihrer Fähigkeit Schmutzpartikel wasserlöslich zu machen, sind Tenside (waschaktive Substanzen oder Detergentien) eine der zentralste Stoffgruppe in Reinigungsmittel. Früher war der Einsatz synthetischer Tenside üblich und der Auslöser schäumender Fliessgewässer. „Oft glaubt man mitten im Sommer Winterlandschaften anzutreffen, wenn sich schmutziger Schaum meterhoch auf denn Flüssen schwimmend talwärts wälzt“ , so berichtete Albert Haas von dieser Problematik in einer Ausgabe der NZZ aus dem Jahr 1963. Mittlerweile müssen sämtliche verwendete Wasch- und Reinigungssubstanzen gemäss Gesetz zu 80% biologisch abbaubar sein.

Für Palmölplantage gerodete Regenwaldfläche in Borneo, Inodnesion. | © glennhurowitz [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Für Palmölplantage gerodete Regenwaldfläche in Borneo, Indonesien. | © glennhurowitz [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Ein wichtiger ökologischer Aspekt ist aber auch die Herstellung der Tenside, welche in vielen Fällen auf Erdöl basiert. Vermehrt wird aber auch auf pflanzliche Stoffe wie Oliven-, Raps-, Kokos- oder Palmöl für die Herstellung zurückgegriffen. Der Anbau von Palmöl-Plantagen, auch aus nachhaltigen Quellen, hat die Abholzung grosser Flächen von Regenwald zur Folge. Dessen Gebrauch sollte daher, wenn auch oft schwer umgänglich, vermieden werden. Die Marken Sonnett, memo und Good Swaps führen Putzmittel, welche ohne schlechtes Gewissen, sprich ohne Palmöl, gekauft werden können. Eine Auswahl palmölfreier Produzenten und Online-Anbieter von Putzmitteln finden Sie im Umweltführer von Umweltblick. Eine weitere Alternative, oder oft auch Ergänzung, stellen Zuckertenside (Alkylpolyglukoside) dar. Deren ist weit aufwendiger Herstellung und basiert auf pflanzlichen Ölen und auf Zucker oder Stärke (z. B. Maisstärke). Sie besitzen aber zwei grosse Vorteil: Einerseits sind sie vollständig biologisch abbaubar; andererseits beruht deren Herstellung aus nachwachsenden Ressourcen.

Laugen: Im Kampf gegen Fettflecken

Bei schmierigen Fettflecken haben sich Laugen, wie Backpulver oder Soda (Natriumkarbonat), bewährt. Soda wird unter dem Begriff Waschsoda in Onlineshops von Ventio oder Manufactum geführt. 1-2 Esslöffel vermischt mit 1 Liter warmem Wasser genügen zur Beseitigung von hartnäckigen Flecken. Soda kann zudem als Abfluss- und Backofenreiniger angewendet werden und wirkt vorbeugend bei Schimmel und üblen Gerüchen. Es soll aber erwähnt sein, dass bei der Verwendung von Soda, aufgrund seiner reizenden Eigenschaft für Haut, Augen und Atemwege, Vorsicht geboten werden muss und das Tragen von Handschuhen zu empfehlen ist.

Säuren: Befreien Küche und Bad von Kalk

Zitrusfrüchte. Die biologische Variante zur Kalkbeseitigung. | © Jennifer Chait [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Zitrusfrüchte. Die biologische Variante zur Kalkbeseitigung. | © Jennifer Chait [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Säuren kommen für die Entfernung von Kalk in Küche und Bad zum Einsatz. Dabei sollte beachtet werden, dass Putzmittel mit organischen Säuren wie Zitronensäure oder Essigsäure verwendet werden, die fast gänzlich biologisch abbaubar sind. Wer auf Hausmittel setzen will, kann im Kampf gegen Kalkrückstände Essigsäure – verdünnt mit lauwarmem Wasser – verwenden. Essigsäure ist ein wahres Multitalent und kann ebenfalls zur Reinigung von Teppichen, Sofas und Fenster gebraucht werden. Natürlich und wohlriechend zugleich sind als Alternative auch Zitronensäure und Schalen von unbehandelten Zitrusfrüchten. Als flüssiger Entkalker kann ein Teil Zitronensaft, vermengt mit drei Teilen Wasser, zum Einsatz kommen. Nach Gebrauch können Zitronen und Fruchtschalen, welche Putzmittel und Waschlappen zugleich sind, auf dem Kompost entsorgt werden. Selbiges gilt auch bei der Anwendung von Kartoffelschalen, wobei die Kartoffelstärke zusätzlich dem erneuten Entstehen von Kalkbelägen vorbeugt.

Öko-Labels als Orientierungshilfe

Im Allgemeinen sollte auf synthetische Farb-, Konservierungs- und Duftstoffe verzichtet werden, welche häufig die Auslöser von Allergien sind. Beim Kauf kann man sich unter anderem an folgenden zertifizierten Labels orientieren: Das EU-Ecolabel, Blauer Engel, das Österreichische Umweltzeichen, das Nordic Ecolabel, oecoplan von Coop, Sustainable Cleaning (Produkte von „Plus Oeco Power“ der Migros tragen dieses Label).

Und zu guter Letzt: Wie so oft, gilt auch beim Putzen „Weniger ist mehr“. Der Einsatz von Putzmitteln sollte spärlich erfolgen und stattdessen mit mechanischen Mitteln, sprich mit Manneskraft, unterstützt werden. Dabei helfen Sie, nicht nur unsere Umwelt, sondern auch sich selbst fit halten.

Zusätzliche Tipps und Tricks zur korrekten Anwendung der erwähnten Hausmittelchen finden Sie auf dem Blog von emmaradio (auf Utopia veröffentlicht) sowie auf Beobachter.ch.